Glockenweihe in Pradl, Teil 2
In den Innsbrucker Nachrichten vom 13. November 1923 wurden die fünf in der Glockengießerei Hahn und Adler in Reutte gefertigten Glocken genauer beschrieben: „Die größte, die Herz-Jesu-Glocke in Cis wiegt 1520 Kilogramm, die dem Kirchenpatron Kassian geweihte „Bürger-Glocke“ in E wiegt 1037 Kilogramm, die Marien-Glocke in Fis 690 Kilogramm, die Anna-Glocke in A 405 Kilogramm, die kleinste, die dem Andenken der gefallenen Helden gewidmete Sterbe-Glocke in Cis wiegt 197 Kilogramm.“

Über die die am Sonntag und am Montag stattgefundenen Programmpunkte wurde ebenfalls in den Innsbrucker Nachrichten vom 13. November 1923 ausführlich berichtet: „Am Sonntag nachmittags 5 Uhr fand in der Pradler Pfarrkirche ein zahlreich besuchtes Kirchenkonzert der Alpenjäger-Regimentskapelle und des Kirchenchores Pradl statt, abends um halb 7 Uhr zog die Peter-Mayr-Musik mit klingendem Spiel zu einem Zapfenstreich aus und brachte vor dem Pfarrwidum, den Wohnungen der Glockenpatinnen und des Obmannes des Glockenkomitees Ständchen dar. Den Schluß des Fackelzuges bildete eine unter Böllerschüssen aufflammende prachtvolle bengalische Beleuchtung der Pfarrkirche, an der besonders die vom Jünglingsbund in schwindelnder Höhe veranstaltete Beleuchtung des Turmkreuzes bewundert wurde. Am Staatsfeiertag, Montag, den 12. d. M., 2 Uhr nachmittags, fand die feierliche Weihe der Glocken statt. Im Lauf des Vormittags wurden die fünf Glocken vor der Pradler Kirche auf einem Gerüst angebracht. Der schwungvollen Festpredigt des P. Athanasius O. Cap. folgte die kirchliche Weihe, die Prälat Schuler vom Stifte Wilten unter großer Assistenz vornahm. Zur Glockenweihe waren die Pradler Schützen ausgerückt, die zwei Generaldechargen abgaben, die Musik besorgte die Kapelle des Peter-Mayrbundes und die eigens zur Feier erschienene Sistranser Musikkapelle. An der Glockenweihe nahmen außerdem die Freiwillige Feuerwehr Pradl und die meisten Pradler Vereine und Korporationen mit Fahne teil. Anschließend an die Glockenweihe fand in der Bahnhofrestauration des Herrn Karl Moser das Festbankett statt, das durch die Teilnahme der Sistranser Musikkapelle, die auch in der Bahnhofrestauration konzertierte, einen besonderen festlichen Charakter erhielt.“
Recht amüsant ist ein „Leserbrief“, der am 9. November 1923 ebenfalls in den Innsbrucker Nachrichten erschienen ist. Darin beschreibt ein „fleißiger Kirchenbesucher“ die mangelnde Sauberkeit in der Pradler Kirche: „Zum Einzug der Pradler Glocken wäre, wie uns ein fleißiger Kirchenbesucher schreibt, es recht zeitgemäß, wenn das Innere der Pradler Pfarrkirche einmal einer Generalreinigung unterzogen würde. Die Kirche dürfte wohl seit ihrer Einweihung keiner regelmäßigen Reinigung der Bänke und Beichtstühle usw. unterzogen worden sein. So kamen z. B. heuer nach der Erstkommunion die Schulkinder, besonders die weißgekleideten Mädchen, mit beschmutzten Kleidern aus den staubigen Bänken. Der Opfersinn der Pradler für die Glocken und für die allmähliche Ausschmückung der Kirche würde sicher einen stärkeren Anreiz erhalten, wenn die berufenen Faktoren ein schärferes Augenmerk auf die Reinhaltung der Kirche richten würden.“ Ob es daraufhin eine Grundreinigung der Kirche vor der Glockenweihe gab, ist mir leider nicht bekannt.
(Stadtarchiv Innsbruck, KR-PL-K-5, KR-PL-K7)