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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Die Bürgermeister Von Inspruck (VIII.)

Die Bürgermeister von Inspruck (VIII.)

Josef Anton Neuner war vor seiner Amtszeit, es dürfte nun keine Überraschung mehr sein, Richter. Er war der fünfte Jurist in Folge, der das Amt bekleidete. Aus heutiger Sicht sind Juristen in der Politik natürlich nichts Ungewöhnliches, aber man muss bedenken, dass sich zuvor kein einziger Anwalt oder Richter unter den Bürgermeistern der Stadt fand. 1861 brachte mit dem Ende des Neoabsolutismus auch eine Veränderung für den Status der Gemeinden in der Monarchie. In der Folge der Revolution von 1848 hatte auch Innsbruck bereits ein eigenes Statut erhalten, es war aber schon kurz nach dem Silvesterpatent 1851 wieder aufgehoben worden. Nun trat es wieder in Kraft, womit die Bürgermeister nicht mehr ernannt, sondern wieder von einem Bürgerausschuss gewählt, der seinerseits nach dem Zensuswahlrecht gewählt worden war (seine Wahl musste allerdings weiterhin vom Kaiser bestätigt werden). In der Chronik des Innsbrucker Adressbuches von 1957 wurde ein Nachruf für Josef Anton Neuner zitiert (das Original konnte ich leider nicht ausfindig machen), in dem es hieß „der letzte Bürgermeister in der Zeit des Absolutismus und der Bevormundung der Gemeinde durch die Regierung; nichtsdestoweniger war sein Wirken innerhalb der damals engen Grenzen, die für den selbstständigen Wirkungskreis in der Stadtvertretung und des Magistrats gezogen waren, ein ersprießliches.“

Als erster constitutioneller Bürgermeister Innsbrucks wurde der Handelsmann Carl Adam (1821–1898) am 23. Januar vom Bürgerausschuss gewählt. Dass man Neuner auch schon damals nicht als Agenten des absolutistischen Staates gesehen hatte, zeigt, dass er mit ihm zum Vizebürgermeister gewählt wurde. Adam wurde am 23. März feierlich in sein Amt eingeschworen, am selben Tag wurde vom Bürgerausschuss eine Dankesschreiben an den Kaiser verfasst.  Adam war eines der Gründungsmitglieder als die Freiwillige Feuerwehr in Innsbruck 1857 ins Leben gerufen worden war. Unter seiner Ägide als Bürgermeister wurde die Mannschaft auf 40 Mann aufgestockt und 1864 eine neue Feuerwehr-Ordnung erlassen. Er war bis kurz vor seinem Tod Vorstand der Innsbrucker Sparkasse, ihm wurde sowohl von der Stadt die Ehrenbürgerschaft als auch vom Kaiser der Orden der Eiserenen Krone verliehen.

Anlässlich seines Abschieds aus der Politik wurde ihm von seinem Vizebürgermeister Martin Meyer (1821-1897) ein Dankesschreiben überreicht, welches von zahlreichen Bürgern der Stadt signiert worden war:

Hochgeehrter Herr Bürgermeister! Als Sie vor drei Jahren durch die einhellige Stimme der Bürger Innsbrucks zur obersten Leitung der kommunalen Angelegenheiten berufen wurden, setzten diese das Vertrauen in Sie, daß Sie dieses hochwichtige Amt mit allem Eifer für das wahre Wohl der Gemeinde, mit strenger Unparteilichkeit, und im Geiste der neuen freiheitlichen Institutionen bekleiden würden. Sie haben, Herr Bürgermeister, dieses Vertrauen nicht nur gerechtfertigt, Sie haben vielmehr die auf Sie gesetzten Hoffnungen weit übertroffen! Sie haben die Würde, die Unabhängigkeit der Gemeinde und deren materielle Wohlfahrt eifrig gewahrt und gefördert. Ihrer Anregung verdankt dieselbe das Emporblühen gemeinnütziger Anstalten, die Einführung zeitgemäßer Reformen auf allen ihren Gebieten; Sie haben allen Bürgern vorangeleuchtet durch opferwillige Ausdauer, durch ein lauteres humanes Benehmen, und durch ein unerschütterliches Festhalten an dem Staatsgrundgesetze vom Februar 1861 und dessen Principien. Zum tiefen Bedauern der Gefertigten, treten Sie, Herr Bürgermeister, von der so rühmlich geführten Leitung der Commune in das Privatleben zurück, und es erübrigt denselben nur, Ihnen für Ihre vielen Mühen und Opfer die volle Anerkennung und den wärmsten Dank auszusprechen, mit dem Wunsche, Ihre so ersprießliche Thätigkeit recht bald wieder den öffentlichen Angelegenheiten zugewendet zu sehen; möge Sie auch die Liebe und Hochachtung Ihrer Mitbürger, die Sie so sehr verdienen, und Ihr eigenes Bewußtsein, nur das Beste gewollt und gefördert zu haben, für so manche Unannehmlichkeit, für so manche unverdiente Kränkung, die sie eine derartige Stellung nur zu oft mit sich bringt, einigermaßen entschädigen. Genehmigen Sie, Herr Bürgermeister, die Versicherung unserer höchsten Achtung und festen Dankbarkeit.

(Liste zur 30jährigen Erinnerungsfeier an die Innsbrucker Stadtwehr im Jahre 1866. Innsbrucks Stadt- und Feuerwehr-Compagnie vom 30. Mai bis 30 August 1866. Hauptmann und Corps-Commandant Herr Carl Adam Hausbesitzer, Altbürgermeister, Ehrenbürger der Landeshauptstadt Innsbruck u., Gründer und Mitglied der Feuerwehr-Rettungsabtheilung im Jahre 1857 – Signatur VO-165)

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Vielleicht entstammt das Zitat von der 1957er-Adressbuch-Chronik ja nicht einem herkömmlichen Nachruf, sondern einer Berichterstattung der IN:
    https://anno.onb.ac.at/anno-suche/simple?query=%22Altb%C3%BCrgermeister%20Neuner%22~10&from=1&selectedFilters=place:Innsbruck&sort=date%20asc

    Sein Todestag war lt. Todesanzeige und Gräbersuche nicht der in der AB-Chronik angegebene 8. Mai 1885, sondern der 8. April 1885:
    https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=ibn&datum=18850409&query=%22Josef%22+%22Anton%22+%22Neuner%22&ref=anno-search&seite=11

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