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Volkserhebung In Ungarn

Volkserhebung in Ungarn

Am 23. Oktober jährt sich die Volkserhebung in Ungarn zum 65. Mal. Aus diesem Grund wollen wir ein paar Auszüge der Ereignisse von 1956 kurz Revue passieren lassen und über dessen Auswirkungen auf Innsbruck eingehen. Vorab sollte noch erwähnt werden, dass über die Vorgeschichte der Aufstände und die politische Situation etc. nicht eingegangen wird.

Der Beginn des Volksaufstandes am 23. Oktober 1956 in Budapest hatte an und für sich einen recht friedlichen Hintergrund. Radio Budapest berichtete darüber:

„Wie gestern gemeldet, fanden an mehreren Budapester Hochschulen Generalversammlungen der Studentenschaft statt. Es wurde dabei beschlossen, daß die Budapester Jugend eine Sympathiedemonstration des Schweigens vor der Gesandtschaft der Polnischen Volksrepublik abhält. Ziel dieser Schweigekundgebung ist es, angesichts der Ereignisse in Polen die feste Solidarität der ungarische Jugend zum Ausdruck zu bringen. Die Jugendlichen haben ferner eine Resolution angenommen, die extremistische, provokatorische und anarchistische Demonstrationen schärfstens ablehnt.“

Nun war es aber so, dass diese Demonstration den Zahn der Zeit in Ungarn traf und sich Tausende mehr im Verlauf des Tages der Massenkundgebung anschlossen. Der heranwachsende Zug von etwa 200.000 Menschen versammelte sich schließlich am Abend vor dem Parlament und forderte unter anderem Meinungs- und Pressfreiheit, freie Wahlen und mehr Unabhängigkeit von der Sowjetunion sowie die Rückkehr Imre Nagys als Ministerpräsident (dies trat sogar ein). Die Antwort durch die hiesigen Parteifunktionäre blieb nicht lange aus und es kam noch in derselben Nacht die Aufforderung, das Feuer auf die Protestierenden zu eröffnen.

Am 24. Oktober trafen weitere Einheiten der Roten Armee in Budapest ein. In der Stadt brachen zwischen den Truppen und Gruppen der Bevölkerung Kämpfe aus und das Standrecht sowie der „öffentliche Notstand“ wurden verkündet. Trotz Aufforderung an die Niederlegung der Waffen gingen die Unruhen weiter und es wurden auch Fabriken in Budapest besetzt. Darüber hinaus entfachte sich das revolutionäre Feuer auf weitere Städte wie Debrecen, Szolnok und Szeged aus. Ein Bericht des Radio Budapest macht deutlich, wie schwerwiegend die Situation war:

„Beträchtliche Panzereinheiten der Armee kämpfen zusammen mit Kommunisten und Arbeitern gegen Gruppen, die mit Revolvern, Maschinengewehren, Handgranaten und anderen Waffen ausgerüstet sind.“

„Im Funkhaus herrschte Belagerungszustand, aber die Sendungen verliefen ungestört. Später tauchten zwei Lastwagen mit bewaffneten Rowdies auf. Sie besetzten die umliegenden Gebäude und nahmen das Studio unter Feuer. Viele Wachposten wurden getötet und zahllose andere trugen Verwundungen davon. Erst danach wurde den Wachmannschaften der Schießbefehl erteilt.“

Es gäbe in weiterer Folge noch viel mehr zu berichten über die Ereignisse bis zum Ende des Aufstandes am 4. November 1956, die aber schlichtweg den Rahmen dieses Artikels sprengen würden. Sollten Sie Interesse an den Ereignissen rund um den Ungarischen Volksaufstand haben würde ich Sie auf einschlägige Fachliteratur verweisen.

Kommen wir aber nun zu unserem Titelbild. Das Bild zeigt einen am 27. Oktober 1956 durch die ungarische Kolonie veranstalteten Schweigemarsch, ganz in Anlehnung an den Marsch der Budapester Jugend. Die Verortung zum Zeitpunkt der Aufnahme ist nicht weiters schwierig, da man einerseits das Schild der Angerzellgasse gut erkennen kann und andererseits die Museumstraße doch recht markant ist. Diese Veranstaltung zu Ungarn blieb aber in der Stadt kein Unikat, denn im November wurden weitere Veranstaltungen in Innsbruck ausgerichtet. Aus den Innsbrucker Stadtnachrichten erfahren wir, dass am 13. November 1.200 Hochschüler einen Schweigemarsch für Ungarn unternahmen, am 19. November ein Hilfskomitee für Ungarn gegründet wurde und am 21. November Univ.-Prof. Dr. Franz Borkenau einen Vortrag über „Die Ungarische Tragödie“ bei einer Veranstaltung des Katholischen Bildungswerks hielt.

In der Tiroler Tageszeitung wird neben dem Schweigemarsch am 28. Oktober selbstverständlich über die gesamte Situation mit den begleitenden Ereignisse ausführlich berichtet.

Beitrag der Tiroler Tageszeitung zum Schweigemarsch in Innsbruck.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, KR-NE-2326)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Das Politische beiseite gelassen: Der Anlass liefert auch einen interessanten Hintergrund. Dass der Friseur Leeb (oder ein Verwandter) außer dem schon erwähnten Salon in der Fuggergasse noch ein Geschäft mit Compagnon hatte, ist nachgeholtes Wissen. Das mit Leder betitelte Schaufenster kenne ich auch nur mit anderer Überschrift, und daß die Diskothek „Playboy“ einstens ein ehrwürdiger Museumskeller zur Stärkung Bildungshungriger war, ist mir neu. Oder war der garnicht so akademisch? Nur das Blumengeschäft hielt sich über meine Erinnerungsschwelle hinaus sehr lange.

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