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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Was Uns Das Foto Verschweigt…

Was uns das Foto verschweigt…

Reich geschmückt ist der Wagen, den wir auf dieser Postkarte sehen und der eine neue Glocke für die Jesuitenkirche trägt. Naja, jedenfalls war sie im Jahr 1901 noch neu. Betitelt ist sie mit dem Namen „Dreifaltigkeits-Glocke“. Umrahmt wird sie von einem Gestell, das eine pyramidenähnliche Form hat. Ganz oben thront ein rundes Blumengesteck. Das Konstrukt lässt den Wagen, der übrigens eigens für diesen Zweck gebaut wurde, noch imposanter erscheinen, auch wenn die Glocke an sich schon ein reich verziertes Kunstwerk darstellt. Was auf diesem Bild nicht zu sehen ist: Die Glocke war so schwer, dass er von acht Pferden gezogen wurde. Im Hintergrund des Bildes sind vermutlich die Alte Universität und das Hotel Grauer Bär zu sehen. Der Wagen dürfte sich also auf dem heutigen Karl-Rahner-Platz vor der Jesuitenkirche befinden.

Die kleinteiligen Verzierungen der Glocke sind auf dem Foto eher schwer zu erkennen. In den Innsbrucker Nachrichten vom 23. November 1901 wurden den neuen Glocken der Jesuitenkirche allerdings eineinhalb Seiten gewidmet, in denen auch die Motive und der religiöse Symbolismus beschrieben werden.

Als Erstes stechen die drei Löwen ins Auge, die den Henkel der Glocke bilden. Darunter befindet sich ein Spruchband, auf dem steht: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des hl. Geistes. Noch weiter unterhalb ist eine Laubdekoration zu sehen, die von kleinen Motiven unterbrochen wird, die „das Martyrium der Kirche in verschiedenen Zeitperioden kennzeichnnen“. In der Mitte der Glocke werden von Säulen 16 Reliefbilder umrahmt. Zu sehen sind die heilige Dreifaltigkeit, die Aufnahme Marias in den Himmel, die vier Evangelisten, Engel und die Embleme des Papstthumes und der heiligen Messe. Am Fuß der Säulen zieht sich ein weiteres Spruchband um die Glocke herum:

Dem Dreieinigen zu größerer Ehr‘,

Baute diese Thürme Hans von Sieberer.

Der hehren Glocken metallenen Klang,

Stifteten Leonhard und Clara Lang

Der unterste Rand wird von Portraits der geistlichen und weltlichen Obrigkeit verziert. Darunter finden sich Papst Leo XIII., Kaiser Franz Josef I., Erzherzog Leopold und seine Frau Claudia von Medici, Herr von Sieberer, Herr und Frau Lang und der Glockengießer selbst, Carlo Chiappani. Die Mündung der Glocke hat 2,48 Meter Durchmesser. Ihre Höhe beträgt 2,40 Meter und die Tonfolge ist 1/4 unter F.

Außerdem enthüllt uns der Zeitungsartikel weitere relevante Informationen, die uns das Titelbild gerne verschwiegen hätte. So wie die Glocke aufgenommen wurde, steht sie allein da und im Mittelpunkt der gesamten Aufmerksamkeit. Tatsächlich war sie aber nicht die einzige Glocke, die am 24. November feierlich zur Kirche transportiert wurde. Es gab noch fünf Weitere. Vielleicht waren die anderen nicht so „fotogen“ wie die Dreifaltigkeitsglocke. Oder aber der Fotograf Fritz Gratl wollte nur die größte von ihnen abbilden. Fakt ist, dass wir von dieser Glocke zwar mehrere Abbildungen im Stadtarchiv haben (eine davon wurde in einem anderen Beitrag schon einmal verwendet), bei den anderen Glocken wird es aber mau. Damit sie trotzdem nicht zu kurz kommen, möchte ich ihnen noch einen zweiten Beitrag widmen.

Hier noch ein spannendes Detail zum Schluss: Angesichts der Tatsache, dass die Glockengießerei Grassmayr in Innsbruck liegt und eine naheliegende Wahl gewesen wäre, verwunderte es mich, zu lesen, dass diese Glocken nicht hier gegossen wurden. Den Auftrag für den Guss bekam die Glockengießerei Bartolomeo Chiappani zu Trient. Dort wurden sie am 19. November von Monsignore Baltessari geweiht. Nach dem Transport wurde am 27. Dezember in der Jesuitenkirche in Innsbruck vom Erzbischof von Salzburg Doktor Johann Katschthaler ein Dankgottesdienst abgehalten.

(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, Ph-24888)

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