Erinnerung an die Brennerbahn – Kein Halt mehr in Kastelruth/Castelrotto
Im Zuge des Ausbaus der Brennerbahn mit zusätzlichen Haltestellen entstand 1898 der Haltepunkt St. Oswald–Kastelruth. Von hier aus erreichten die Reisenden über eine gedeckte Holzbrücke südlich des Stationsgebäudes sowohl St. Oswald als auch Kastelruth. Das kleine Stationsgebäude entstand nach den Typenentwürfen des bekannten Südbahnarchitekten Wilhelm von Flattich. Anders als die größeren Bahnhöfe entlang der Strecke handelte es sich um einen schlichten Holzbau mit Pultdach, der einen Warteraum sowie einen Dienstraum mit Fahrkartenverkauf beherbergte.
Der Personenverkehr am Haltepunkt wurde 1970 eingestellt. Als 1994 der Schlerntunnel eröffnet wurde, verschwand auch dieser Abschnitt der alten Brennerbahn aus dem regulären Bahnbetrieb. Heute führt hier der beliebte Radweg durch das Eisacktal, auf dem sich die ehemalige Trasse noch gut nachvollziehen lässt. Bilder des aktuellen Zustandes der Bauten auf der Strecke sind hier gut dokumentiert.
Leider besitzen wir wiederum keine historischen Aufnahmen des Haltepunkts in unserer Sammlung. Stattdessen möchten wir heute den Ort zeigen, den die Reisenden damals erreichten. Das Titelbild entstand 1934 und zeigt Kastelruth mit seinem weithin sichtbaren Kirchturm. Ergänzt wird es durch zwei seltene Fotoglasplatten aus der Zeit um 1900. Sie halten eine feierliche Prozession vor der Pfarrkirche sowie den historischen Dorfplatz mit einem Gasthaus fest. Beide Aufnahmen vermitteln eindrucksvoll die Atmosphäre Kastelruths zu einer Zeit, als der kleine Haltepunkt zahlreiche Besucher in das Schlerngebiet brachte und die Brennerbahn maßgeblich zur touristischen Entwicklung der Region beitrug.


(Stadtarchiv/Stadtmuseum KR-NE-4826, Ph-Pl-2042, Ph-Pl-2040)
„Hp. Kastelruth“ steht noch im Kartenteil, Seite 61, des „Kompaß- und Wanderatlas Südtirol“, 3. Auflage 1986. Dabei hatte diese Angabe zum Zeitpunkt des Erscheinens bereits historischen Wert.
Jedoch abenteuerlich, wie sich das Straßl – oder der Weg – über unzählige Serpentinen – emporschlängelte zur Straßenverbindung Waidbruck – Kastelruth.
Auch heute noch kann man von der Bahnstation Waidbruck die Ortschaft Kastelruth zu Fuß erreichen, bevorzugt im Frühjahr oder Herbst.-
Von Waidbruck hinauf zur Trostburg mit einer eventuellen Besichtigung und weiter über den Tagusenser Wald zur Ortschaft Tiesens und weiter hinauf nach Kastelruth (zum Spatzenfest)- Gehzeit ca. 2,5 bis 3h.
Am selben Weg zu Fuß oder mit dem Bus wieder zurück nach Waidbruck.
Schian’s Tagesausflügl.
…was immer schon der bequemere und ungefährlichere Weg gewesen sein dürfte als das Zich-Zack-Steigl nach der Eisackbrücke hinauf nach Tisens und weiter Richtung Kastelruth. Was sich die Planer und Erbauer der Bahnstrecke damals wohl gedacht haben?
Andererseits, nämlich auf der anderen Talseite, gab es in Richtung Ritten hinauf doch Häuser und Gehöfte, deren Bewohner vermutlich um diese Haltestelle froh waren, wenn sie in Bozen – oder in Brixen – zu tun hatten. Da gabs z.B. ein Steigl hinauf zu Gehöften namens Penz und Sulzner an der Straße Richtung Lengstein und Maria Saal (wo man in der Kirche das Fresko der „Madonna mit dem Regenschirm“ bewundern kann).
Aber jetzt, wo „jeder“ ein Auto hat….