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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Schönwetterspaziergang

Schönwetterspaziergang

Heute hätte eigentlich wieder ein Hinterhof-Flohmarkt in Wilten stattfinden sollen, ein Format ganz nach dem Geschmack des Autors dieser Zeilen. Wegen Schlechtwetters wurde er um einen Monat verschoben, das war sicher die richtige Entscheidung. Bei diesem Flohmarkt bieten Hausgemeinschaften im Hof oder Gartl ihres Hauses ein paar Alltagssachen zum Verkauf, vom fast unbenutzten Paar Schuhe (für den Autor) bis zum fast unbespielten Golfset (für einen Kollegen) finden sich da immer nette Schnäppchen; das noch interessantere Motiv für den Besuch von bis zu 40 Höfen ist, dass so viele Häuser geöffnet sind und es auch nicht komisch wirkt, dass man sich jetzt da jetzt einmal genauer umschaut. Durch die unzähligen Variationen des Innsbrucker Gründerzeit-Stiegenhauses kommt man in die Innenhöfe, sieht vorher unbekannte Garagenwelten und auch ein wenig Grün. Dazu auskunftsfreudiges Flohmarktverkäufervolk, das zum Ort oft noch etwas weiß. Eigentlich sollte man an solchen Tagen eine Stadtführung ansetzen. Bisher gibt es diese Formate in Wilten und Pradl.


Heute wurde der Flohmarkt abgesagt, das Bild unten entstand vor vier Wochen, als die Stafflerstraße bei strahlendem Wetter für ein Kinderfest gesperrt wurde. Kurz davor hatte ich das oben zu sehende Titelbild gescannt, das vom Ehepaar Mayer stammt, die viele Jahre ums Eck in der Neuhauserstraße gewohnt haben. Die Szenerie ist gespenstisch, unter der Vorgänger-Trauerweise stehen ein paar Personen, sonst dominiert der gerade für einen schmalen Fußweg zur Seite geräumte Schutt der Häuser; rechts wurden schon ein paar wiederverwendbare Ziegel gestapelt, links hängt noch das halbe Dach schief um sich bei der nächsten Gelegenheit ganz herunter fallen zu lassen. Das Bild ist aus dem Sommer… die Straße sieht wohl schon seit Monaten so aus.

Der Kontrast zwischen Kriegsszenerie und Kinderfest im eigenen Viertel hat mich als vermeintlich hartgesottenen Zeithistoriker mehr berührt als ich gedacht hätte. Auch ein guter Grund, warum wir hier bevorzugt lokale Geschichten erzählen. Vielleicht haben wir das ja an anderer Stelle schon aufgedeckt: Als wir mit „Innsbruck erinnert sich“ vor gut sechs Jahren begonnen haben, haben wir zunächst bewusst auf allzu deprimierende Bilder ilder und Stories verzichtet. In Corona-Zeiten war die eigene Befindlichkeit oft so schon wackelig genug. Jetzt erzählen wir natürlich auch vom Krieg und der NS-Zeit und wie sich die Stadt dadurch verändert hat. Das Wetter soll ja nächste Woche wieder besser werden.


(Sammlung Markus Wilhelm)

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