Erinnerung an die Brennerbahn – Klausen
Unsere Reise auf der Brennerbahn führt uns unaufhaltsam weiter nach Süden. Schon aus der Ferne erkennen wir auf der nächsten Seite des Erinnerungsalbums unser nächstes Ziel: Klausen.
Erneut bleibt sich das Erinnerungsalbum treu. Statt der Bahn oder des Bahnhofs zeigt uns der Künstler wie schon so oft „nur“ die Stadt selbst. Über diese künstlerischen Freiheiten haben wir uns im Laufe der Serie bereits mehrmals gewundert. Offenbar standen für die Stadtansichten deutlich mehr Vorlagen zur Verfügung als für die Eisenbahn selbst.
Das schmälert den Reiz der Darstellung allerdings keineswegs. Ganz im Gegenteil, denn die wichtigsten Wahrzeichen Klausens sind hervorragend wiedergegeben. Hoch über der Stadt thront das Kloster Säben auf seinem markanten Felsen. Darunter erkennt man die Burg Branzoll, die einst den Zugang zum Säbener Berg sicherte. Im Zentrum der Altstadt erhebt sich die Pfarrkirche St. Andreas mit ihrem schlanken gotischen Turm, der bis heute das Stadtbild prägt. Im Vordergrund schlängelt sich der Eisack durch die Stadt und wird von einer Brücke überspannt.

Besonders spannend wird der Vergleich mit einer rund vierzig Jahre jüngeren kolorierten Postkarte. Trotz unterschiedlicher Darstellung lassen sich dieselben markanten Gebäude sofort wiedererkennen. Kloster Säben, Burg Branzoll, die Pfarrkirche und der Eisack bilden bis heute die unverwechselbare Silhouette Klausens.
Die Brennerbahn selbst bleibt auf dieser Ansicht zwar unsichtbar. Dennoch vermittelt das Bild eindrucksvoll jenes Stadtpanorama, das Reisende seit der Eröffnung der Bahn im Jahr 1867 beim Halt in Klausen erwartete und das bis heute zu den schönsten Ansichten des Eisacktals zählt.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-A-24611-19, Ph-12046)
Ob unser braver Zeichner sich damals schon auf dem „Dürerstein“ am Abhang des Tschanbergs am linken Eisackufer niederlassen konnte, mit seinem Skizzenblock am Schoß, um diese seine Vedute von Klausen zu zeichnen?
Jedenfalls scheint sich seit den Tagen von Albrecht Dürers Blatt „Das große Glück“ bis zum Bau der Brennerbahn in Klausen nichts verändert zu haben – vielleicht vom Türml der Liebfrauenkirche am Weg zum Kloster Säben hinauf einmal abgesehen…
Schade, daß er den Säbener Klosterberg nicht von Norden her porträtiert hat, wo man den Kirchturm und den wie schutzsuchend daran angeschmiegten Turm der Burg sähe (mit den ängstlich nach Norden blickenden beiden „Augen“ unterm Dach) und den westlich anschließenden Gebäuden…