Portrait eines Mastens – XI
Zu lange habe ich die LeserInnenschaft auf einen neuen Masten warten lassen. Das kann nicht so bleiben. Also bringe ich quasi als Entschuldigung ein ordentliches Exemplar. Aber es sieht nur so aus, als wäre er höher als die stattlichen Häuser am Adolf-Pichler-Platz.
Für die Auto-Freaks gibt es hier eine ganz besondere Herausforderung: Autos nur anhand der Dächer zu identifizieren… Das ist selbst für Menschen, die alles kennen, faktisch nicht möglich.
Damit können wir uns dem Helden unseres heutigen Titelbildes zuwenden: Einem Mordsdrum-Masten. Doch einige Meter hoch mit einer gestuften Halbkugel von Schirm. Was war denn da eigentlich für eine Lampe drinnen? Einerseits soll sie stabil bei allen Außentemperaturen laufen und andererseits nicht allzu viel Hitze entwickeln.
Ich hoffe, Sie haben auch einen Spaß mit dieser Entdeckung.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck; Ph/A-24.620-07)
Einen größeren Kontrast kann ich mir kaum vorstellen als diese leuchtende Erscheinung, die stolz erhobenen Hauptes dasteht – obwohl an ihr eigentlich so gar nichts dran ist.
Wie paßt sie vor dieses Haus mit seiner glänzenden Fassade?
Ja, wie???
Vielleicht besser als mancher ahnt…
Aber das Auge bleibt ohnehin am Haus hängen. An den Schaufenstern am Eck zur Stainer Straße, in welchen die Modelleisenbahn zu bestaunen war. Sie stand im Besitz des Dr. Dipl Ing Baurat (später Hofrat) Wilhelm Rutscher Rienzner, aus der Sippe der Hausbesitzer.
Neben der Eingangstüre wiesen in den 50-er Jahren zwei gekonnt(!) handgefertigte Schilder darauf hin, daß bei Belcsàk im 4.Stock (westlich) Englisch-Nachhilfe erteilt würde…
Warum mir das alles in Erinnerung geblieben ist?
Nun, die Belcsàk-Christl war in der Volksschule Fritzens meine Mitschülerin gewesen. Die Familie – Herr Dr Karl Belcsàk, seine Frau Irmgard, geb. Kranebitter und die beiden Kinder Christl und Hans Peter – übersiedelten im Sommer 1948 zurück auf den Adolf Pichler Platz.
Frau Irmgard Belcsak hatte bereits in der Zwischenkriegszeit Englischunterricht an der URANIA gegeben. Muß so eine Art Vorläuferin der „Volkshochschule“ gewesen sein. Daher die Schilder neben der Haustüre.
„Möbel Kranebitter“ war übrigens der Bruder von Frau Belcsak geb. Kranebitter.
Und Christl Belcsak erzählte mir – noch zur Schulzeit: „Wir sind mit dem Schauspieler Curd Jürgens verwandt“ Ja, öha!? Wie das?
Curd Jürgens war mit Judith Holzmeister verheiratet,
der Tochter von Clemens Holzmeister , deren Mutter eine geborene Bridarolli war.
Und deren Schwester war die erste Gattin vom Onkel „Möbel Kranebitter“ gewesen, früh verstorben, 2 Kinder.
Und aus „Möbelhaus Kranebitter“ wurde später – viel später – „Galerie Rhomberg“
Also ebenso barock durcheinander wie der Fassadendekor des Hauses Adolf Pichler Platz 2, beleuchtet von der simplen Straßenlampe an der einfachen geraden Stange, auf welche dieses Haus von oben herabschaut..
„Möbel Kranebitter“ – Schaufenster in der Glasmalereistraße auf Nr 4. In der Mitte der 50-er Jahre hatte diese Firma eine Möbelerzeugung an der Eugenbrücke, Nordwestrampe (heute M_Preis-Laden)
Autotechnisch bin ich grundsätzlich ein Nackerbatzl, aber den VW Käfer erkenne sogar ich am Dach..
Der Wagen rechts wird ein Renault R4 sein
Die Lampe dürfte eine sehr abgespeckte Version eines Moonlight Towers gewesen sein, das waren quasi riesige Straßenlaternen auf Masten in der Größe von Antennen- oder Hochspannungsmasten, die ganze Stadtviertel beleuchteten. Die offensichtlich letzten weltweit gibt es in Austin, TX; siehe hier: https://en.wikipedia.org/wiki/Moonlight_towers_(Austin,_Texas)
Ob wir solche in Innsbruck auch mal hatten? Eher nicht. Aber die abgebildete Laterne dürfte als Leuchtmittel eine schon ordentlich starke Quecksilberdampf-Hochdrucklampe enthalten haben. Sie erzeugte bläulich-weißes Licht und wenn man dem Mast einen Tritt gab, fiel sie vielleicht für ein paar Minuten aus. xD