Die Bürgermeister von Inspruck (IV.)
Mit dem 17. Jahrhundert kennen wir nicht nur (fast) jeden der Bürgermeister, sondern auch ihre Berufe. Dabei fällt gleich auf, dass die Gastwirte der Stadt mit Abstand die meisten Bürgermeister stellten, stolze 13 der 35 in diesen hundert Jahren. Neun von ihnen waren Händler, der Rest Handwerker (speziell Goldschmiede, Sattler, Hutschmücker, Säckler und Buchdrucker) und Apotheker. Auf die meisten Amtszeiten brachte es der Sattler Augustin Tauscher, der zehnmal an der Spitze der Stadtverwaltung stand.
Wer das Amt des Bürgermeisters versah, musste einen gewissen Wohlstand aufweisen, denn wie viele politische Positionen der Neuzeit war es ein Ehrenamt. Es gab zwar kleine finanzielle Zuwendungen wie das Badgeld, das aber mit anderthalb Gulden pro Jahr eher symbolischer Natur war. Es kamen noch weitere ähnliche Zahlungen hinzu, die aber insgesamt nur ca. 10 Gulden pro Jahr ausmachten (zum Vergleich: Der Ratsdiener erhielt 60 Gulden pro Jahr). Dasselbe galt auch für die Ratsmitglieder, aus deren Reihen die Bürgermeister nahezu ausschließlich gewählt wurden.
Die Gastwirte, Händler und Handwerker, die im 17. Jahrhundert das Amt des Bürgermeisters versahen, stammten also aus den wohlhabenden Kreisen der Stadt. Dass dieses Ehrenamt aber auch von diesem Kreis manchmal eher als Bürde empfunden wurde, zeigt das erwähnte Verbot aus dem 15. Jahrhundert, sich von der Wahl „freizukaufen“. Aus Bruneck ist überliefert, dass es dort dem Bürgermeister nach seiner Amtszeit acht Jahre lang erlaubt war, eine erneute Wahl zu verweigern. Das war im Grunde nicht weiter verwunderlich, wenn man im Zusammenhang mit dem erwähnten symbolischen Gehalt die zahlreichen Verpflichtungen des Amtes bedenkt, die alles andere als nur symbolisch waren. Der Bürgermeister führte nicht nur den Vorsitz im Stadtrat, sondern auch in der Bürgerversammlung und dem Gerichtsbeisaß. Tagten gemischten Komissionen von Stadt und Landesregierung war er beteiligt, ebenso vertrat er die Stadt im Landtag. Er beaufisichtigte der Rechnungsberichte des Stadtkämmerers, des Almosenkassieres, des Oberbaumeisters, des Spitalsoberpflegers und der Kirchpröpste der Stadt. Zu diesen Aufgaben kam noch dazu, dass der Bürgermeister mehr oder weniger eine Ein-Mann-Meldebehörde darstellte. Er musste die Ansiedlung neuer Einwohner genehmigen und, seit dem Beginn der Gegenreformation, auch die regelmäßige Beichte und den Fleischkonsum der Bürger während der Fastenzeit kontrollieren. Verschiedenste Genehmigungen im Bereich des Gewerbes liefen ebenfalls über ihn, zum Beispiel mussten Metzeger um Erlaubnis des Bürgermeisters ansuchen, wenn sie ihre Produkte außerhalb der Stadt verkaufen wollten.
(Quittung ausgestellt von Philipp Kuprian, Goldschmied und Bürgermeister zu Innsbruck – mit sechs Amtszeiten war er einer der am öftesten wiederkehrenden Bürgermeister des Jahrhunderts, nur hinter dem erwähnten Augustin Tauscher und gleichauf mit dem Kaufmann Johann Paul Wolff. Signatur U-3260)
Ja, die „Beichtzettel“ – aber Sie kennen sicher alle die „Mär“, daß mancher Bräutigam einfach einen Dienstmann beichten geschickt habe … am Vorabend der Hochzeit …
… wodurch am folgenden Tage dem Segen des Pfarrers nichts mehr im Wege stand.
(Aber ob zur Zeit von Philip Kuprian auch schon diese Dienstleistung in Anspruch genommen wurde, weiß ich leider nicht)