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Zum Brand Der Bocksiedlung

Zum Brand der Bocksiedlung

An den Abend des 17. Juni 1963 können sich noch viele ältere Innsbruckerinnen und Innsbrucker erinnern, stiegen doch im Osten der Stadt Flammen und Rauchsäulen auf. Kurz vor 20 Uhr war in einem „hobelscharten- und Strohschupfen östlich des Wohngebäudes des Besitzers Hans Bock“ ein Feuer ausgebrochen, das innerhalb weniger Minuten große Teile der Bocksiedlung erfassen sollte. Nachdem sich meine Kollegin Hanna Fritz schon vor knapp zwei Jahren an dieser Stelle mit diesem Brand befasst hat, wollen wir ihn uns heute noch einmal aus Sicht der Einsatzkräfte ansehen.

Um 19:52 ging in der Nachrichtenzentrale auf der Hauptfeuerwache im Rathaus folgende Meldung ein: „In der Reichenau – Bocksiedlung – brennt es bei Bock Egon“. Nur eine Minute später rückte die Berufsfeuerwehr mit dem Kommando-1 (Einsatzleiter BD Anton Stolz) und fünf Tanklöschfahrzeugen zur Einsatzstelle aus. Um 19.55 rückte ein weiteres Tanklöschfahrzeug der Berufsfeuerwehr aus; parallel dazu eilten auch die Freiwilligen Feuerwehren von Amras, Arzl und Neu-Arzl zur Einsatzstelle, während die Feuerwehren von Hötting und Mühlau den Auftrag erhielten, die Hauptfeuerwache zu besetzen.

Beim Eintreffen der Feuerwehr standen bereits über 1000m2 in Vollbrand.

Nur sechs Minuten nachdem die Meldung bei der Berufsfeuerwehr eingegangen war, trafen die ersten Einsatzfahrzeuge bei der Bocksiedlung ein. Dennoch „war der Brand bereits so weit fortgeschritten, daß sich zuerst die Brandbekämpfung auf die Sicherung der äußerst gefährteten Umgebung […] konzentrieren mußte und erst dann zum Angriff übergegangen werden konnte.“

Diese Skizze vermittelt einen guten Überblick über die Brandbekämpfung.

Die Wasserversorgung gestaltete sich am Stadtrand nicht einfach, wie auch die Skizze zeigt. Nur eines der Tanklöschfahrzeuge (das TLF-6/4000) konnte über den Hydranten an der Einmündung der Radetzky-Straße gespeist werden. An der Südostseite der Einsatzstelle wurde zur Versorgung des TLF-7/4000 ein Pendelverkehr mit zunächst drei und später zwei kleineren Tanklöschfahrzeugen eingerichtet. Ein weiteres Tanklöschfahrzeug konnte über den Tiefsaugbrunnen und eine Tragkraftspritze mit Wasser versorgt werden.

Zur Brandbekämpfung wurden nicht weniger als acht Rohre eingesetzt.
Das Feuer zerstörte mehrere Wohn- und Lagerbaracken.

Gegen 23:30 wurde die 1. Gruppe der Berufsfeuerwehr von der FF Hötting am Brandplatz abgelöst. Die Nachlöscharbeiten und Brandwache dauerten bis in die Abendstunden des 18. Juni 1963 an.

Diese beiden Aufnahmen (oben und unten) entstanden während der Nachlöscharbeiten am 18. Juni 1963.
Ein Feuerwehrmann beim Aufrollen eines Schlauches am Tag nach dem Brand. Insgesamt wurden nicht weniger als 45 B- und 32 C-Schläuche eingesetzt.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Archiv der Feuerwehr der Stadt Innsbruck, Archiv der BFI)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Weil gerade das Thema Feuerwehr ganz allgemein auf dem Tapet ist: Das Auffälligste auf den Fotos ist die bescheidene Tracht der Feuerwehrleute. Man trug im Stil der Mechaniker und Schlosser einen schlichten grauen Arbeitsanzug im Schnitt eines Pyjamas und dazu eine Art Feldkappe. Obwohl damals Helme vorhanden waren, scheinen sie nicht als notwendig angesehen worden zu sein. Weiteres Detail: Daß die alten Opel Blitz Tankwagen noch in die Zeit der roten Lackierung und der blauen Drehlichter im Einsatz waren, wußte ich nicht. Gehörten vielleicht zu einer der Freiwilligen Feuerwehren.

    Leid tun mir beim Anblick dieser Bilder heut noch die Abbrändler, für die ein gewohnter, vielleicht sogar geliebter Lebensmodus von einem Tag auf den anderen für immer vorbei war. Manche scheinen auch kleine Heuböden für eine bescheidene Tierhaltung vorgesehen und ein Landleben ohne Bauernschaft geführt zu haben. Ich erinnere mich von diesem modus vivendi schon mehrfach gelesen zu haben. Daß von diesem engbebauten „Dorf“ überhaupt etwas übrig geblieben ist, war eine Meisterleistung der Feuerwehr.

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