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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Chaostage Statt Bogenfest

Chaostage statt Bogenfest

Will man einer bürgerlichen Idylle einen recht argen Schrecken einjagen, dann muss man einem Zusammentreffen harmloser junger Leutchen mit originellen Frisuren und unkonventionellem Kleidungsstil nur den Beinamen Chaostage geben – schon zittert der Innsbrucker Biedermann, ob nun Brandstiftung und Anarchie das geordnete Leben dauerhaft ersetzen sollen.

Die Innsbrucker Chaostage von 1986 waren ein Treffen von Punks, als Punks gestylten Jugendlichen und lokalen Freundinnen und Freunden der elektrischen Drei-Akkorde Musik in Düsenjetstartlautstärke. Außerdem war Sommer und im Akt war immer ausreichend stickige Luft (von Rauchverbot hatte man damals nur aus Amerika gehört, das man, auch wegen der Pershings und dem Nato-Doppelbeschluss, ohnehin konsequent ablehnte). Also gingen alle trotz nassen Wetters nach draußen, und fast wie verabredet waren aus dem nahen Polizeihauptquartier eine große Anzahl an Einsatzkräften gekommen, um, nun was konkret, das wußte keiner so genau, aber jedenfalls das Schlimmste zu verhindern. Die Tiroler Tageszeitung hatte ganz im Retro-Stil ihrer im Schnitt 70-jährigen Chefredaktion den Weltuntergang herbeigeschrieben, es kam dann eben zu den erwarteten Wortwechseln und Handgemengen und eine Reihe von Rädelsführern aber auch eine erkleckliche Zahl junger Zaungäste verbrachte überraschend und ohne jede vernünftige Begründung ihre erste Nacht im Polizeiarrest. Sie können heute ihren Enkerln davon erzählen, falls sie später doch noch einen konventionellen Lebensentwurf angetreten haben und nicht zu viel von den Drogen und dem Schnaps zu sich genommen haben.

Das Akt war ein cooler Schuppen, der Autor dieser Zeilen durfte hier im Frühjahr 1985 mit der Band seines großen Bruders auftreten; Konzerte begannen nach Mitternacht, die Mathe-Schularbeit am nächsten Tag war rasch verdrängt, man braucht als 16-jähriger ohnehin nicht so viel Schlaf. Bühne gab es keine, nur eine Nische in der weniger Bierkisten standen als in den anderen Ecken. Die vier, fünf Lieder waren schnell abgespult, zwei Dutzend anwesende Freunde und Lokalgäste wollten freundlich mehr hören, also begann man mit dem Programm von vorne. Um fünf waren alle zu Hause.

Heute, 40 Jahre später, ist in der Gegend des Akt (Hausnummer 16) das Bogenfest. In den letzten Jahren hat sich dieser von den p.m.k. erfundene Format zum gemütlichsten und friedlichsten Sommerfest der Stadt entwickelt. Massenverhaftungen sind diesmal wieder nicht geplant, wie man aus gutuniformierten Polizeikreisen hört.

(Bilder aus dem Subarchiv)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Die Saat ist aufgegangen, jetzt haben wir die Chaostage

    Damals war das wirklich eine harmlose wie auch eine im Rückblick einwenig lächerliche Lehrlingsaufgabe der Jusos. Und ein sehr punktuelles Ereignis. Gabs da eigentlich eine Verbindung zu den Hafen Leuten? Name und Idee klingen so.
    Und um den Märtyrerstatus zu erlangen, genügte es, die Ausweisleistung zu verweigern.

    Bleibt der Polizisten Mützen
    auf dem edlen Haupte sützen,
    als harmlos ist dann einzustufen
    der Knaben Revoluzzerrufen.

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