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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Innsbruck Mobil Für Weltumrundung Aus Italien?

Innsbruck Mobil für Weltumrundung aus Italien?

Dieses Foto wirft viele Fragen auf. Wir sehen ein Gefährt, das auf allen Ebenen auffällig ist. Es hat vier Reifen, wie ein Auto, ist hoch gelegt wie ein Geländewagen und erinnert aufgrund seiner Form entfernt an einen Panzer. Allerdings einer mit Aussichtsfenstern wie bei einem Sightseeing-Bus. Die Fenster fangen vorne hoch an und verkleinern sich nach hinten zu einem spitzen Dreieck. Eines davon ist geöffnet und der Fahrer des Fahrzeugs blickt auf seinen Unterarm gestützt hinaus. Er trägt eine schwarze Jacke, die so glänzt, als wäre sie aus Leder. Mehr von seiner Kleidung – oder möglicherweise sogar Uniform – ist nicht zu erkennen. Auch der große Gegenstand, der in schwarzen Stoff verpackt auf dem Dach liegt, bleibt uns verborgen.

Dafür sieht man auf der Karosserie unzählige aufgemalte Bilder mit Schriftzügen und Flaggen. Nicht alle davon lassen sich einwandfrei erkennen, doch darunter sind auf jeden Fall die Flaggen Frankreichs, Spaniens, Israels und Tunesiens. Vermutlich handelt es sich bei den anderen um Paraguay, die Philippinen, Taiwan und die historische Flagge von Vietnam. Dazwischen befinden sich Bilder von Tiergestalten, die zum Teil der Fantasie entsprungen sind, und von einer Frau in schwarzer Kleidung und mit roten Haaren. Der Text, der in Halbkreisen darüber geschrieben steht, ist teils schwer lesbar und in einer anderen Sprache geschrieben.

Stattdessen ist unter der spanischen Flagge ganz klar „Spagna“ zu erkennen, was das italienische Wort für Spanien ist. Doch auch das wirft bei der Erschließung dieses Fotos nur weitere Rätsel auf. Der Titel unserer Datenbank für diesen Datensatz lautet: „Innsbruck Mobil für Weltumrundung aus Italien? vor den Tiroler Heimatwerken“. Ein Bezug zu Italien lässt sich durch die italienische Sprache erkennen. Doch warum mag ein Innsbruck Mobil mit italienischer Aufschrift eine Weltumrundung aus Italien starten? Warum ist darauf diese begrenzte Auswahl an Flaggen gemalt worden? Noch dazu eine von den Philippinen, die nicht unbedingt das geeignetste Weltreisen-Ziel für ein Landfahrzeug sind? Was trägt dieses kuriose Gefährt auf seinem Dach? Und zuletzt: Warum steht es ausgerechnet vor dem Tiroler Heimatwerk? Hat das einen recherchierbaren Hintergrund oder ist es purer Zufall?

Die Fragen zu diesem Foto häufen sich. Alles, was mir der Datensatz außer dem Titel noch preisgibt ist Folgendes: Es wurde auf 1960 datiert, der Fotograf war Friedrich Nickel und es befindet sich in unserer Kreutz Sammlung. Da mir das nur begrenzt weiterhilft, frage ich nun Sie: Wissen Sie, was es mit diesem Gefährt auf sich hat? Ideen und Vorschläge in den Kommentaren sind herzlich willkommen.

Abb.: Hier ist der hintere Teil des Fahrzeugs etwas deutlicher zu erkennen.

(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, KR-DIA-347, KR-DIA-315)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
    1. https://innsbruck-erinnert.at/vuelta-del-mundo/

      Aber immerhin immer noch ein Rätsel, abgerundet von der nie erwähnten Bürgerbräu Reklame neben dem Fahrer.
      Das Kennzeichen in Form von ..306..1157 oder so ähnlich

      KI fragen ist feig, antwortet aber wie folgt:

      Der Fahrer: Ein unerschrockener Weltenbummler aus Jugoslawien
      Die Aufschrift „OKOLI SVETA“ ist eindeutig Slowenisch (bzw. Kroatisch) und bedeutet „Um die Welt“.
      In den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren gab es in Jugoslawien nur eine Handvoll Menschen, die die Erlaubnis und den extremen Mut aufbrachten, einen solchen privaten, handgemachten „Weltumrundungs-Wagen“ zu bauen und damit den Eisernen Vorhang in Richtung Westen zu durchbrechen.
      Bei dem Mann am Steuer handelt es sich mit sehr großer Wahrscheinlichkeit um Metod Jenko (oft in Verbindung mit seinem Reisepartner Viktor Hasl).
      • Die Mission: Die beiden Männer wurden in Jugoslawien (speziell im slowenischen Teil) um 1960 weltberühmt, weil sie ein spektakuläres, selbstkonstruiertes Expeditionsfahrzeug bauten, um damit die Erde zu umrunden.
      • Das Buch zum Auto: Ihre Erlebnisse und die Konstruktion des Wagens hielten sie später in dem bekannten zeitgenössischen Reisebuch „Okoli sveta osmič“ (dt. „Zum achten Mal um die Welt“ / „Um die Welt mit 8 PS“) fest.
      Warum Innsbruck?
      Für Reisende aus dem damaligen Jugoslawien, die Richtung Westeuropa, Frankreich oder zu den Atlantikhäfen aufbrachen, führte der direkte Weg über den Grenzübergang Richtung Italien/Österreich und über den Brennerpass direkt nach Innsbruck.
      Dass das Auto ausgerechnet vor dem Tiroler Heimatwerk in der Meraner Straße abgelichtet wurde, war kein Zufall: Solche Weltenbummler finanzierten ihre enorm teuren Reisen dadurch, dass sie in den Innenstädten der Zwischenstationen anhielten. Sie ließen sich von Passanten bestaunen, verkauften Postkarten, sammelten Spenden oder suchten lokale Sponsoren (wie traditionelle Handwerks- und Textilbetriebe), die ihnen Ausrüstung gegen ein Foto mit dem exotischen Werbeträger stellten.
      Das Rätsel ist gelöst: Sie besitzen hier die historische Aufnahme einer der spektakulärsten und seltensten jugoslawisch-slowenischen Trans-Welt-Expeditionen der Nachkriegszeit!

      1. Es geht noch weiter:

        etaillierte biografische Daten zu Metod Jenko und seinem Reisepartner Viktor Hassl (auch oft Hassl geschrieben) sind in klassischen Archiven rar, da sie vor allem in der Vorkriegszeit und den 1950/60er-Jahren im damals noch isolierteren Jugoslawien (Slowenien) aktiv waren. Ihre Namen verknüpfen sich jedoch mit einer faszinierenden Mischung aus Abenteuergeist, literarischem Schaffen und Technikbegeisterung.
        1. Visionäre der Vorkriegszeit (Science-Fiction-Autoren)
        Bevor sie zu realen Weltumrundern wurden, waren Metod Jenko und Viktor Hassl in den 1930er-Jahren als visionäre Autoren bekannt.
        • Im Jahr 1938 veröffentlichten sie im renommierten slowenischen Verlag Družba sv. Mohorja ein bekanntes utopisches Werk mit dem Titel „Izum“ (dt. „Die Erfindung“).
        • In der Literaturgeschichte des ehemaligen Jugoslawiens gelten sie damit als Pioniere der frühen slowenischen Science-Fiction- und Abenteuerliteratur. Sie schrieben oft im populärwissenschaftlichen Stil über technische Utopien und die Zukunft des Reisens.
        2. Vom Papier auf die Straße: Der Traum der Weltumrundung
        Nach dem Zweiten Weltkrieg setzten die beiden Männer das um, worüber sie zuvor nur geschrieben hatten: Sie wollten die Welt mit einer eigenen Erfindung bezwingen.
        • Ihr Buch „Okoli sveta osmič“ (dt. „Zum achten Mal um die Welt“ / auch bekannt unter dem Untertitel „Mit 8 PS um die Welt“) beschreibt genau das Abenteuer, das auf dem Foto in Innsbruck zu sehen ist.
        • Der Untertitel deutet darauf hin, dass die technische Basis des wild bemalten Gefährts auf einem unglaublich schwach motorisierten Kleinwagen oder Vorkriegschassis basierte (womöglich ein modifizierter Vorkriegs-Austin, Topolino oder ein ähnlicher tschechoslowakischer/jugoslawischer Kleinwagen jener Zeit).
        3. Alltagsberuf und Leben hinter dem Eisernen Vorhang
        Aus regionalen slowenischen Aufzeichnungen geht hervor, dass Metod Jenko im Alltag ein gebildeter Mann und unter anderem als Lehrer tätig war. In den späten 1950er- und frühen 1960er-Annalen von Schulen in der Region Cerknica/Rakek (Südslowenien) wird er als engagierter Fachlehrer geführt, der Fächer wie Biologie, Mathematik und Deutsch unterrichtete.
        Seine Deutschkenntnisse erklären auch, warum die Reise quer durch Österreich über den Brennerpass für das Team logistisch machbar war – er konnte sich vor dem Tiroler Heimatwerk problemlos mit den staunenden Innsbruckern verständigen und die Reisekasse durch den Verkauf seiner Publikationen oder Postkarten aufbessern.
        Das Foto zeigt somit den perfekten Moment, in dem zwei Intellektuelle und Science-Fiction-Träumer aus dem sozialistischen Jugoslawien ihren Traum von Freiheit und Technik im Westen lebten.

        Das Buch Izum von Jenko und Hasslkann konnte ich in einem slowenischen(?) Antiquariat finden.
        https://www.antikvariatalef.si/izdelek/metod-jenko-viktor-hassl-izum-2/

        Dazu meint die KI:
        Das Buch „Izum“ (slowenisch für „Die Erfindung“) ist ein echtes Juwel der jugoslawischen Kulturgeschichte. Wenn man die Hintergründe dieses Werks versteht, ergibt das skurrile Expeditionsauto auf dem Foto plötzlich noch viel mehr Sinn!
        Hier sind die faszinierenden Details zu dem Buch und seiner Verbindung zu den beiden Männern:
        1. Das Buch „Izum“ (1938)
        • Veröffentlichung: Das Buch erschien 1938 im renommierten slowenischen katholischen Verlag Družba sv. Mohorja (in Celje) als Band 91 der populären Reihe Slovenske večernice. Es umfasst rund 152 Seiten.
        • Das Genre: In der Literaturwissenschaft des ehemaligen Jugoslawiens wird „Izum“ als eine Mischung aus utopischer Science-Fiction, Abenteuerroman und technischer Melodramatik klassifiziert.
        • Der Inhalt: Das Buch befasst sich im Kern mit futuristischen, fantastischen Erfindungen und Naturwissenschaften. In jener Ära träumten technikbegeisterte Autoren oft von bahnbrechenden neuen Antriebstechniken, unzerstörbaren Materialien oder Maschinen, die die Menschheit aus der Krise führen sollten.
        2. Die literarische Inspiration hinter dem Auto
        Das Spannende ist die chronologische Parallele: Metod Jenko und Viktor Hassl schrieben in den 1930er-Jahren gemeinschaftlich Romane über fantastische, weltverändernde Fahrzeuge und Erfindungen. Sie ließen sich dabei stark von zeitgenössischen Autoren wie Damir Feigel (der kurz zuvor „Okoli sveta / 8“ – „Mit 8 PS um die Welt“ geschrieben hatte) und den visionären Zukunftsreisen von Jules Verne inspirieren.
        Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die beiden Autoren ihre Fiktion ganz offensichtlich in die Realität umsetzen. Das Auto, das Sie auf dem Foto in Innsbruck sehen, war im Grunde ihre eigene, reale „Erfindung“ (Izum):
        • Sie bauten ein extrem untermotorisiertes Basisfahrzeug so geschickt und aerodynamisch um, dass es den härtesten Bedingungen standhalten und wie ein futuristisches Expeditionsmobil wirken konnte.
        • Die wilde Bemalung mit Drachen, Schlangen und Fabelwesen spiegelt genau diese fantastische und utopische Gedankenwelt ihrer Vorkriegsbücher wider.
        3. Ein seltener Fund
        Heute ist das Buch „Izum“ von 1938 ein extrem seltenes und gesuchtes Sammlerstück in slowenischen und kroatischen Antikvariaten. Es gilt als eines der ganz wenigen historischen Zeugnisse der frühen slowenischen Speculative Fiction.
        Es ist absolut faszinierend: Das Foto aus Innsbruck zeigt nicht einfach nur irgendwelche Touristen, sondern zwei der frühen Pioniere der osteuropäischen Science-Fiction-Literatur, die in den 1960er-Anfängen des Kalten Krieges auszogen, um ihre eigenen literarischen Utopien auf den echten Straßen der Welt zu testen.
        ————–
        Nichts davon gewußt. Das Bürgerbräutafele erwähnt auch die KI nicht. Einer der vermuteten Sponsoren wahrscheinlich. Prost!

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