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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Quod Licet Bovi? (I.)

Quod licet bovi? (I.)

1910 kam es in der Donaumonarchie vielerorts zu lauten Protesten über die starke Teuerung der Lebensmittel, insbesondere von Fleisch, was zu Boykotten von Metzgereien führte – von der zeitgenössischen Presse als „Fleischkrieg“ bezeichnet.

Jede politische Richtung hatte natürlich gleich ihren Schuldigen, sei es der Bauer oder der Zwischenhandel. Diese Beschuldigungen waren zwar praktisch für den Wahlkampf, aber die Preise konnten sie nicht senken. Ein mögliches Mittel dazu war der Abbau von Zollschranken und anderen Importbeschränkungen. V.a. Rindfleischimporte aus Argentinien, damals wie heute eines der wichtigsten Exportprodukte des Landes, wurden diskutiert.

Übrigens anders als heute war damals das BIP pro Kopf in Argentinien höher als in Österreich. Es lag für Argentinien bei ca. 6.100 $[1], was das Land auf Platz 8 der reichsten Länder der Erde brachte. In der Cisleithanischen Reichshälfte lag es hingegen bei ca. 5.300 $, für die gesamte Monarchie sogar nur bei 4.500 $. Heute liegen diese Werte für Österreich bei 73.000 $ und für Argentinien bei 30.000 $. Die besondere Entwicklung Argentiniens veranlasste den Ökonomen und Nobelpreisträger Simon Kuznets (1901-1985) zu dem Bonmot: „Es gibt vier Arten von Volkswirtschaften: entwickelte Länder, unterentwickelte Länder, Japan und Argentinien“. Gemeint war damit, dass Japan und Argentinien nicht so recht in die gängigen Wirtschaftsmodelle passen – Japan, weil es sich so schnell entwickelte, Argentinien weil es im Vergleich so weit zurückblieb.

Aber zurück zum Fleischkrieg. Die Bedenken ob des Importes waren zum einen, dass es natürlich die heimischen Viehzüchter unter Preisdruck bringen könnte, zum anderen, dass Krankheiten so ihren Weg zu örtlichen Rinderherden finden könnten. Es wurde auch überlegt, Fleisch aus naheliegenderen Quellen zu importieren, insbesondere aus Rumänien und Serbien.

(Sammelkarte von Liebig‘s Fleisch-Extrakt, hergestellt in Uruguay und Argentinien, Signatur Sommer-26-118)


[1] Diese Werte beziehen sich auf den US-Dollar im Jahr 2021. Anhand des Preises bestimmter Güter wird versucht, möglichst vergleichbare Werte nach realer Kaufkraft zu bekommen.

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