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Die „Alte Post“ In Innsbruck

Die „Alte Post“ in Innsbruck

Die „Alte Post“ ist heute im Gedächtnis unserer Zeitgenossen wohl weitgehend verblasst. Wenn man allerdings ein Bild davon sieht, werden die Erinnerungen daran wieder lebendig. Obwohl das Gebäude architektonisch, wie auch historisch, sehr bemerkenswert war, wurde es im Jahr 1969 abgerissen und musste einem eingeschossigen Geschäftslokal weichen.

Erbaut wurde die „Alte Post“ im Zeitraum des ausgehenden 16. Jahrhunderts. Daraufhin kam es 1614 zur ersten schriftlichen Erwähnung in den Quellen im Zusammenhang mit dem Kauf des landesfürstlichen Kammer- oder Finanzbeamten Christoff Roschmann. Zuerst wurde es aufgrund seines Erbauers und Erstinhabers namens Lingg als „Linggische Behausung“ bezeichnet. Die Verbindung zwischen der Familie Roschmann und dem Haus kann allerdings nur als sporadisch bezeichnet werden, bis sie das Gebäude im Jahr 1780 endgültig verkaufte. Danach wechselte das Gebäude mehrmals die Besitzer.

1784 erwarb Graf Alexander von Thurn und Taxis das nördliche Nachbarhaus, weshalb es noch in diesem Jahr zum Einzug der Post in dieses Gebäude kam und dort auch bis 1907 bestehen blieb. Das hier zur Rede stehende Wohnhaus war seit 1838/56 stets in Besitz von Gastwirten, weshalb darin die Gastwirtschaft „Zur Post“ eingerichtet wurde (nachweisbar seit 1881). Als es 1907 zur Übersiedlung der Post in die Maximilianstraße kam, wurde der Name in „Zur Alten Post“ geändert.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde der rückwertige Anbau schwer von einer Bombe getroffen, das Haupthaus in Richtung Maria-Theresien-Straße blieb aber glücklicherweise unversehrt. Völlig zerstört wurde das Gebäude erst 24 Jahre nach Ende des Krieges durch das Einwirken anderer Kräfte.

(Stadtarchiv Innsbruck, Ph-5604)

Dieser Beitrag hat 26 Kommentare
  1. Das Titelbild zeigt das ehemals stattliche Gasthaus wohl zu Beginn der Abrissarbeiten im Jahre 1969. Der Dachstuhl ist bereits abgetragen. Die Baustelle ist akkurat eingezäunt.
    Um die Fassade mit ihren schönen Erkern samt Türmchen ist es doch ziemlich schade.

    Interessant ist auch, dass auf dem linken Erker des 2. Stocks kleine Porträt-Medaillons zu erkennen sind. Ob das etwa Tiroler Freiheitskämpfer oder Heilige sind, erscheint nicht ganz eindeutig zu erkennen.

  2. Flankiert von Fugger und Welsergasse. Links hinein ging es zum Friseurgeschäft Leeb, rechts waren – allerdings im südseitigen Neubau – der Bubentraum Kleinbahn und die Cowboybar Ponyalm für die etwas älteren und anders Träumenden. Jeans ungeschriebener Dresscode in der Bar. Es gab auch einen Juwelier und ein Geschäft mit Koffern aller Art. Am Landhausplatz, wieder zur Alten Post gehörig, vor dem Ruinenteil der Parkplatz der Fahrschule Mathoi.

    So zwei Jahre vor dem Abriss hatte ein Mitschüler von mir die Idee, im fast schon leer stehenden Haus einen Klassenklub zu gründen. Er hatte auch schon – jetzt nicht lachen – neben einer das Schlimmste verhindernden handschriftlichen Clubordnung den vielsagenden Namen „La Poupee“ vorgeschlagen. France Gall war damals gerade in aller Ohren und Hirnen. Leider wurde uns beschieden, daß man das Gebäude bald abreißen werde und deshalb..tut uns leid…nein, auch nicht für kurz.

    Das im Beitrag https://innsbruck-erinnert.at/ein-gebaeude-mit-geheimnissen/ von mir beschriebene Drama mit dem späteren Neubau und dessen abdunkelnder (und sommerkühler) Eigenschaft spielte sich damals wohl umgekehrt ab: Plötzlich Licht im düsteren Landhaus.

  3. Die Alte Post müsste doch auch auf diesem Rätsel-Bild vom 14. März 2021 zu sehen sein, oder irre ich mich? Weiß jemand von den ExpertInnen welches Gebäude es sein könnte?
    Und eine zweite Frage, die Herrn Hirsch damals auch schon beschäftigte: Um welches Gebäude handelt es sich bei dem Haus mit der speziellen Architektur (viereckiger Turm, „Wintergarten“ im OG, Blendfassade mit Erker)?

    https://innsbruck-erinnert.at/selten-in-farbe-ein-raetsel-mit-vielen-hinweisen/

      1. Vielen Dank für den Link, Herr Roilo! Ich glaube, ich konnte nun auch auf dem Aquarell von Hans Zötsch die Alte Post ausmachen. Der Maler stand wohl ebenfalls auf dem Hochhaus, denn sein Bild zeigt beinahe den selben Bereich des Landhausplatzes wie die Aufnahme des Fotografen Newesely. Allerdings war der Fotograf, so schätze ich, ca. 10 Jahre früher dort. Auf dem 2. und 3. Foto aus Ihrem Link ist auch das bis dato noch unbekannte Haus mit Turm aus 2 verschiedenen Perspektiven zu sehen – hatte ganz schön viele Kamine. Wenn man die Adresse wüsste … evtl. Salurnerstraße …

        1. Dieses unbekannte Haus muss Salurnerstraße 18 gewesen sein. Warum? Im Zötschgemälde https://innsbruck-erinnert.at/selten-in-farbe-ein-raetsel-mit-vielen-hinweisen/ weist die Tafel „Semperit Cord“ an den beiden länglichen Vorbauten auf eine Reifenfirma hin. Tatsächlich war hier laut dem Findbuch Innsbruck 1940 die Firma Rudolf Rebitzer angesiedelt – mit Adresse Salurnerstraße 18 eben! Eine Firma Reifen Rebitzer gab es bis 2004 in der Andechsstraße 67 (jetzt unter anderem Namen)!
          Auf Seite 290 des Findbuches 1940 https://www.findbuch.at/adressbuch-innsbruck-1940
          AUTO-BEREIFUNGEN
          Rebitzer Rud., SalurnerStr.18

          1. Wow, das ist ja ein toller Service: Adresse, Link, Schlagwort und Seitenangabe – nochmals merci Herr Roilo!
            Ich habe da übrigens gesehen, dass die Herren R. Rebitzer und R. Rebitzer jun. Pradler waren, oder zumindest dort ansässig. Aber das wussten Sie mit Sicherheit ohnenhin … 😉

          2. Nein, Frau Strolz, das wusste ich noch nicht! Danke! Habe natürlich sofort in diesem Findbuch nachgeschaut: Pradlerstraße 42 und Pembaurstraße 19 – also beides nicht weit weg, von dem Ort, wo ich aufgewachsen bin!
            Diese Findbücher sind schon praktisch – es gibt auch noch ein 1938er, in dem auch die damaligen Hausbesitzer aufscheinen!

          1. Es scheint derzeit alles zu verschwinden was einen Link außerhalb des Archivs beinhaltet, damit auch alle Leserfotos via postimages zB.

            Ich hätte eines von der Rückseite der alten Post gehabt, welches anläßlich einer Militärparade mit einherschreitendem Walli als Vordergrund in Richtung Hinterseite aufgenommen worden ist.

      2. Den Beitrag mit der „bombenzerstörten Rückseite“, den ich mir eingebildet habe, konnte ich bisher nicht finden. Dafür musste ich laut dem Bombenkataster (siehe weiter unten) feststellen, dass im Areal zwischen Fugger und Welsergasse überhaupt keine Bombe gefallen ist

  4. Die Freskos am Erker stellen in der Tat drei Tiroler Landesverteidiger aus der Zeit von 1809 dar. Die Porträts stammen vom bekannten Maler Raphael Thaler und wurden 1898 gemalt.
    Raphael Thaler hatte ja zu Pradl eine enge Verbindung, weil er dort sein Atelier hatte. Alle Pradl-Fans wissen natürlich wo und in welcher Straße!

  5. Vielen Dank für den Hinweis auf das Haus Pradler Straße 32, Herr Roilo!

    Zum Freskenschmuck des Raphael Thaler an der Alten Post berichten die Innsbrucker Nachrichten vom 8. Oktober 1898 sehr ausführlich:

    „(Decorationskunst.) Der rasch bekannt
    gewordene junge Maler Rafael Thaler aus Pradl
    hat durch ihm aufgetragene Ausschmückung des
    Erkers im Gasthaus zur Post hier abermals einen
    schönen Beweis seines Könnens und Geschmackes
    gebracht. Obgleich der Bau des alten Hauses
    keinen bestimmten Stil erkennen lässt und durch
    seine Charakterlosigkeit eine Ausschmückung er- ­
    schwerte, ist es dem talentvollen Maler doch gelungen,
    dem Hause durch den im deutschen Renaissance-
    Stil ausgeführten Schmuck einige Individualität
    zu verleihen. Die von zwei Säulen flankierten
    vier Felder unterhalb der Fenster des ersten
    Stockes zeigen in hübscher Anordnung auf einem
    verschlungenen Band den alten bekannten Reim
    „Aus altem Eisen sind ja noch etc.“ und in der
    Mitte das Wahrzeichen des Hauses, ein Posthorn
    auf goldigem Grunde. Die Felder zwischen dem
    1. und 2. Stocke zeigen die wohlgelungenen
    Portraits von Andreas Hofer, Speckbacher,
    Haspinger und Straub. Das dem Erker aufge-
    setzte Thürmchen thut nun auch so, als ob es etwas
    ganz besonderes wäre, und man glaubts ihm,
    weil’s unten auf dem Gemäuer des Erkers gar
    so farbenfroh hergeht und leuchtet.“

  6. Die Rückseite bietet den selben Anblick wie das spätere Foto aus Wallnöfers früher Amtszeit. Entweder gab es dort keinen Bombentreffer oder er beschränkte sich auf das niedere Gebäude, welches auf Grund der Spuren am kleinen Häuschen dort einmal gestanden sein muß. Das Aufnahmedatum wird mit 1940-45 sehr ungenau angegeben, mußn wegen der unbeschädigten Servitenkirche aber vor dem Bombenkrieg auf 40-43 eingeschränkt werden.

    1. Dieses Bild von ca. 1868 ist in der Tat sehr interessant. Auf diesem Foto sieht man nämlich, dass der Gasthof zur Post damals noch keine Stuckfassade hatte.

  7. Vielen herzlichen Dank, Herr Roilo, für dieses schöne Bild mit dem Haus Pradler Straße 15 samt historischer Gaslaterne. Das Bild ist so spannend, dass es bestimmt einen eigenen Beitrag wert wäre……….

    Sehr interessant sind natürlich die Bäckerei und die Gaslaterne. Von Interesse ist bestimmt auch das Reklameschild des Stukkateurs und Fassadenputzers Franz Cincelli, welcher in der Egerdachstraße 6 ansässig war.
    Laut den Innsbrucker Nachrichten feierten Franz Cincelli und seine Frau Verginia geb. Clementi im Jahre 1939 sogar die Goldene Hochzeit.

    1. Ja, Herr Auer, das glaube ich auch. Das Bild aus meinem Besitz habe ich schon vor Jahren Herrn Walter Kreutz übermittelt und später dem Stadtarchiv direkt!!
      Über Franz Cincelli später noch – ich muss jetzt schnell weg!

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