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Die Schwarze Kunst In Innsbruck (II.)

Die Schwarze Kunst in Innsbruck (II.)

Das erste Stück, das nachweislich aus der Innsbrucker Druckerpresse stammte, war ein Flugblatt, welches Leonhard Roßnagl 1549 druckte. Roßnagl war Druckergeselle in Basel, bevor er sich in Innsbruck niedergelassen hatte. Noch im selben Jahr folgte ihm Ruprecht Höller als Innsbrucker Druckmeister nach. Er erhielt 52 Gulden und Unterkunft für seine Arbeit. Man stellte ihm einen Amtsdiener, Georg Dodl, zu Seite, der das Handwerk von ihm erlernen sollte, damit er anschließend die benötigten Drucksorten für Regierung herstellen könnte. 1551 traute sich Dodl scheinbar zu, Höller ersetzen zu können und die Regierung entließ ihn. Dass Dodl doch noch kein Meister des Handwerks war, zeigt sich wohl daran, dass man Höller schon drei Jahre später wiedereinstellte und zwar mit einer ordentlichen Gehaltserhöhung auf 65 Gulden pro Jahr.

Aber wenden wir uns ein wenig dem Handwerk selbst zu, dem die Buchdrucker nachgingen. Anfangen musste natürlich alles mit den berühmten beweglichen Lettern. Ein Schreiber bereitete Vorlagen für die Buchstaben vor, anhand derer man dann arbeiten konnte. Um die einzelnen Lettern herzustellen, wurde erst der Buchstabe ihn einen Stempel aus Stahl geritzt (die sogenannte Patrize). Dazu mussten die Stahlstücke erst weichgeglüht werden. Sie wurden auf ca. 650 °C erhitzt, anschließend ließ man sie langsam auskühlen. Nun wurde der Buchstabe mit einer Stahlnadel (spiegelverkehrt) auf die polierte Stempelfläche geritzt und dann die Innenfläche ausgehoben (oft indem man sie mit einer Punze eindrückte), der Rest wurde von außen abgefeilt. Hier war Feinarbeit gefragt, denn die Erhebungen mussten natürlich bei jedem Stempel exakt gleich hoch sein. Der Stempelschneider arbeitete somit lange mit Stichel, Feile und Lupe an den verkehrten Buchstaben. Nachdem der Stempel fertiggeschnitten war, musste der Stahl wieder gehärtet werden, er wurde also bis zur Rotglut erhitzt (über 500 °C) und dann mit Wasser rasch abgekühlt. Für die Gussform, die Matrize, verwendete man das reinste Kupfer, das man in die Hände bekommen konnte. Das Stempeln war wieder eine heikle Angelegenheit, weil hier erneut die Tiefe genau stimmen musste – gelöst wurde dies, indem man den Stempel absichtlich ein wenig zu tief ins Kupfer drückte, und die Matrize dann langsam auf die richtige Tiefe zurechtfeilte.

(Der Tiroler Landreim, gedruckt von Ruprecht Höller, Signatur Ph-A-882-3-005)

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