Zlatorog
Der weiße Gamsbock Zlatorog (goldenes Horn) ist eine Sagengestalt aus den Julischen Alpen in Slowenien. Das Tier mit den goldenen Hörnern soll im Triglav-Gebirge einen Garten besessen haben und Hüter eines verborgenen Schatzes gewesen sein. Ein Jäger soll ihn eines Tages getötet haben, um an den Schatz heranzukommen. Aus dem herabgetropften Blut Zlatorogs soll eine Wunderblume gewachsen sein, die den Gamsbock wieder zum Leben erweckt konnte. Daraufhin soll der erzürnte Zlatorog den Jäger getötet haben.
Diese Sage verarbeitete der deutsche Dichter Rudolf Baumbach zu einem Versepos, das im Jahr 1877 veröffentlicht wurde. Der deutsche Komponist Albert Thierfeld vertonte das Werk Baumbachs für Chor, Solisten und Orchester. Am 10. März 1887 gelangte das Stück mit dem Titel „Zlatorog“ im Stadttheater in Innsbruck zur Aufführung. Die Veranstaltung wurde in den Innsbrucker Nachrichten eifrig beworben wie folgende zwei Zeitungsartikel zeigen:
Innsbrucker Nachrichten 23. Februar 1887: „Am 10. März gibt der Musikverein ein außerordentliches Concert im Stadttheater zum Besten des hiesigen Armenfondes, in welchem eine sehr interessante und überall mit großem Beifalle aufgenommene Novität zur Aufführung gelangt. Es ist dies die Alpensage „Zlatorog“ von Rudolf Baumbach für Solo, Chor, Orchester und Deklamation, komponiert von Albert Thierfelder.“
Innsbrucker Nachrichten 8. März 1887: „Am Donnerstag findet im Stadt-Theater ein außerordentliches Concert des Musikvereines statt. Zur Aufführung gelangt „Zlatorog“, eine Alpensage von Rudolf Baumbach, für Chor, Solostimmen und Orchester, componirt von Albert Thierfelder. Die Soloparthien haben Fräulein Albertine Beer, Frau Amalie Schönauer, Herr Dagobert Natter, und die Declamation Fräulein Stefanie Hildburg freundlichst übernommen. […] Dirigent ist Herr Musikdirektor Joses Pembaur. Das Reinerträgnis dieses Concertes ist für den städtischen Armenfond bestimmt.“
Am 11. März 1887 erschien in den Innsbrucker Nachrichten folgender Bericht über die gelungene Aufführung: „Mit großer Befriedigung können wir konstatieren, daß wir uns nicht täuschten, als wir die Hoffnung auf einen zahlreichen Besuch des gestern zu Gunsten des städtischen Armenfondes veranstalteten Concertes aussprachen. Die Räume des Theaters waren nämlich sehr gut besetzt, und vor allem zeigte gerade die Elite unserer Bewohnerschaft ein reges Interesse an dem von uns schon früher besprochenen Werke. Und in der That, die in allen Theilen schön gerundete Ausführung verdiente auch dieses Interesse im höchsten Grade. Wir wären wahrlich in Verlegenheit, wenn wir eine der Leistungen auf Kosten der andern hervorheben müßten, denn wir sind in der angenehmen Lage, nur Rühmliches berichten zu können. Vor allem müssen wir der geradezu vorzüglichen Leistungen des Chores gedenken. Die wunderbare Ausgleichung im Stimmenverhältnisse, die feine Auffassung, die exacte Aussprache sicheren demselben wie immer einen hervorragenden Platz, und wir stehen durchaus nicht an, die Behauptung auszusprechen, daß gar manche größere Stadt uns um denselben beneiden darf. Aber auch die Solisten leisteten Ausgezeichnetes. Wir kommen daher nur einer angenehmen Pflicht nach, wenn wir diese Thatsache verzeichnen. Leider verbietet uns der Raum und die Zeit aus eine genaue Zergliederung einzugehen, jedoch können wir, ohne zu schmeicheln dem Frl. Beer die Siegespalme zuerkennen, obwohl der Kampf desselben mit Herrn Natter, den wir zum erstenmale im Concertsaale begegneten, kein leichter war. Die Deklamation des Frls. Stefanie Hildburg endlich zeigte ein tiefes Erfassen der Dichtung, einen ungemein warmen Ton der Empfindung, mit einem Worte eine Prachtleistung, wozu wir die angehende Künstlerin von Herzen beglückwünschen. Rechnen wir dazu die exakten Leistungen des Orchesters, so müssen wir gestehen, daß das Concert selbst zu einem wahren Fest für den braven Musikverein sich gestaltete, zu dem wir demselben, vor allem aber dem Leiter, Hrn. Musikdirektor Pembaur, freudig unsere Glückwünsche darbringen.“
Das Titelbild zeigt das leider an den Kanten beschädigte, 94,5 x 63 Zentimeter große Veranstaltungsplakat, das in der Wagnerschen Universitäts-Buchdruckerei hergestellt wurde.
(Stadtarchiv Innsbruck, Pt-714)