Ein mühsamer Transport
Viele aufmerksame Leserinnen und Leser werden bemerken, dass ein ähnliches Foto bereits für einen früheren „Innsbruck erinnert sich“-Beitrag verwendet wurde. (Link: Auf einem steinigen Weg Richtung Zukunft – Innsbruck erinnert sich) Bei dem Titelbild dieses Beitrags handelt es sich aber um eine – in meinen Augen – so außergewöhnliche Glasplattenfotografie aus der Sammlung Walter Kreutz, dass ich sie Ihnen trotzdem nicht vorenthalten möchte. Es zeigt den äußerst mühsamen Transport eines 22.000 Kilo schweren Generators, zur Baustelle des „Kraftwerkes obere Sill“, das zwischen 1901 und 1903 nach Plänen des Ingenieurs Karl Innerebner errichtet wurde.
(Stadtarchiv Innsbruck, KR-PL-123)
Interessant sind die verschiedenen Gewichtsangaben der 8 poligen Polräder – hier 22 t und beim verlinkten Bild sind es 27t. Einmal schuften Pferde und einmal Ochsen. Das Kraftwerk hatte 1903 vorerst nur zwei Maschinensätze und wurde 1908 vervollständigt. Vielleicht stammt das etwas leichtere Rad von 1908, eventuell von einem andereren Hersteller. Ich bilde mir ein ähnliche Bilder vom Ruetzkraftwerk für die Mittenwaldbahn gesehen zu haben. Das war nur wenige Jahre später.
Beachtlich dieses Gewicht auf bloß 2 Achsen zu transportieren. Anders kam man wohl nicht um die Kurven. Man bedenkt dass der zulässige Achsdruck eines LKW auf unseren heutigen Straßen auf 8t beschränkt ist.
Wow! Gefühlt sind hier mehr PS vorhanden als unter der Motorhaube meines Autos. Ich frage mich gerade, wie lange es wohl dauerte, bis so ein Wahnsinns-Gespann startklar war. Womöglich waren die zuerst eingespannten Pferde schon wieder müde, bevor die letzten an der Reihe waren. Und dann der steinige Weg bergauf, eine Schinderei für Mensch und Tier. Da war die eine oder andere Foto-Pause sicher eine willkommene Abwechslung. Unter solchen Bedingungen ein Kraftwerk in nur 2 Jahren Bauzeit zu errichten, alle Achtung!
Weil mich aufgrund dieser kurzen Bauzeit die Baugeschichte interessierte, habe ich ANNO befragt und etwas überrascht festgestellt, dass während der Bauphase gar nicht so viel darüber berichtet wurde, wie man sich das für ein derartiges Projekt erwarten würde. Kurz vor der Fertigstellung bin ich dann doch noch fündig geworden. Die IN berichteten im August 1903 in einem (für Laien doch recht ausführlichen) Artikel anhand des Verlaufes des Wassers vom Brennerwerk bei Matrei bis zum Hohlweg am Bergisel über Entstehung, Funktion und Aussehen der Anlage: https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=19030814&seite=17&zoom=33&query=%22Elektrizit%C3%A4tswerk%22%2B%22Sill%22&ref=anno-search
Fotos der fertig zusammengebauten Generatoren im Kraftwerk obere Sill sowie Angaben und Zeichnungen lassen mich zweifeln. Das hier transportierte Polrad ( = Magnetrad = Rotor ) passt so gar nicht dazu:
https://www.sagen.at/doku/Sillwerke/Sillwerke_3_elektr_Anlagen.html
Es stimmen weder Form noch Anzahl der Pole überein. Vielleicht stammen die Fotos vom Ruetzkraftwerk ?
Kommando retour.
Es sind ja tatsächlich 16 Pole und hier wohl noch gut verpackt. Damit gehört der Transport eindeutig zum Sillkraftwerk.