Erinnerung an die Brennerbahn – Kein Halt mehr in Grasstein/Le Cave
Ich bin die Strecke von Innsbruck bis Franzensfeste, vor allem während meiner Studienzeit, unzählige Male mit dem Zug gefahren. Dennoch war mir nie bewusst, wie viele heute vergessene Haltestellen und Bahnhöfe entlang der Brennerbahn noch zu entdecken gewesen wären, wenn man während der Reise etwas aufmerksamer aus dem Fenster geblickt hätte.
So war mir auch der nächste Halt unserer Serie „Erinnerung an die Brennerbahn“ Grasstein/Le Cave bis zu meinen Recherchen völlig unbekannt. Verwunderlich ist das freilich nicht, denn die Station wurde bereits 1971 aufgelassen. Indes soll das ehemalige Bahnhofsensemble laut einem Beitrag zum 150-jährigen Jubiläum der Brennerbahn zu den besterhaltenen entlang der alten Strecke gehören.
Seine vergleichsweise große Anlage verdankte Grasstein den nahegelegenen Granitsteinbrüchen. Der hier gewonnene Granit wurde unter anderem beim Bau zahlreicher Bahnhöfe verwendet. Zum Ensemble gehörten neben dem Stationsgebäude auch Wirtschafts- und Magazingebäude, ein Wasserturm sowie die weitläufigen Gleisanlagen. Ob dies auch heute noch in diesem Umfang erhalten ist, kann ich leider nicht beurteilen, es würde mich aber wirklich interessieren, ob sich eine Reise dorthin für Bahnfreunde noch lohnen würde.
Leider besitzen wir in unserer Sammlung kein historisches Foto des Bahnhofs Grasstein/Le Cave. Umso mehr möchten wir mit diesem Beitrag an eine Station erinnern, die einst Teil der Brennerbahn war und heute weitgehend aus dem Bewusstsein verschwunden ist.
Das Titelbild aus unsere Sammlung zeigt immerhin die Brennerbahn unweit des ehemaligen Bahnhofs. Unsere Spezialisten werden vermutlich keine allzu große Mühe haben zu erkennen, wohin der Blick des Fotografen hier gerichtet war.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum KR-NE-6638)
Nein, „Spezialistin“ bin ich nicht.
Aber es gab einmal den Eisacktaler Wanderpaß. Und unsere (damals) drei Kinder waren im Volks- bezw. Vorschulalter. Und aufgrund einer „geistlichen Verwandtschaft“ (die verstorbene Schwiegermutter der verwitweten Bäuerin „beim Ruepe“ war die Firmpatin meiner Schwiegermutter gewesen, die damals hochbetagt noch lebte) konnten wir Urlaubstage „mit Frühstück“ und sehr liebem Familienanschluß „beim Ruepe“ verbringen.. Und zum Punktesammeln für diesen „Wanderpaß“ waren unsere Kinder mühelos zum Wandern zu motivieren.
Und so kann ich bestätigen, daß wir links im Bild das Dorf Stilfes und den spitzen Turm seiner Kirche sehen. Elzenbaum, links davon gelegen, verbirgt sich leider hinter einer kleinen Geländefalte. Erst Reifenstein und das Zenokirchl sehen wir wieder – und den ganzen Sterzinger Talkessel und hinein ins Ridnauntal bis zum Zuckerhütl – – und den Telfer Weißen und den bewaldeten Mugel, der zum Roßkopf gehört, und herunten wieder die Burg Sprechenstein – und dann ists aus.
Wäre das Foto doppelt so breit, würden wir rechts Maria Trens sehen, mit spitzem Kirchturm – und – unter Umständen – vielleicht auch noch St. Valentin in Valgenäun-
Vallis genaunis – das Wipptal um Sterzing.
Und damit Ihnen jetzt das Wasser im Munde zusammenrinnt: Von Trens über Valgenäun und Niederflans (wo wir eine Holz(Obst-)steige mit einem lebendigen Junghahn (ja, einem Weißen Gockel!) mitnahmen, ging es hinunter nach Mauls, von dort hinüber nach Pfulters (wo auf der Kompass-Wanderkarte auch noch ein „Haltepunkt“ eingezeichnet ist) und über Wildbad Möders (längst außer Betrieb) mit Kapelle zurück über den Dekanatssitz Stilfes den Weg zurück nach Elzenbaum.
(Ja, Sie haben meinen Mann nicht gekannt!)
Die Bäuerin schlug jedenfalls die Hände über den Kopf zusammen, als wir diese Obststeige mit dem Hahn brachten (Sie hatte geglaubt, er würde per Auto anreisen). Aber der Hahn („dr Huuhne“) habe sich rasch erholt und sei ein guter „Hausherr im Hühnerstall“ gewworden.
Ja, gell, da kennt man die Gegend ein bißl.
Daß aber in Graßstein damals schon kein Zug mehr hielt – als wir den letzten Wanderstempel dort holten, nachdem wir vom Puntleider See heruntergekommen waren, sagte der Wirt der „Stempelstelle“ – des Gathauses – „den leschtn drtuets nimmer, der fahrt grad weck“. Und so sind wir aauch von hier noch zu Fuß zurück nach Elzenbaum – zum Großteil dann in deer Finsternis.
Im nächsten Jahr blieb mir vieles erspart. Denn da kam unser Jüngster zur Welt. Im August.
(Ich bitte um Entschuldigung dafür, daß hier so viele prsönkiche Erinnerungen eingeflossen sind)
Entschuldigung – es muß natürlich heißen:
„Elzenbaum, r e c h t s davon gelegen…“