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Eine Kurze Geschichte Der Pradler Feuerwehr

Eine kurze Geschichte der Pradler Feuerwehr

Weitgehend vergessen ist heute, dass in Pradl einst eine eigene Freiwillige Feuerwehr existierte. Sie zählte zu den ältesten Feuerwehren Tirols und wurde – mit maßgeblicher Unterstützung der Innsbrucker Feuerwehr – im Frühjahr 1876 gegründet. Am 1. Juni 1876 absolvierte sie, unter der Leitung ihres frischgebackenen Kommandanten, Johann Wieser (vulgo „Fuchsen Jörgl“), Gutsbesitzer in Pradl, ihre erste öffentliche Übung:

„Beim Angerer, Kapferer und Schaffenrath wurde aufgestiegen und Wasser gegeben. Die Spritze ist ohne Saugwerk, aber für ihre Größe sehr leistungsfähig. Als Steigegeräth besitzen sie eine Unterlaufleiter. Das Unternehmen dieser wackeren Männer ist umso mehr zu schätzen, da sie Duxer und Kappe selbst [be]schafften. Unter der Leitung ihres sehr tüchtigen Kommandanten und der väterlichen Fürsorge des Herrn Gemeindevorstehers berechtigt sie zu den schönsten Hoffnungen“, so die Innsbrucker Nachrichten am 2. Juni 1876.

Das erste Gerätehaus der FF Pradl in der Egerdachstraße hat alle Fährnisse der Zeit überdauert und steht noch heute. Mittlerweile wurde es sogar renoviert. Foto: Ing. Manfred Roilo.

In den folgenden Jahren konnte sich die FF Pradl fest etablieren. Dank der finanziellen Unterstützung der Bevölkerung und der Innsbrucker Feuerwehr erhielt sie am Florianisonntag des Jahres 1883 eine – von der Firma Graßmayr in Wilten hergestellte – moderne Landfahrspritze, die über 40 Jahre im Einsatz stehen sollte.

Die im Jahr 1883 in Dienst gestellte Landfahrspritze der Feuerwehr Pradl.

Im Vorfeld der Eingemeindung Pradls (1904) war auch die künftige Stellung der Feuerwehr ein Thema. In Punkt XIV. der Übereinkunft mit der Stadt Innsbruck heißt es dazu: „Die freiwillige Feuerwehr Pradl bleibt bestehen und bildet einen Theil der städtischen Feuerwehr unter dem Commando des Innsbrucker Brand-Directors.“ Aus der FF Pradl wurde somit die V. Kompanie der Freiwilligen Feuerwehr Innsbruck.

Einladung zum Unterhaltungsabend der V. Kompanie (Pradl) am 16. November 1907.

Vier Jahre später beschaffte die Stadt Innsbruck für die V. Kompanie um 5.000 Kronen (rund 31.000 Euro) eine Magirusleiter (sie ist in unserem Titelbild gut zu erkennen). Im Jahr 1909 wurde mit den Planung eines zeitgemäßen Gerätehauses bei der alten Pradler Pfarrkirche begonnen, welches am 18. Dezember 1910 feierlich an die V. Kompanie übergeben werden konnte.

Am 11. Juli 1926 beging die V. Kompanie (Pradl) ihr 50. Gründungsfest. Der Tag begann „mit einem musikalischen Weckruf um 6 Uhr morgens […]. Um 9 Uhr wurde in der Pradler Pfarrkirche vom Hochw. Herrn Pfarrer Vinatzer die Festmesse gelesen, der auch in einer kurzen Ansprache die Verdienste der Feuerwehr um das allgemeine Wohl hervorhob. Nacher fand im Lodronischen Hof ein Frühschoppenkonzert statt, wo auch die von auswärts erschienen Wehren vom Hauptmann Josef Kirchebner begrüßt wurden.“

Gruppenfoto der V. Kompanie, aufgenommen beim 50. Gründungsfest, 1926.

Am 3. September 1933 feierte die V. Kompanie die Übernahme einer modernen Rosenbauer-Motorspritze, Typ D 40.

Aus Anlass des ihres 60jährigen Bestandes veranstaltete die V. Kompanie am 19. Juli 1936 ein großes Feuerwehrfest mit einem Gottesdienst in der Pradler Pfarrkirche, einer Schauübung unter dem Motto „Vom Feuereimer bis zum Schaumlöschgerät“, einem Konzert der Feuerwehrmusik und einer Tombola.  Auch das Gründungsmitglied Kassian Müller wurde bei dieser Gelegenheit geehrt.

Mit dem Dienstbefehl Nr. 1/39 vom 19. Jänner 1939 erfolgte die Umbenennung der bestehenden Kompanien der Innsbrucker Feuerwehren in Löschzüge – aus der V. Kompanie wurde der „Löschzug 5 Innsbruck“. Es war dies die letzte organisatorische Veränderung für die einstige Pradler Feuerwehr, denn nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde sie nicht mehr aufgestellt.

Kommandanten:

1876 – 1896       Johann Wieser

1896 – 1907       Andrä Vögele

1907 – 1911       Josef Müller

1911 – 1931       Josef Kirchebner

1931 – 1939       Heinrich Müller

1939 – ?              Florian Sperl

? –1945               Karl Müller

Ausgewählte Einsätze:

Großbrand in Hötting (August 1876)

Großbrand in der Kapfer’schen Brauerei (Mai 1878)

Brand des Hotels Europa (Mai 1881)

Brand der Rauterhäuser in Wilten (November 1881)

Großbrand in Igls (August 1883)

Brand in der Maschinenfabrik Köllensperger (Mai 1887)

Großbrand in Aldrans (Oktober 1893)

Großbrand in Hötting (Juli 1895)

Brand in der Baufabrik Huter (Oktober 1901)

Brand in der Lodenfabrik Baur (1915)

Brand der Kunstmühle Anton Rauch (August 1919)

Großbrand Möbeltischerlei Colli in Wilten (Mai 1922)

Großfeuer Sägewerk Fritz in Wilten (Mai 1924)

Brand Gasthof Neupradl (April 1929)

PS: Vielen Dank an HBI Manfred Liebentritt für die Unterstützung bei der Feststellung der Kommandanten!

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-14393 / Ph-12779 / Ph-12819 und Ph-Dig-1008)

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