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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Crime Statt Cremeschnitte

Crime statt Cremeschnitte

Bei einem Spaziergang der Mayers wurde der dokumentarische Blick in der Leopoldstraße nach Süden gerichtet. Die Szene zeigt die „Schikane“ der Bim, die sich hier mit einer links-rechts Kombination an der Engstelle vorbeischwindeln musste. Das gleichname Lokal gibt es schon viele Jahre nicht mehr, weitaus länger als der Barbetrieb stand das eher nur halbwitzige „Schik‘ ane nach der anderen“ im Fenster des nämlichen Etablissements.

Ins Auge der Betrachter:innen sticht hier außer der bereits hier erwähnten Geschirrhandlung Bernabè das Firmenschild der Konditorei Peter. Als braver Lokalhistoriker macht man sich mit dieser Information auf, um etwas mehr über den besagten Peter herauszufinden. Erste erste Hürde ist der Name selbst. Peter ist hier nicht wie bei den Murauer’schen Konditoreien ein Vorname sondern der Nachname. Gefunden: Ein Severin Peter wohnte und buk in der Mentlgasse 18 und verkaufte in der Leopoldstraße 21 seine Kuchen und Torten.


Ein wenig Zeitungsrecherche brachte dann eine veritable Kriminalgeschichte an den Tag. Im Taumel der Anschlusstage 1938 publizierte die junge Märchenerzählerin Vera „von“ Grimm die gesäuberte Fassung einer Geschichte des Eugen Leikermoser, der sich in Innsbruck bei bekannten illegalen Nationalsozialisten einlud, um diese offenbar am nächsten Tag bei der Polizei anzuzeigen. Bei Peters kam es dann zu einem Showdown, zwei falsche Polizisten nahmen den als Spitzel enttarnten Leikermoser fest (einer der beiden fiel dabei selbst in Ohnmacht) und brachten in weg. Erst in der Prozess-Beschreibung von 1935 erfährt man dann das brutale Ende dieser Geschichte, nämlich dass Eugen Leikermoser diesen Tag nicht überlebt hat. Das Chloroform, um ihn zu betäuben, stammte, wie spätere Gerichtsverfahren belegen, vom Universitäts-Apotheker Herbert Nachtmann. Eine so brutale wie absurde true crime story mit Mord und Totschlag im illegalen Nazi-Milieu statt Kaffee und Kuchen in der Konditorei Peter, von der ich bis gestern nicht wußte, dass es sie gab.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Danke für diese spannende Geschichte, die ohne den braven Lokalhistoriker für immer im Gewebe der Stadt verborgen geblieben wäre!

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