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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Austrian Airlines Und Die Wiltener Sängerknaben

Austrian Airlines und die Wiltener Sängerknaben

Während im Sommer 2026 die Austrian Airlines lediglich mit einer Flugverbindung (Wien-Innsbruck-Wien) am Flughafen Innsbruck vertreten sind, war das Flugangebot im Sommer 1966 – also vor sechzig Jahren – deutlich umfangreicher. Es umfasste nicht nur die beiden Binnenstrecken Wien-Innsbruck und Wien-Salzburg-Innsbruck, sondern auch noch die vier internationalen Verbindungen Innsbruck-Zürich, Klagenfurt-Innsbruck-London, Innsbruck-Amsterdam und Innsbruck-Düsseldorf. Der Eröffnungsflug der Linie Innsbruck-Düsseldorf erfolgte am 10. Juni 1966. Auf diesem zweimal pro Woche durchgeführten neuen Kurs (Freitag und Sonntag) kam jeweils die zweimotorige Turboprop-Maschine der Type Hawker Siddeley HS 748-226 Serie 2 „Belvedere“ (Reisegeschwindigkeit: 420 km/h, Reichweite: 3.038 km und 44 Passagierplätze) zum Einsatz. Die beiden beim britischen Flugzeughersteller Hawker Siddeley im November 1965 bestellten Flugzeuge dieses Typs mit den Registrierungen OE-LHT und OE-LHS wurden im Frühjahr 1966 überstellt. Sie ersetzten die bisher verwendeten zweimotorigen DC-3-Flugzeuge, welche nur über 28 Passagierplätze verfügten und lediglich eine Reichweite von 2.430 km und eine Reisegeschwindigkeit von 260 km/h  aufwiesen. 

Die Aufnahme dieser neuen Linienflugverbindung mit der zweimotorigen Hawker Siddeley (OE-LHT) am 10. Juni 1966 war nicht nur eine große Freude für den Flughafenbetreiber (Tiroler Flughafenbetriebsgesellschaft m.b.H.), sondern auch für eine Gruppe der Wiltener Sängerknaben (hier in Tracht) unter der Leitung von Prof. Dr. Norbert Gerhold (1939-2019 – die zweite Person von rechts), welche ihre hohe Musikalität in Düsseldorf bei Auftritten vor dem Oberbürgermeister von Düsseldorf und dem dortigen Generalkonsul von Österreich sowie bei zwei Konzerten in der Rochuskirche und auch bei einem Frühschoppenkonzert vor rund 4.000 Besuchern eindrucksvoll unter Beweis stellen konnten. Weiters gaben sie auch im nicht weit entfernten Köln ein Konzert im dortigen Dom. Nach einen dichten und erfolgreich absolvierten Programm flogen sie am 12. Juni 1966 (Sonntag) mit der Kursmaschine nach Innsbruck zurück. Die Wiltener Sängerknaben zählen zu den ältesten und bedeutendsten Knabenchören Europas und deren Anfänge gehen auf die Chöre im Stift Wilten bis in das 13. Jahrhundert zurück. Sie waren Vorläufer der Wiener Sängerknaben, welche unter Kaiser Maximilian I. mit Singknaben aus Wilten gegründet worden waren. Diese langjährige Tradition wurde immer wieder durch Kriegsereignisse unterbrochen. Nach einer langen Unterbrechung hatten 1946 der Prämonstratenser Chorherr Otto Karasek und Prof. Dr. Norbert Gerhold 1946 (Organist, Komponist und Chorleiter der Wiltener Sängerknaben bis 1982) diesen Knabenchor wieder ins Leben gerufen, der bereits Ende der 1940er Jahre in Tirol allgemein bekannt und beliebt war. Auch mehrere Konzertreisen führten sie in das nahe Ausland sowie in die weite Welt (z. B.  Dänemark, Israel, Japan, Rumänien, Frankreich, Italien, Schweiz, Belgien und Niederlande)  hinaus und immer wieder traten sie vor gekrönten Häuptern (z. B. niederländische Königin Juliane, englische Königin Elisabeth II. und Schah Mohammad Reza Pahlavi von Persien) auf. Neben jährlich zahlreichen Auftritten bei Messen, Advent- und Weihnachtsfeiern in Innsbruck bzw. Tirol stehen seit 2009 jährlich neun Konzerte in der Hofkirche in Innsbruck auf dem Programm. Ebenso wurden zahlreiche Ton- und Filmaufnahmen (1950: erste Schallplatte, 13 CDS- und 4 DVDS) veröffentlicht und immer wieder werden die Wiltener Sängerknaben für Opernaufführungen z. B. von der Mailänder Scala sowie von Salzburger-, Bregenzer- und Tiroler Festspielen und vom Tiroler Landestheater angefordert. Heute besteht der Chor aus ungefähr 190 Knaben und jungen Männerstimmen, die im Gegensatz zu den Wiener Sängerknaben kein Internatschor sind. Musikalisch geeignete Buben werden im Alter von 6 bis 8 Jahren aufgenommen. Während die Nachwuchschöre schwarze Hosen und ein weißes Hemd tragen, tritt der Konzertchor stets in Tracht auf. Seit 1991 liegt die Chorleitung in den Händen von  Prof. Mag. Johannes Stecher, der 2021 den Mädchenchor Wilten (ca. 50 Mädchen) gründete, der aber grundsätzlich getrennt von den Wiltener Sängerknaben geführt wird.

Autorin: Tanja Chraust

Foto: Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-3085, frischauffoto

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Zum Flugzeug vielleicht später noch eine Zeile. Aber die genannten Lebensdaten gehören zum gleichnamigen Sohn, der vermutlich rechts neben seinem Vater steht. Prof. Gerhard lebte von

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