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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Von Einem Gott Untermauert

Von einem Gott untermauert

Mit dieser großspurigen Schlagzeile wurde bei den Olympischen Spielen 1964 über die Grundsteinlegung des Sporthotels Olympia in der Axamer Lizum. Um wen handelte es sich bei diesem Gott, der da den Sterblichen Beistand leistete? Keinen anderen als Prinz Karim Aga Khan. Wer? Den 49. Imam der ismailitischen Nizariten. Hä?

Das war zumindest, so muss ich beschämenderweise gestehen, meine Reaktion. Fangen wir also kurz bei vielleicht bekannteren Begriffen an. Im Islam gibt es die zwei Hauptzweige der Sunniten und der Schiiten. Diese trennten sich bereits im 7. Jahrhundert wegen des Streites um die Nachfolge Muhammeds. Innerhalb der Schiiten kam es dann im folgenden Jahrhundert wieder zu einer Spaltung, erneut wegen der Frage der Nachfolge, diesmal zwischen Musa al-Kazim und Ismail ibn Dschafar – es gibt keine Preise dafür zu erraten, wem die Ismailiten folgten. Unter ihnen gab es dann im 12. Jahrhundert wieder einen Nachfolgestreit, bei welchem die Nizariten dem Imam Nizar ibn al-Mustansir folgten. Damit sind wir bei den ismailitischen Nizariten angekommen. Karim Aga Khan war nun der 49. der Imame. Dabei ist zu beachten, dass „Imam“ bei den Schiiten allgemein eine andere Bedeutung hat als bei den Sunniten. Entsprechend der letzteren wird Imam nämlich auch bei uns als Synonym für Priester verwendet, bei den Schiiten hingegen ist der Imam der spirituelle Führer der gesamten Glaubensgemeinschaft. Er wird nicht gewählt, sondern erbt sein Amt. Aga Khan trat die Nachfolge seines Großvaters als religiöses Oberhaupt 1957 im Alter von 20 Jahren an.

Seine Biographie liest sich fast wie die eines europäischen Aristokraten – Ausbildung an einem Schweizer Privat-Internat, Harvard und Cambridge, Ehe mit einer britischen Model und einer deutschen Prinzessin, Gründer eines Yachtclubs in Sardinien, philanthropisches Engagement mit einer eigenen NGO (dem Aga Khan Development Network)… Daneben war er auch ein enthusiastischer Sportler, so kam er zu den Olympischen Spielen 1964 nach Innsbruck, als er den Iran beim Abfahrtslauf und dem Riesenslalom vertrat. Bereits ein Jahr zuvor war er jedoch schon bei den Vorbereitungsarbeiten anwesend, bei dieser Gelegenheit legte er den Grundstein für das Sporthotel Olympia in der Axamer Lizum.

(Signatur Ph-1625)

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