Leopold Stastny: Trainer beim FC Wacker Innsbruck (1965-1968)
TSCHECHOSLOWAKISCHE TRAINER IN ÖSTERREICH
Als sich der österreichische Fußball ab den frühen 1960er Jahren wieder professionalisierte, wurden von den Klubs zunehmend ausländische Spieler und Trainer verpflichtet. Auch aus der kommunistischen ČSSR durften einige Trainer als Botschafter ihres Landes ins neutrale Österreich wechseln. Sie mussten dafür allerdings einen Teil ihres Gehalts bei den tschechoslowakischen Sportbehörden abliefern.
František Bufka wurde 1965 Meistertrainer mit dem LASK. Rudolf Vytlačil, Vizeweltmeister mit der ČSSR 1962, wurde 1967 und 1968 Meister mit Rapid Wien. Der Vizemeister der beiden Jahre war Leopold Stastnys Wacker Innsbruck. Auch Stastnys unmittelbarer Vorgänger bei Wacker, Anton Bulla, war Mitglied der erfolgreichen slowakischen Trainerschule.
Die Trainer wurden als Fußballfachleute geschätzt und sollten die teils semiprofessionellen Teams in Österreich an systematisierte Taktik und disziplinierte Trainingsmethoden gewöhnen.
TRAINER BEIM FC WACKER INNSBRUCK
Bürokratische Gründe verzögerten die Verpflichtung von Leopold Stastny als Wacker-Trainer 1965. Deshalb übernahm im Herbst sein Landsmann Anton Bulla, ab November teilten sich die beiden die Trainerbank, bevor Stastny im Frühling 1966 alleiniger Trainer wurde.
Stastny führte die Schwarz-Grünen an die Spitze des österreichischen Fußballs heran und löste eine wahre Fußball-Euphorie aus. Im Schnitt strömten bei jedem Match über 10.000 Fans ins Tivoli-Stadion. In der Saison 1966/67 wurden die Innsbrucker nach einem Herzschlagfinale Zweite hinter Rapid. Auch in der Folgesaison erreichte der FC Wacker den Vizemeistertitel hinter den Wienern. Im Sommer 1968 wurde Stastny Teamchef. Auch wenn ihm ein Titel mit Wacker verwehrt blieb, prägte er die spätere Meistermannschaft der 1970er Jahre.
Die Stadionzeitung Wackerkurier würdigte Stastnys „stets freundlich- nette Art, junge Menschen zu führen, sein immer wieder gezeigtes Verständnis gegenüber allen Belangen der Spieler, seine Fähigkeit, das Richtige zu erkennen und überzeugend darzulegen“.
Dieser Text stammt aus der Ausstellung „Leopold Šťastný. Überlebender des Nazi-Terrors, Trainerlegende & Erfinder der Schülerliga“ (Innsbruck 2025 und 2026), die wiederum auf die Ausstellung „Football under the Swastika: The Story of Leopold „Jim“ Šťastný“ (Bratislava 2020) zurückgeht.
Autoren der Ausstellungstexte: Peter Bučka, Joachim Bürgschwentner, Tomáš Černák, Niko Hofinger, Kevin Simpson, Georg Spitaler, Michal Vaněk
Bild: Zur Pflege der 1963 geschlossenen Städtepartnerschaft zwischen Innsbruck und Freiburgreiste Leopold Stastnys Team im Juni 1966 in den Breisgau. Der freundschaftliche Vergleich zwischen dem Freiburger FC und Wacker Innsbruck endete mit 1 : 3. Stadtarchiv Innsbruck, Ph-4632.