Ein seltener Anblick
In den Beständen unseres Archivs gibt es (ganz plakativ) fünf Arten von Personen:
-diejenigen, deren Gesichter man ständig auf Fotos sieht und deren Namen bekannt sind,
-diejenigen, deren Gesichter man ständig auf Fotos sieht, deren Namen aber in Vergessenheit geraten sind,
-diejenigen, die man nur aufgrund ihrer namentlichen (zeitgenössischen) Bezeichnung kennt,
-diejenigen, deren Namen oft vorkommen aber keine Fotos dazu vorhanden sind,
-und diejenigen, die man gar nicht kennt und bei denen die Chancen, sie jemals zu identifizieren gleich null stehen.
Heute handelt es sich um jemanden, der, wie ich vermute, nur selten auf Fotos auftaucht. Anhand der Kamera würde ich auf einen professionellen Kameramann bzw. Fotografen tippen. Kameraleute haben es so an sich, dass sie eher Videos und Fotos von anderen Leuten machen und weniger von sich selbst. Deshalb ist es schwieriger, Aufnahmen zu finden, die die Kameraleute selbst zeigen. Dies mag sich seit der Erfindung der Selfie Kamera verändert haben, doch dieses Foto wurde schon lange vorher, am 17. November 1963, gemacht. Das Datum lässt sich so genau bestimmen, weil das Foto gemeinsam mit anderen auf einem einzigen Negativstreifen zu finden ist. Darauf ist die Einweihung der Europabrücke zu sehen ist, die an diesem Tag stattfand. Bei diesem Anlass war eine Vielzahl an Fotograf*innen und Kameraleuten vor Ort, wie das Folgende Foto deutlich zeigt. Auch diese Pressemitarbeiter oder vielleicht auch Hobbyknipser sind bislang leider namenlos.

Zur Europabrücke gibt es auf dieser Plattform schon zwei Beiträge, die den Bau genauer erläutern (Brennerautobahn Teil I: Innsbruck – Schönberg und die Europabrücke – Innsbruck erinnert sich und Brennerautobahn Teil II: Von Schönberg bis Matrei und Steinach – Innsbruck erinnert sich).
Da der Kameramann auf unserem Titelbild gerade selbst mit einer Aufnahme beschäftigt ist, muss das Foto von jemand anderem gemacht worden sein. Bei diesem Jemand handelt es sich um Richard Frischauf, das Stadtarchiv hat beide Fotos von ihm übernommen. Bleibt nur noch die Frage, welchen seiner Kollegen er auf diesem Bild verewigt hat?
(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, Frischauf-Foto, FR-NE-0178-11, FR-NE-0179-3)
Beim oberen Bild könnte es sich um Theo Hörmann mit seiner 16mm Arriflex (steht auf der Spulenbox) handeln.
Die am unteren Foto abgebildeten Fotografen (gendern sinnlos) wird auch Herr Frischauf nicht alle gekannt haben.
P.S.: „Selfie Kameras“ gab es schon lange vorher, damals hieß das „Selbstauslöser“. Zu den Einstellwerkzeugen, die rund um die Linse angeordnet waren – Blende, Entfernung und Belichtungszeiz – gab es auch ein kleines Federwerkhebelchen, welches unter einem ganz typischen Schnarrgeräusch ablief (rennen!) und am Ende (stillgestanden!) den Auslöser auslöste. Anschließend nach einer auch Selfies eigenen ungläubigen Schrecksekunde Rückkehr zur Kamera.