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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Glockenweihe Mit Propst Weingartner

Glockenweihe mit Propst Weingartner

Das heutige Bild zeigt eine Glockenweihe mit bisher unbekanntem Datum. Auch sonst gibt unser Datensatz dazu nicht viel her, doch eine besonders wichtige Information ist darin enthalten. Bei dem Geistlichen, der die Weihe vornimmt, handelt es sich anscheinend um Propst Dr. Weingartner. Nach einer kurzen Recherche zu seiner Person lässt sich der Zeitrahmen, in dem das Foto aufgenommen wurde, etwas eingrenzen.

Laut seinem Partezettel wurde Josef Weingartner 1885 in Brixen geboren und verstarb 1957 in Meran. Ein Foto seines Bestattungszuges ist hier zu finden. Er studierte in Wien und Rom und war ab 1921 Propst, Dekan und Stadtpfarrer zu St. Jakob, bis er 1956 in den Ruhestand trat. Die Glockenweihe unseres Fotos müsste also irgendwann dazwischen stattgefunden haben. Naheliegend wäre auch, dass es sich bei dem Ort der Aufnahme um den Domplatz handelt. Doch im Jahr 1931 weihte Weingartner auch sechs Glocken für St. Nikolaus. Und im September 1924 in Dreiheiligen. Angesichts seines Alters auf dem Foto scheinen beide Glockenweihen nicht realistisch. Die Zuordnung gestaltet sich etwas schwieriger.

Vielleicht können uns die abgebildeten Personen weiterhelfen? Der Mann auf Weingartners linker Seite – ebenfalls ein Geistlicher – ist noch namenlos. Sowie die Frau mit schwarzem Zylinder neben ihm. Sie sticht besonders ins Auge. Frauen sind in der katholischen Kirche rar gesät und ein klassisches Nonnengewand trägt sie nicht. Ihrer Position auf dem Foto nach zu urteilen, hat sie jedoch bei der Glockenweihe eine Rolle gespielt. Wer könnte sie wohl sein? Vielleicht eine Patin oder Stifterin einer der Glocken? Und um welche Glocken handelt es sich denn nun wirklich?

(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, Ph-899)

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare
  1. Wahrscheinlich wirklich die Glockenpatin und der „Zylinder“ ist Teil der Tiroler Tracht, wie sie von Frauen z.B. am westlichen Mittelgebirge, etwa in Götzens getragen wird. Wobei die Bluse in Götzens schon wieder anders aussieht – also wahrscheinlich keine Patin aus Götzens

  2. Ergänzung: Ich lebe ja schon länger nicht mehr dort und hab ganz tief in meinen Erinnerungen gekramt. Wenn mich nicht alles täuscht, wird der „Zylinder“ mit dem schönen Tiroler Wort „Stoz’n“ bezeichnet.
    Woher genau die Tracht der mutmaßlichen Glockenpatin auf dem Bild stammt, ja dazu bräuchte es trachtenkundigere Menschen als ich es bin.

    1. Den „Stotzn“ dürfen meines Wissens nur Bäuerinnen tragen.
      Aber das heißt noch nicht, daß die Glockenpatin auf dem Foto auch tatsächlich „Tracht“ trägt.
      Nein, sie trägt ein schwarzes klassisch geschnittenes Kostüm aus schwarzem glatten Wollstoff (nicht gerau(h)t, also eher „Kammgarn“) und darunter eine schwarze (Seiden)Bluse mit spitzem Kragen. Was man jetzt eigentlich nirgends mehr sieht: die mit dem Blusenstoff überzogenen („gepreßten“) Knöpfe. Wollte man solche bekommen, mußte man mit einem Stück des (Blusen-)Stoffes in ein Kurzwarengeschäft pilgern. Nach ein paar Tagen konnte man diese stoffüberzogenen Knöpfe dann im Geschäft (z.B. „Bunter Laden“ in der Andreas Hofer Straße) abholen. Aber wo diese Knöpfe tatsächlich erzeugt wurden – da bin ich überfragt.

  3. Ich will vorausschicken, dass ich mich in Belangen der Kirche nicht gut auskenne. Die Mitra und der Bischofsstab irritieren mich allerdings etwas. Ich dachte bisher, diese Insignien seien den Bischöfen vorbehalten. Vielleicht war es aber bei einer derart feierlichen Handlung wie einer Glockenweihe auch dem Probst erlaubt, sie zu tragen. Falls nicht, kann es sich hier nicht um den Domprobst Josef Weingartner handeln, oder? Weiß das jemand aus der Leserschaft genauer?

    Unabhängig von meinem leisen Zweifel habe ich ANNO nach den Glockenweihen durch Dr. Weingartner befragt, von folgenden wurden berichtet:

    1922/04/09: St. Nikolaus (2 Glocken, Patinnen A. Liener und A. Götsch)
    1922/06/29: Mariahilf (keine näheren Angaben)
    1924/09/14: Dreiheiligen (2 Glocken , Patinnen Frau Wild, Frau Landesschulinspeltor Patigler, Frau Pellet,
    Frau Rindfleisch und Frau Kathi Hackl für die alte Stahlglocke und Frl. Marie Baur, Präsidentin der Mädchenkongregation.
    1931/06/12: St. Nikolaus (6 Glocken, für jede eine eigene Patin, ohne Namensangaben)
    1946/10/11: Lans (2 Glocken, Hl. Lambert und Maria geweiht)
    1949/05/15: Oberpettnau (3 Glocken)

    Falls das Titelbild doch nicht Probst Weingartner zeigt, kämen noch nachstehende Weihen in Frage:

    1923/12/23: Hötting (Abt H. Schuler von Wilten, 2 Glocken, Pat*innen Antonia Stolz [Kerschbuchhof] und Dr. Graßmayr [Bürgermeister] für die Bauernglocke, Maria Berchtold [Allerheiligenhof] für die Kriegerglocke.
    1931/06/14: Mariahilf („hochwürdigster Herr Bischof“, 3 Glocken); Brixen 1931 = Johannes Geisler, Salzburg 1931 = Ignatius Rieder.
    1924/09/14: Stadtpfarrkirche St. Jakob (Bischof Dr. Waitz, Sbg., 4 Glocken, Mariahilf-Glocke [Pat*innen Paula Stumpf und Dr. Innerebner], St. Anna-Glocke [Pate Vergoldermeister W. Bernhart in Vertretung von Hans Hörtnagl], St. Jakobs-Glocke [Pate Julius Wieser als Vertreter von Ezio Foradori] und St. Alexius-Glocke [Patin Frau Purner].

    In Lans gehört(e) zur Frauentracht ebenfalls ein „Stotz’n“ (Dank an Herrn Georg 1).
    https://mk-lans.at/geschichte
    Allerdings wurde anlässlich der Lanser-Weihe von 2 Glocken berichtet, am Titelbild sieht es nach mindestens 3 aus.

  4. Dieses Bild stellt tatsächlich eine gewisse Herausforderung dar. Meine Wahrnehmungen dazu:

    Propst (Zur Schreibweise mit zwei harten „p“ verweise ich auf meinen Kommentar zur Glockenweihe von St. Jakob) Weingartner dürfte das eher nicht sein. Den Pröpsten von St. Jakob war als Apostolischen Protonotaren zwar das Tragen der Mitra erlaubt, den Stab durften Sie aber nur bis 1906 führen.

    Bischof Sigismund Waitz dürfte es aufgrund der Statur auch eher nicht sein. Es stellt sich die Frage ob das Foto zeitlich irgendwie eingrenzbar ist. Aufgrund der Tracht würde ich eher auf eine Landgemeinde tippen, in der Stadt wird das so eigentlich nicht getragen. Ebenso fällt mir der Kleriker links neben dem Offizianten auf, dieser trägt unter dem Chorrock eine helle Soutane – die Farbe ist nicht genau definierbar, könnte aber weiß sein. Das würde auf einen Prämonstratenserchorherren aus dem Stift schließen lassen, daher möglicherweise eine Stiftspfarre. Da käme von den oben genannten dann Hötting oder Lans in Frage. Wobei mir in Hötting die Stoz’n nicht geläufig wären.

  5. Die Hinweise von Herrn Georg 1 zur Unterinntaler Tracht der Glockenpatin sowie von Herrn Tschurtschenthaler auf einen möglichen Wiltener Chorherren neben dem Glockenkonsekrator dürften der Schlüssel zur Lösung des Rätsels sein:

    Der links neben dem Konsekrator stehende Geistliche ist eindeutig der Wiltener Chorherr Anton Plattner (1906–1958), der von 1937 bis zu seinem Tod als Pfarrer von Amras tätig war (https://sterbebilder.schwemberger.at/picture.php?/168496/search/psk-20260817-JyTMRYZ2k1).

    Während seiner Amtszeit in Amras nahm der 1909 in Amras geborene Wiltener Abt Hieronymus Triendl (resigniert 1955, verstorben 1957, https://sterbebilder.schwemberger.at/picture.php?/228905/search/psk-20260817-DxHCu0q8NS) am 24. Oktober 1954 auf dem Vorplatz des Stecher-Hofes in Amras die feierliche Segnung von vier Glocken vor (https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=tna&datum=19541025&seite=4&zoom=33&query). Der Konsekrator trägt den noch heute in Verwendung befindlichen Wiltener Norberti- bzw. Fronleichnams-Ornat aus der Zeit um 1790.

    Die Frau neben Pfarrer Plattner dürfte die Stecher-Bäuerin Maria Mayr (1901–1986) sein, die die in Amras tatsächlich übliche Unterinntaler Tracht mit dem Stotzen trägt (man sehe sich etwa Bilder der Fronleichnams-Prozession in Amras an). Mayr ist übrigens gemeinsam mit Plattner auf dem um 1945 entstandenen Fassadenfresko von Hans André (1902–1991) an der Pfarrkirche Amras dargestellt (https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/1/1b/Pfarrkirche_Amras_Fasdadenfresko.jpg?utm_source=commons.wikimedia.org&utm_campaign=index&utm_content=original).

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