Gottesfreundschaft am Wiesengrund
Die Bilder des Ehepaars Mayer haben uns ja schon in verschiedenen Artikeln begleitet. Nicht immer ganz scharf, vermutlich mit einer Allerweltskamera geschossen und wohl im eigenen Badezimmer entwickelt, war es sicher auch immer wieder so, dass man das bei analogen Filmen unsichere erste Negativ und das manchmal einer zügigen Entwicklung des letzten Bilderserie entgegenstehende letzte Bild mit dem Schuss aus dem Fenster erledigte (ein Motiv, das auch viele Newesely-Bilder vom Balkon oder jene von Friedl Murauer in der Variante Schuhknips auslöste).
Manchmal hingegen, wenn zum Beispiel die horizontal herein leuchtende Sommer-Abendsonne das Stift und die Basilika noch einmal aus dem Oberland besonders prächtig in Szene setzte, musste man, auch wenn man das Bild schon x-Mal geschossen hat, doch noch ein letztes davon machen. Die Schuss-und-Gegenschuss Bilder unten zeigen die Wiese, auf der später die Sozialistische Jugend turnte und dann ein Forum Kaufhaus stand, das derzeit Cineplexx heißt und wie man hört demnächst einem Wohnbau weichen soll.
Die Mayers dürften, schätztrianguliert man den Blick von Oben mit der Höhe des rechts hereinragenden Baumes im dritten Stock gewohnt haben. In der Wohnung befand sich ab 1925 auch die Studienbücherei der Theosophischen Gesellschaft, zu deren Bibliothekar August Mayer gewählt wurde; In diesem Jahr war er schon Oberbahnrat i.R. (* 1881, also gerade 44 Jahre jung) und hatte danach offenbar neben dem vereinsmäßig betriebenen alternativreligiösen philosophischen Zeitvertreib noch eine beinahe faustische Schwäche für Medizin, weshalb er irgendwann auch als Dr. med in den Adressbüchern aufschien.



Wem Theosophische Gesellschaft nichts sagt (so wie mir), kann mit diesem Absatz aus der nüchternen Wikipedia beginnen:
Die TG gilt als Prototyp einer okkulten Gesellschaft, deren unvertraute Denkmuster als Beispiel für Pseudo–Intellektualismus angesehen werden. Die theosophische Denkweise, zahllose nicht-rationale verzerrte Theorien über das Universum zu verbreiten, hatte großen Widerhall gefunden, und die theosophischen Lehrsätze wurden beispielsweise von Heinrich Himmler durchdrungen und adaptiert. So vermischte die TG Hinduismus, Buddhismus und Christentum mit diversen eigenen Ideen zu einem exzentrischen Potpourri, was den Religionswissenschaftler und Historiker Helmut Zander in seiner Studie über die Anthroposophie in Deutschland zu der Aussage veranlasste, es handele sich bei der Theosophie um eine mittlerweile kaum mehr registrierte epochale Zäsur: „Sie war vermutlich die erste nichtchristliche Religionsgründung nach der Antike in Europa.“