Heute vor 400 Jahren
…läuteten in Innsbruck die Hochzeitsglocken. Gefeiert wurde die Vermählung von Leopold V. (1586–1632) und Claudia de Medici (1604–1648). Der Bräutigam war der ehemalige Bischof von Passau und Straßburg, nunmehr Tiroler Landesfürst, der seine geistlichen Würden zu Beginn des Jahres zurückgelegt hatte, um heiraten zu können. Für die 21-jährige Braut war es trotz ihres jungen Alters ihre zweite Hochzeit. Denn 1621 hatte sie Federico Ubaldo della Rovere (1605–1623), den Erben des Herzogtums Urbino, geheiratet. Der künftige Herzog verstarb jedoch bereits zwei Jahre später, womit Claudia de Medici 19-jährig verwitwet war.
Der Hochzeit gingen lange Verhandlungen in Florenz voraus. Die Medici boten eine Mitgift von stattlichen 587.000 Gulden, die Abgesandten Leopolds taten ihr Bestes, um mehr herauszuholen – allerdings ohne Erfolg. Somit musste der neue Tiroler Landesfürst sich mit dieser kümmerlichen Summe zufriedengeben, die eine Magd in knapp 60.000 Jahren schon beisammenhätte. Leopold war nach Rom gereist, um wie erwähnt seine geistlichen Würden zurückzulegen. Der Papst willigte ein, wobei die Tatsache, dass Leopold trotz seiner zweifachen Bischofswürde nie die Priesterweihe empfangen hatte, behilflich war.
Indessen begannen in Innsbruck bereits die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten, deren Kosten auf 40.000 Gulden geschätzt wurden, was sich allerdings als optimistisch erweisen sollte. Es wurden Triumphbögen errichtet, neue Möbel für die Hofburg angeschafft und Unmengen an Nahrungsmitteln vorbereitet – Fleisch und Fisch verschiedenster Art, sowie allerlei Spezialitäten, die man aus Genua, Venedig und Mailand importierte. Zusätzliches Tafelsilber lieh man sich von den bayrischen Kurfürsten (das Herzogtum war damals übrigens erst vor 3 Jahren ein Kurfürstentum geworden) und den Fuggern.
Mit einem Zug von 300 Begleitern traf Claudia de Medici am 19. April 1626 in Innsbruck ein. Bei der Zeremonie in der Hofkirche waren Braut und Bräutigam beinahe modern gekleidet: Claudia ganz in weiß, Leopold in schwarz. Nach der zweisprachigen Predigt des Salzburger Erzbischofs wurden die Ringe übergeben und nach dem Te Deum begab man sich in die Hofburg zum Festmahl, bei dem insgesamt rund 2.400 Gäste bewirtet wurden.
Claudia de Medicis zweite Ehe dauerte zwar länger als ihre erste, aber Leopold verstarb bereits sechs Jahre später. Da ihr ältester Sohn, Ferdinand Karl, damals erst vier Jahre alt war, regierte sie das Land für 14 Jahre, bis er 1646 das Szepter übernahm. Heute finden sich vielerorts noch Erinnerungen an die Medici-Fürstin. Von der Claudiana, über Claudiastraße und Claudiaplatz bis zur Porta Claudia bei Scharnitz.
(Signatur Ph-23016_1)