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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Il Duce A Innsbruck (II.)

Il Duce a Innsbruck (II.)

Das erste Mal wurde in einer Innsbrucker Zeitung übrigens schon 1909 über den späteren Duce berichtet als er Chefredakteur der Zeitung Il Popolo (dt. Das Volk) wurde. Kurz vor der Machtübernahme der Faschisten in Italien 13 Jahre später gründete Mussolini die Zeitschrift Gerarchia (dt. Hierarchie), die dazu dienen sollte, dem Faschismus eine kohärente Ideologie zu geben. Besonders bekannt daraus wurde ein Artikel, den Mussolini dort 1923 veröffentlichte, betitelt Forze e Consenso (dt. Gewalt und Konsens).

Mussolini argumentierte, dass der Liberalismus „das Produkt und die Methode (il portato e il metodo)“ des 19. Jahrhunderts sei. Und für dieses Jahrhundert sei er auch geeignet gewesen, aber war damit gesagt, dass er auch im 20. Jahrhundert einen Platz hatte? Mussolinis Antwort können Sie sich denken. Russland und Italien, so führte er aus, würden beweisen, dass man auch „außerhalb, über und gegen (al di fuori, al disopra e contro)“ den Liberalismus regieren könne. Eine entscheidende Schwäche sah Mussolini darin, wie der liberale Staat mit Dissidenten umging (zu denen ja ironischerweise Mussolini selbst gezählt hatte). Muss er auch die schützen, die ihn vernichten wollen? ([…] fare largo a coloro che dichiarano la loro ostilità allo Stato e lavorano attivamente per demolirlo?) Die Liberalen würden diese Frage bejahen und damit ihr eigenes Grab schaufeln. Freiheit sei kein Ziel, sondern nur ein Mittel (La libertà non è un fine; è un mezzo). Wenn man an die Macht gekommen war, dann sei es die Pflicht sich mit allen Mitteln darin zu halten – Quando un gruppo o un partito è al potere, esso ha l’obbligo di fortificarvisi e di difendersi contro tutti. Ein eigentlich erstaunliches Geständnis, dass im Herzen von Mussolinis Doktrin nicht wirklich eine Ideologie lag, sondern der Wille, Macht auszuüben, die durch nichts anderes gerechtfertigt war als das Recht des Stärkeren und seiner Meinung nach auch keiner anderen Rechtfertigung bedurfte. Die meistzitierte Passage dieses kurzen Artikels ist allerdings nicht diese, sondern Mussolinis Behauptung, dass der Mensch der Freiheit müde sei:

La verità […] è che gli uomini sono forse stanchi di libertà. […] La libertà non è, oggi, più la vergine casta e severa per la quale combatterono e morirono le generazioni della prima metà del secolo scorso.

Die Wahrheit ist, dass die Menschen vielleicht der Freiheit müde sind. Die Freiheit ist nicht mehr die keusche Jungfrau, für welche die Generationen der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts kämpften und starben.

Die Freiheit, so sagt uns Mussolini mit seiner misogynen Metapher, sei entzaubert. Die Wörter die nun Faszination auf die Jugend ausüben seien Ordnung, Hierarchie und Disziplin (ordine, gerarchia, disciplina). Der Faschismus sei im Grunde bereits über den mehr oder weniger verrotteten Leichnam der Freiheit hinweggestiegen, und würde dies ruhig wieder tun – è già passato e, se sarà necessario, tornerà ancora tranquillamente a passare sul corpo più o meno decomposto della Dea Libertà. Zwölf Jahre nachdem er diese Zeilen geschrieben hatte, zeigte sich, dass er verwechselt hatte, wer welche Rolle in diesem bildhaft beschriebenen Szenario einnehmen sollte.

(Signatur Ph-25735)

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