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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Restauration Ohne Verluste

Restauration ohne Verluste

In letzter Zeit haben sich bei unseren Restaurationsarbeiten im Tiroler Landesarchiv einige spannende Details ergeben, die ich meinem letzten Beitrag noch hinzufügen möchte. Auch hier wieder der Hinweis, dass ich keine gelernte Restauratorin oder Chemikerin bin. Ich möchte in diesem Beitrag unser aktuelles Vorgehen beim Restaurieren unserer Aktenbestände beschreiben und Ihnen einen Einblick in meine Arbeit gewähren.

Der Grund, warum wir Dinge restaurieren, (meistens handelt es sich dabei um Akten) ist, dass die darin enthaltene Information nicht verloren gehen soll. Deshalb ist es auch beim Vorgang der Restauration selbst immens wichtig, vorsichtig vorzugehen. Beispielsweise muss man beim Trockenreinigen von schimmelbefallenem Papier sehr sanft sein, um nicht Teile des Papiers und somit auch einen Teil der Schrift mit der Bürste wegzureißen. Da Papier durch den Schimmel dünner wird und eine watteartige Konsistenz bekommt, kann das schneller passieren als gedacht.

Ein weiteres Beispiel dafür wären Papiersiegel. Hier darf kein Siegel vor der Nassreinigung übersehen werden. Wenn diese nämlich den Alkohol oder das Wasser aufsaugen, dehnt sich das Papier und Siegel werden schwerer zu erkennen oder verschwinden ganz. Deshalb werden sie von uns ausschließlich trocken gereinigt.

Abb. 1: Dies ist ein Beispiel für ein sehr detailliertes Papiersiegel, das nur trocken gereinigt wurde.

Stempel sollten ebenfalls nicht übersehen werden. Hier gehen die archivarischen Meinungen zwar auseinander, wie aussagekräftig gewisse Stempel für Historiker*innen sind, Fakt ist aber, dass sie ebenfalls bei der Nassreinigung verloren gehen können. Das liegt an der etwas anderen Beschaffenheit der Tinte, die leichter verschwimmt. Wir haben uns dazu entschlossen, die Stempel auf unseren Akten zu behalten, deswegen bekommen sie jetzt eine gesonderte Behandlung.

Vor der Nassreinigung werden sie mit Cyclododekan besprüht. Das ist ein Bindemittel, das am Papier haftet, die Stempelfarbe fixiert und nicht in Wasser oder Alkohol gelöst wird. Ich durfte es mit der Restauratorin im Landesarchiv ausprobieren. Der Vorteil ist, dass der weiße Film, der sich beim Besprühen über das Papier legt, nach einigen Stunden rückstandslos sublimiert und keine Spuren hinterlässt. Das ermöglicht uns, die Blätter, auf denen sich Stempel befinden, genauso mit Alkohol und Wasser zu reinigen, wie alle anderen, ohne, dass Informationen verschwinden oder Rückstände darauf verbleiben.

Auf dem heutigen Titelbild sehen Sie das Cyclododekan als schwachen, weißen Film auf einem frisch besprühten Stempel, noch bevor das Blatt in Alkohol eingelegt wurde. Wenn sich die kleinen Kügelchen oberhalb nicht ausbilden würden, würde man auf dem Foto fast nichts davon sehen. Es ist sehr zufriedenstellend zu sehen, dass sich mit diesem Vorgehen auch solche Spezialfälle reinigen lassen. Unten sieht man dieselben Stempel nach der Nassreinigung. Farbe haben sie keine verloren.

Abb. 2: So sehen die Stempel nach der Nassreinigung aus.

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