Portrait eines Mastens – IV
Diese – zumindest bei mir – beliebte Serie geht weiter. Immer wieder springen mich Masten an. Im übertragenen Sinne. Anders wäre es auch blöd.
Rechts die Brennerstraße, links die heute so nicht mehr zu erkennenden Anlagen der Verkehrsbetriebe. Links hinten oben der Pavillon auf dem Bergisel.
Wie so oft bin ich auch heute wieder auf das Fachwissen der Straßenbahneler angewiesen. Was versteckt sich in den einzelnen Hallen? Warum brauchen wir diese heute eigentlich nicht mehr?
Auf der einen Seite ist es ein Betriebsgelände, gleichzeitig gehen da auch Passagiere spazieren. Da kann man leicht unter die Räder kommen.
Wer kann die Abläufe erklären und in welcher Zeit befinden wir uns eigentlich?
Jetzt ist der Masten etwas zu kurz gekommen. Aber der Rest ist eh spannender.
Und weil es so fesch ist, gibt es gleich noch ein Bonusbild – mit Masten – dazu.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Kr/Ne-7934 und Kr/Ne-7935)
Links sind die Stadtremisen, in denen die Stadtfahrzeuge/Straßenbahnfahrzeuge ab 1905 untergebracht worden sind. Rechts hinten ist die Haller Remise, eigentlich die ursprüngliche Remise, in der das Heizhaus der Dampflokomotiven ab 1891 und später die Triebwagen untergebracht worden waren. Links hinten ist die Werkstatt, davor war lt. Plänen über eine Schiebescheibe die Beiwagenremise, welche im Zustand dieses Bildes bereits mit der Werkstatt zusammengewachsen war. Am zweiten Bild im Vordergrund ist die Direktion mit Fahrdienstleitung denke ich, im Hintergrund die alte Igler Remise, in der Anfangs die Igler Beiwagen ab 1900 untergebracht wurden. Später waren hier vor allen Dingen die Arbeitsfahrzeuge untergestellt lt. Fotos. Da wo am oberen Bild Beiwagen 147 von hinten sichtbar ist, war die Endhaltestelle der Linie 1 und der Linie 6. Fahrgäste sind nach dem Stillstand der Bahn hinüber gegangen. Das Foto ist zwischen 1956 und 1959 entstanden vom Zustand der Fahrzeuge BW147 ohne Laternendach, Basler Beiwagen mit Dachrutenkupplung). Eher früher in diesem Zeitraum, da TW 33 noch mit den schönen großen Ziffern herumgestanden ist bzw. überhaupt hier war.
Tw 33 steht am Verschubwagengleis und hat keine Linie eingetafelt; laut Kreutz wurde er 1954 zum Verschubwagen und 1955 abgestellt. Sofern diese Angabe stimmt, hätten wir damit die Datierung schon enger eingegrenzt. Dass eine Betafelung „Verschubwagen“ fehlt, war ja leider bei den IVB nichts Ungewöhnliches, schleißige Betafelung ist dort eine in den 1910ern mit laut Kreutz unbetafelten 2er-Triebwagen begonnene, bis heute fortgeführte und damit mehr als hundertjährige Tradition (heute denke ich da etwa an Schneeräumung mit als „STB“ besteckten Vierachsern). xD
Ergänzend noch, @Lukas: der Bergiselbahnhof war Passagiereinrichtung und Betriebsgelände gleichzeitig. Das war an den Gebäuden und Einrichtungen dort vor den Bombenschäden des WW2 noch viel besser erkennbar, da gab es einen Durchgang mit einer Art kleiner Bahnhofshalle zwischen „Stadtremise“ und Verwaltungsgebäude, später führte glaube ich nur noch außen ein Gehsteig herum, dafür wurde ab Anfang der 1960er wenigstens ein leicht erhöhter Umsteigebahnsteig zwischen den Gleisen der Linien 1 und 6 gebaut.
Der Gleisbereich hatte vor dem WW2 auch noch nicht die Anmutung von gewöhnlichem Straßenraum, sondern eher von einem Eisenbahngelände. Das ganze Ensemble ist über Jahrzehnte sozusagen organisch gewachsen, hat sich auf die Ostseite der Klostergasse ausgebreitet und dort schließlich auch das gesamte Areal bis zu den Klostermauern eingenommen. Die Klostergasse selbst führte eigentlich mitten durch das Betriebsgelände, alles war offen und frei zugänglich. Das wäre heute keinesfalls mehr möglich.
Auch die ausnahmslos alten Autos sprechen für ein frühes Datum.
Links hinten schaut auch noch die Trafik in ihrer alten Ausführung heraus, aber die gab es noch nach 1959.
Weil die Masten das Titelthema sind: Der schlanke auf halber Höhe an der Stadtremise angeschraubte war der Fahnenträger zum ersten Mai? Apropos Mai: In der schönen Allee blühen grade die Kastanien.
Anbei noch ein paar Ergänzungen zu den Ausführungen von Herrn Haisjackl:
Links vorne die Stadtbahnremise, die zur Unterbringung der Motorwagen der „Stadtbahn“ – das entspricht ungefähr dem Verlauf der heutigen Straßenbahnlinie 1 – gebaut wurde. Beim Bau – die Stadtbahn wurde am 15.Juli 1905 eröffnet – endete diese 4 gleisige Remise im Norden in der Höhe des im Bild sichtbaren Tores mit 4 solchen Schwenktoren. Bereits 1906 wurde die Remise von „Anton Fritz, Baumeister, Innsbruck“ gegen Norden hin über die 3 östlichen Gleise erweitert um zusätzlich 9 Motorwagen unterzubringen.
Dahinter, bzw. im 2. Bild ganz links, das Bahnhofsgebäude, das anlässlich des Baus der Mittelgebirgsbahn (heute Straßenbahnlinie 6) – Eröffnung 28.Juli 1900 – gebaut wurde. Diesem musste das Ursprüngliche Aufnahmegebäude der Lokalbahn Innsbruck-Hall weichen.
Mitte hinten, bzw. im 2.Bild rechts, sind die Remise und die Werkstätte zu sehen, die in der Form 1909 im Zuge der Elektrifizierung der Lokalbahn Innsbruck – Hall von der Bauunternehmung „Janesch und Schnell in Wien“ hergestellt wurden. Die vorher an dieser Stelle befindlichen Wagenremisen, das Heizhaus, die Putzgruben, Kohlenschuppen, Kohlenbühnen, Wasserkähne… wurden hierzu „demoliert“. Einzig das „Administrations-Gedäude“ wurde in den Neubau integriert, bzw. um das wurde herumgebaut.
Für Bauinteressierte aus dem Protokoll der amtlichen Prüfung: „Die Fundamente der westlichen und südlichen Umfassungsmauer und diese selbst bis ungefähr 1.5m unter den Deckenträgern sind entsprechend den dem k.k. Eisenbahnministerium vorgelegten Plänen /: No: 1247/ 6,7 :/ in Eisenbeton hergestellt. Die übrigen Fundamente bezw. die übrigen Teile der westlichen und südlichen Umfassungsmauern sind aus Ziegeln mit Weißkalkmörtel hergestellt.
Der Beton der Ständer und der Betoneisendecken ist mit 350 kg Portlandzement auf 1m3 Sand und Schotter gemischt.
Verwendet wurde Perlmooser Portlandzement /: Marke Kirchbichl :/ Sand und Schotter aus dem Inngebiete bei Hötting.
Der Zement wurde nur durch Kuchenproben erprobt. Die Eiseneinlagen sind Flusseisen von der Hüttenverwaltung Donauwitz der Oesterreichisch-Alpinen Montangesellschaft.
Die Erprobung des Eisens ist nicht bekannt. Die Betonierung erfolgte in der Zeit vom April bis September 1908. Die Ausschalung erfolgte nicht eher als 4 Wochen nach der Betonierung.“
Diese Halle umfasste 16 Gleise, von West nach Ost nummeriert, und dienten ursprünglich folgendem Zweck: Gleis 1-4 Remisierung der 4-Achsigen Triebwagen, „Die Gleise 5 und 6 erhalten in den, den Eingangstoren zunächst gelegenen 4 Feldern eine Abteilung aus Holz, welche als Heizhausprovisorium für die 3 Dampflokomotiven der Mittelgebirgsbahn verwendet wird. […] Die an der rückwärtigen Schmalseite dieses Holzverbaues befindliche Holzwand kann seitlich verschoben werden und werden auf den beiden dahinterliegenden Stücken der Gleise 5 und 6 im Winter die offenen Wagen, im Sommer die Schneekehrmaschine und Reserveradsatz aufgestellt.“, Gleis 7-11 die Anhängerwagen, „Das Gleis 11 mündet in der Grube der Schiebebühne, mittelst welcher die Gleisstutzen 12, 13, 14, 15 und 16 bedient werden können. Über den Gleisen 12 und 13 wurde im vorderen Teil derselben eine Abteilung geschaffen, in welcher die Holzverarbeitungsmaschinen zu Aufstellung gelang sind. […] Auf den übrigen Teil der Gleise 12 und 13, sowie auf dem Gleis 14 werden Wagenreperaturen vorgenommen. Die Gleise 15 und 16 befinden sich in einem besonders abgesperrten Raum, welcher als Lackiererei verwendet wird. Unter Gleis 15 befindet sich eine, an die Kanalisation angeschlossenen Putzgrube, damit auch die Untergestelle gestrichen werden können,…“
Die im 2. Bild in der Mitte zu sehende Halle, ist die südliche von 2 Hallen, die 1919/1920 aufgestellt wurden. „Die Wagenhallen dienen zum Einstellen von Strassenbahnwagen der L.B.I.H.i.T da in der derzeit bestehenden Remise ein Teil derselben zu Werkstätten herangezogen werden muss.“ – „Das Staatsamt für Verkehrswesen hat mit dem Erlasse vom 13.Dezember 1919 Zl 36978 den Entwurf für die provisorische Errichtung von 2 Wagenhallen samt Gleisanlagen und einer Autogarage … der Landesregierung mit dem Auftrage übermittelt … die politische Begehung nach §… durchzuführen…“, „Die Landesregierung hat demnach mit dem Erlasse vom 21.Jänner 1920 Zl160/2 die Auflage des Projektes beim Stadtmagistrate Innsbruck verfügt und die Verhandlung für 12.Februar 1920 anberaumt“, aus dem Protokoll dieser: „Zur Aufstellung sind bereits gelangt zwei Wagenhallen von je zirka 40 m Länge und 10 m Breite. Ferner eine Garage in der Größe von 7 x 7 m.“ ,“ Der Vertreter der Stadtgemeinde Innsbruck zugleich als Vertreter des Stadtmagistrates Innsbruck als politische Behörde I. Instanz äussert sich wie folgt: 1.) Die beiden Wagenhallen und die Garage, die bereits fertiggestellt sind, dürfen nur als Provisorium genehmigt werden, da sie als hölzerne Schuppen, weder der Innsbrucker-Bauordnung, noch den ästhetischen Anforderungen entsprechen.“ und letztlich: “Da nach dem Vorstehenden gegen die vorliegenden Bauten keinerlei Bedenken entgegenstehen und das Ergebnis der heute durchgeführten Amtshandlung ein anstandsloses erscheint, wird dem Verwaltungsrate der Lokalbahn Innsbruck-Hall i. T. für das gegenständliche Projekt der Baukonsens seitens der Amtsabordnung erteilt und wird der Vertreter der Lokalbahn ein von der Amtsabordnung gefertigtes Entwurfsgleichstück übermittelt.“ Auch das Oesterr. Staatsamt für Verkehrswesen schreibt am 25. April 1920 in einem Schreiben an die Landesregierung, obwohl es nicht zur Amtshandlung eingeladen wurde:“ … Da jedoch die durchgeführte Amtshandlung laut des in Abschrift vorgelegten Protokolles, im Übrigen ein anstandsloses Ergebnis hatte und sohin die Baubewilligung in sachlicher Beziehung keinem Einwand begegnet, so wird von einer besonderen Maßnahme zur Behebung des gegenständlichen Verfahrensmangels ausnahmsweise Abstand genommen und die von der Amtsabordnung erteilte Baubewilligung hiermit nachträglich genehmigt. Sie werden jedoch aufgefordert, dafür Sorge zu tragen, dass in Hinkunft den bestehenden Vorschriften entsprochen werde.“
Die unter „“ stehenden Zitate stammen aus Archivalien aus dem Österreichischen Staatsarchiv, Archiv der Republik, Verkehr, Planarchiv Generalinspektion und Verkehrsministerium, Lokalbahn.
Wow, das nenne ich mal eine detaillierte Abhandlung. Next Level. Danke!
Vielen Dank für die detaillierten Informationen! Ich kann mich an den Fotos gar nicht satt sehen. Pure Lokalbahnromantik. Schade, dass es so etwas heutzutage kaum noch gibt! Da möchte man direkt in die alten Remisen gehen und darin herumschnuppern. Heute ist doch alles nur noch „clean“ !