Der Mord am Patscherkofel (I.)
Von Tatort über Law & Order und CSI bis hin zu Columbo und Monk war und ist die Fernsehlandschaft voll von Krimi-Serien. Aber der Mensch ist nicht erst seit dem Rundfunk morbide von Verbrechen fasziniert. Für den Großteil ihrer Geschichte waren Hinrichtungen öffentlich und zogen auch stets Besucher an. Die letzte öffentliche Hinrichtung in Innsbruck fand 1861 statt und wurde von rund 6.000 Menschen mitangesehen.
Fast ein Jahrhundert später, als die Zeit öffentlicher Hinrichtungen schon lange vorbei war, gab es dennoch ein Gedränge vor dem Tiroler Landesgericht: „Haben Sie zufällig eine Karte? Ich kauf sie Ihnen ab – ich lass mir’s was kosten!“ „Wissen Sie, wo man a Kartl noch kriegen kann?“ Gemeint waren die Zutrittskarten für den Gerichtssaal, die offensichtlich ein heiß begehrtes Gut darstellten. Die Innsbrucker wollten einen Blick auf den Mann erhaschen, der dort auf der Anklagebank saß.
Sein Name war Guido Zingerle, geboren am 3. September 1902, und damit zu jenem Zeitpunkt 51 Jahre alt. Er stand wegen Meuchelmord, Notzucht (Vergewaltigung) und Diebstahl vor Gericht.
(Das Landesgericht in den 1950er Jahren, Signatur Ph-A-24488-1-79)