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Ein Detailreiches Pradler Idyll

Ein detailreiches Pradler Idyll

Nach dem gestrigen wunderbaren wenn auch windigen Herbstvormittag, dem nass-grau-grausigen Nachmittag und Abend, erwartete uns heute früh auch in der Stadt ein Hauch von Winter mit zahllosen Schneeflocken. Und während der Zauber herunten rasch wieder vergangen war, bleibt uns der Schnee oben, auf der derzeit wolkenverhangenen Nordkette, wohl noch länger erhalten…

… so wie auf dieser Ansicht von Alt-Pradl, auf die ich heute bei Recherchen gestoßen bin, und die einfach geteilt werden muss! Über die Alte Pradler Pfarrkirche, gibt es ja bereits einen Artikel, ebenso wie über zahlreiche andere traditionsreiche Pradler Häuser. Und Sie, liebe LeserInnen, können darüber wahrscheinlich ohnehin viel mehr darüber erzählen als ich.

Deshalb will ich gar nicht all zu viele Dinge beschreiben oder erklären – lassen Sie einfach dieses Bild vom Anfang des 20. Jahrhunderts auf sich wirken und entdecken Sie die zahlreichen Details: Die wunderbaren Häuser, eines nach dem anderen. Der Platz zwischen ihnen. Die lockere dörfliche Struktur. Der strahlendweiße Gutshof im Hintergrund. Die scheinbar geruhsame Szene auf der Pradler Straße – nur einige FußgängerInnen und ein Radfahrer. Wäsche, die zum Trocknen hängt… … …

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-26166)

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Ach, Herr Bürgschwentner: Meine Heimat!!! Im Zentrum das Haus Pradlerstraße 15, das uns (so wie das Haus dahinter, Egerdachstraße 6) gehörte und in dem ich die ersten 19 Jahre meines Lebens ständig, danach auch noch oft, verbrachte! Jetzt brauche ich eine Weile, um alles auf mich einwirken zu lassen! Einstweile nur danke, Herr Bürgschwentner!!

  2. Dieses Bild hat es (für mich zumindest) in sich! Ich habe heute in der Nacht davon geträumt, bin aufgewacht, habe darüber nachsinniert und bin dann aufgestanden, um alles in den PC zu tippen. Etwaige Leser mögen mir deshalb auch stilistische und historische Schwächen verzeihen.
    Wie schon in meinem ersten Kommentar vermerkt, sieht man im Zentrum ‚unsere‘ Häuser, in denen ich aufwuchs. Schon länger habe ich für http://innsbruck-erinnert.at/sturmfrisur/ einen Beitrag vorbereitet, deshalb hier nur ganz kurz: Pradlerstraße 15 wurde 1828 als Pradl Nr. 23 erbaut, die Egerdachstraße 6 etwas später. Im Grundbuch ist die Bezeichnung „Pradlerbäck“ eingetragen. Im Jahre 1908 kaufte mein Großvater beide Häuser von der Rauchmühle in Mühlau. Vorher, ab 1899, hatte er die Bäckerei im Glockengießerhaus in Hötting betrieben.
    Leider konnte mir bisher weder das Stadtarchiv noch Herr Walter Kreutz, aus dessen Sammlung das Foto stammt und der mir schon vor Jahren eine Kopie schenkte, etwas Genaues über das Aufnahmedatum sagen, auf Grund verschiedener Anhaltspunkte nehme ich den Zeitraum 1911 – 1913 an. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits sieben der insgesamt neun Kinder meiner Großeltern, darunter auch mein Vater, der noch in Hötting geboren ist, auf der Welt!
    Wenden wir uns der Umgebung zu: Auffallend ist die kleine weiße Kapelle visavis unseres Hauses, die Maria Hilf Kapelle (siehe Beitrag http://innsbruck-erinnert.at/sturmfrisur/ ), die 1941 zusammen mit der alten Pradlerkirche leider entfernt wurde, da sie laut Stadtmagistrat ebenso wie die Kirche ein Verkehrshindernis darstellte. Dahinter steht der Geräteschuppen der Freiwilligen Feuerwehr Pradl.
    Daneben nun die alte Pradlerkirche samt Friedhof, über die in http://innsbruck-erinnert.at/alte-pradler-pfarrkirche/ berichtet wird. Die Kirche dürfte zu diesem Zeitpunkt schon ‚entweiht‘ gewesen. Der im Bericht erwähnte Teilabbruch 1913 dürfte den Turm betroffen haben, der vorher noch eine hohe Spitze hatte. In Bildern von der Firstfeier der neuen Pradler Volksschule im Jahre 1908 sieht man noch den Spitzturm http://innsbruck-erinnert.at/firstfeier/ ! Total abgerissen wurde die Kirche erst 1941 durch französische Kriegsgefangene
    Der Friedhof wurde 1928 aufgelassen, aber ab 1913 durfte schon niemand mehr begraben werden, da zu diese Zeit der neue Pradler Friedhof in den Amraser Feldern eingeweiht wurde. Was hätte ich alles für Geschichten rund um Kirche und Friedhof in meinem Kopf! Nach dem Abriss lag hier jahrelang ein Materialhaufen – wie sollte auch der Abbruch verführt werden, es gab ja auf Grund des Krieges keine LKW für solche Arbeiten. Dazu wurde bei einem Bombenangriff 1944 die Turnhalle zwischen Kirche und Pradler Volksschule (man sieht am Bild gerade noch ein Eck) komplett zerstört. Mit der Zeit wuchs alles zu, es wurde unser Spielplatz und Klettergarten! Der westliche Teil des Friedhofes und der ganze Schulhof wurde 1945 von der Stadtgemeinde den Anrainern als Schrebergärten zur Verfügung gestellt, mein Großvater mütterlicherseits bekam auch einen zugeteilt, noch im Friedhofsbereich! Ich kann mich noch gut erinnern, wie wir so manches „Boandl“ beim Umstechen ausgruben und meine Tanten väterlicherseits sagten: Von diesem Garten würden wir nie Gemüse essen, lieber verhungern wir!
    Bekanntlich wird dieser ganze Platz nun von der Leitgeb Sporthalle eingenommen!
    Auf der anderen Straßenseite, gegenüber der Turnhalle ist das Haus Pradlerstraße 23. Es ist das erste Haus, das schon der neuen Baufluchtlinie angepasst wurde und deshalb überhaupt nicht zu den übrigen, einstöckigen Häusern danach bis zum Haus Nr. 35 passte (Zawadil Schuster, Widum, alte Volksschule, Vögelehaus – alles visavis der neuen Pradler Pfarrkirche). Die nackte Feuermauer war und ist auch heute noch ein Schandfleck.
    Zwischen dem 23er Haus und unseren Häusern war / ist die Stolzwiese – benannt nach dem Bauern Stolz, dessen Sohn, der Tierarzt Dr. Josef immer noch hier in der Egerdachstraße 8 wohnt und der noch immer um die richtige Abgeltung der für die Stadterweiterung praktisch zwangsenteigneten Felder in der Reichenau streitet. Damals wird der Hof allerdings noch der Proserhof (oder Broser??) gewesen. Der Stadel wurde auch ein Opfer des Krieges, er brannte nach einem Bombenangriff ab und wurde nach dem Krieg wieder aufgebaut – viel größer, als er jemals war!
    Dahinter sieht man noch zwei weitere Bauern der Egerdachstraße, die auch noch bewirtschaftet werden! Der Stamserbauer (der Familie Plattner) und der Hörtnaglhof. Dazu gehören noch die riesigen und im Stadtgebiet von Innsbruck einzigartigen Felder und Äcker zwischen Egerdachstraße, Gabelsbergerstra0e / Pembauerstraße und Amthorstraße! Dahinter wäre noch der ehemalige Dodlhof. Links vom Stamserhof das Leopardischlössl (Schülerheim des Bauerbundes) und das ehemalige Gasthaus „Lodronischer Hof“, Stammsitz des ehemaligen Pradler Bauerntheaters.
    Links vom Kirchturm ein weiterer Bauer, dessen Namen mir gerade nicht einfällt, dahinter sieht man die Häuser der Pembauerstraße von Nr.21 bis Nr. 34 („Heimstätten“), das markante Haus ist das Eckhaus Reichenauerstraße / Pembauerstraße (Nr. 9), weiter nördlich Nr. 7 bis Nr. 1)
    Dazwischen, ganz im Hintergrund und schon auf der Mühlauer Seite des Inns, die Häuser der Hallerstraße 73 – 91, rechts im Hintergrund, wie schon im Text dieses Beitrages erwähnt, die weißen Häuser des Gutshofes in der Reichenau beim alten Innsbrucker Flughafen.
    Um doch zu einem Ende zu kommen schauen wir noch auf die linke Seite von Pradlerstraße 15: Das Pradlerbrunnenplatzl, schon mit dem Hl. Florian an der Ostseite des Beckens, das Singewaldhaus (Nr. 13) mit den Fresken von Raphael Thaler und daneben das als „Sport Kiefer“ bekannte Haus Nr.11 (eh. Tischlerei und Sargmacher Müller, das jetzt – 2020 – gerade neu aufgebaut wird).
    Jetzt verbleiben nur mehr auf der westlichen Straßenseite zwei weitere Bauern (Pradl hatte ja über 20 Bauernhöfe): Der „Villerbauer“ Haus Nr. 14 (visavis Singewald) und der schon lange nicht mehr bestehende Baumannhof.
    Aus der Häusergruppe hinter dem Singewaldhaus sticht noch der Gasthof „Goldener Winkel“, der „Winkelwirt“ mit dem Türmchen heraus, das andere sind (neben der Rückseite des „Sailerhauses“ Pradlerstraße 9) bereits abgerissene Häuser der Reichenauerstraße bzw. abgebrannte der Schmuckgasse.

    Was so ein Bild alles hergibt – ich sähe und wüsste noch viel mehr, aber ich lasse es besser! Etwaige Leser (vielleicht gibt es sogar solche) mögen mir die Länge dieses Beitrages verzeihen

    1. Ganz herzlichen Dank für diesen umfangreichen Kommentar! Es wird sich sicher noch die Gelegenheit ergeben, diesmal Ungesagtes bei einem zukünftigen Bild zu erzählen!

  3. Ein wirklich schöner Artikel, Herr Roilo!
    Den Herrn Anton Stolz habe ich gekannt und seinen unermüdlichen Kampf um die Grundstücke unmittelbar miterlebt.

    Ein Update speziell für Sie: Die Feuermauer der Pradlerstraße 23 ziert jetzt im Bereich des ausgebauten Dachbodens ein Fenster!

    1. Grüß Gott, Herr Engelbrecht! Zuerst einmal danke für das Lob!
      Bezüglich Stolz: Ich habe schon in einem anderen Beitrag über die Stolzbrüder geschrieben! Jedenfalls stimmt es, dass der jüngste der drei Brüder, Herr Anton Stolz, diesen jahrelangen Kampf führte, wie aus diesem Link auch hervorgeht:
      https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwjdmPzms-DvAhWFwAIHHVglALcQFjAFegQIBhAD&url=http%3A%2F%2Fnazi-grundstuecksraub.at%2Fzusammenfassung.html&usg=AOvVaw2-KzvBPEszQBIrE-Qm-tVj

      Leider bricht alles 2013 ab, wissen Sie vielleicht, wie das alles ausgegangen ist?

      Bezüglich Pradlerstraße 23: Danke für das Update – ich werde mir das natürlich bei meinem nächsten Besuch in Pradl anschauen und ein Foto machen.

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