Das Auge des Gesetzes
Unser heutiges Foto zeigt Franz Schwinghammer (1885-1983) in der Maximilianstraße auf Streife. Er gehörte der städtischen Sicherheitswache seit 1910 an. Diese Wache war im April 1866 aufgestellt worden und existierte bis zur Verbundlichung der Polizei 1934/35. Ihre Geschichte hat bislang erstaunlich wenig Beachtung gefunden, was auch daran liegen mag, dass die Quellenlage recht bescheiden ist …
Immerhin eröffnet aber der Tätigkeitsbericht der städt. Schutzmannschaft für das Jahr 1921, der dem Gemeinderatsprotokoll 1922 beigebunden ist, Einblicke in die Arbeit des 131 Mann starken Sicherheitsorgans. Demnach nahmen die Beamten im Berichtsjahr insgesamt 1985 Verhaftungen vor. Die fünf häuftigsten Gründe dafür waren:
1) Unterstandslosigkeit (435)
2) Diebstahl (414)
3) amtlicher Auftrag (202)
4) Trunkenheit (165), und
5) verbotene Rückkehr (129).
Verhaftungen erfolgten aber auch wegen der Ausübung von „unzüchtigem Gewerbe“ (48), „Mord“ (5), „Verausgabung von falschem Geld“ (3), „Preistreiberei“ (4), „Wachebeleidigung und Einmengung“ (1), „Missbrauch der Amtsgewalt“ (2), „Hochstapelei (1) und anderer Delikte (insgesamt werden deren 46 aufgelistet).
Auch hatte die städtische Sicherheitswache im Jahr 1921 nicht weniger als 12.986 Meldungen und Anzeigen zu bearbeiten. Auch hier folgen die Top 5:
1) Diebstahl (2932)
2) Überschreitung der Sperrstunde (1800)
3) nächtliche Ruhestörung (1290)
4) Übertretung des Automobilgesetzes (635) und
5) Unanständiges Benehmen (611).
Weiters liefen „Meldungen und Anzeigen wegen ausschütteln von Staubtüchern aus Fenster[n]“ (72), „Übertretung der Radfahrordnung“ (422), „Baden im Innfluss“ (9), „Demonstrationen und Aufläufe“ (11), „Rauchen an verbotenen Orten“ (40), „Rodeln an verbotenen Orten“ (5), u.a.m. ein.
Damit ist die Leistungsschau der Sicherheitswache jedoch noch nicht zu Ende:
Von der dienstfreien [sic] Mannschaft wurden beschritten: 3890 Theater-, Kino- und Varieté-Inspektionsdienste, 155 Volksküchenüberwachungsdienste, 30 Marktaufsichtsdienste, 86 Tanzinspektionsdienste, 835 Patrouillendienste in die Umgebung der Stadt, hauptsächlich zur Verhinderung von Wald- und Felddiebstählen, 765 Bereitschaftsdienste, 172 Parküberwachungsdienste, 53 Dienste bei der Lebensmittel- und Bekleidungsausgabe, 31 Dienste bei kirchlichen Feierlichkeiten, 52 Dienste bei Wahlen und der Volksabstimmung, 10 Transportbegleitungen, 63 Nachtaushilfen, 48 Spielabgabekontrollen und 70 andere verschiedene Dienstleistungen.
Hinzu kamen noch Aus- und Weiterbildung (insgesamt 90 Tage) sowie diverse Kontrollen, Durchsuchungen, Hilfeleistungen und Assistenzen. Insgesamt also ein durchaus beachtliches Pensum. Doch auch in anderer Hinsicht konnte sich das Ergebnis sehen lassen:
Durch die Tätigkeit der städt. Schutzmannschaft wurden im Jahre 1921 ein Volksvermögen, welches den rechtmäßigen Eigentümern durch Eigentusmdelikte (Raub, Diebstahl, Betrug, Veruntreuung u.s.w.) entzogen worden war, wieder zustande gebracht in der Höhe von K 13.465.501,20 [= rund 580.000 Euro]. Ausser den in vorstehender Zahl ausgedrückten Werten wurden von Schmugglern, Schleichhändlern etc. beschlagnahmt: 642 kg Zucker, 12 kg Butter, 24 kg Käse, 24 Eier, 7 Liter Milch, 368 Wecken Brot, 100 kg Obst, 225 Semmeln, 4 lebende Rinder, 22510 Stück Zigaretten, 7 1/2 kg Landtabak, 4 1/2 kg Rolltabak, 3273 kg Seife, 26 Paar Schuhe und 5080 falsche Lire. An Kriegswaffen etc. wurden beschlagnahmt: 1 Maschinengewehr samt Zugehör und Munition, 7 Pistolen, 12 Armeegewehre und 12 Stahlhelme. Die beschlagnahmten Waren wurden dem allgemeinen Konsum zugeführt.
(StAI, Ph-Dig-2024)