Wie teuer ist der Krieg, wie billig der Friede
Diese sehr treffende Frage haben wir uns wohl alle schon einmal gestellt und stellen sie uns laufend wieder. Was für Anstrengungen im/für den Krieg angestellt wurden (man denke etwa an Eisenbahnen, Seilbahnen und Hochgebirgsstellungen im Ersten Weltkrieg) und was man mit diesen Mitteln im Frieden machen hätte können. Was für unsägliches menschliches Leid, Krieg brachte und bringt. Und wofür?
Auf dem obigen Plakat, das bei uns auf 1950 datiert ist, thematisiert die Österreichische Liga für die Vereinten Nationen neben den Kriegsopfern und den Zerstörungen auch die Kriegskosten. Die unglaubliche Summe der Kriegskosten von 810 Milliarden Dollar veranschaulicht sie dabei folgendermaßen:
„Für diese Summe könnte jeder Österreicher, Säugling und Greise eingerechnet, eine 10-Zimmervilla mit Bad, 2000 m² Garten und kompletter Einrichtung, mit jedem erdenklichem Komfort, ein amerikanisches Luxusauto, eine sechsmonatige Weltreise 1. Klasse, Garderobe für sein ganzes Leben und 1 Million Schilling in bar erhalten … „
Da könnte man fast ins Schwärmen kommen, abgesehen davon, dass es etwas unfair wäre, die gesamten weltweiten Kriegskosten des Weltkriegs allein auf die Österreicher:innen zu verteilen – das hätte wohl rasch den nächsten Krieg gegeben. Und von den Mathematik-Strebern hätte ich gerne gewusst, ob die 2000 m² Garten multipliziert mit der Gesamtbevölkerung Österreichs 1950 eigentlich innerhalb der Staatsgrenzen Platz gehabt hätten – ansonsten hätte das wohl zum nächsten Krieg geführt…
Aber diese scherzhaften Bemerkungen sollen keineswegs die Grundgedanken ins Lächerliche ziehen.
Die Österreichische Liga für die Vereinten Nationen wurde 1945 in unmittelbarem Zusammenhang mit den Vereinten Nationen als Schnittstelle zwischen der UNO und der österreichischen Bevölkerung gegründet. In den ersten Jahren des Bestehens warb sie mit einer Vielzahl von Aktivitäten vor allem für den Staatsvertrag und für Österreichs Beitritt zu den Vereinten Nationen. Beides erfolgte zum 10-Jährigen Jubiläum 1955.
„Die Organisation war von 1945 an“, so die wikipedia „mit unabhängigen Vereinen in mehreren Bundesländern vertreten“. In den Innsbrucker und Tiroler Nachrichten finden sich Treffer vor allem für die Jahre 1947 und 1948, als Radio Innsbruck die Sendung „Die Liga für vereinte Nationen spricht“ ausstrahlte. Im Jänner 1948 organisierte die lokale Liga einen Vortrag zu Freihäfen und Freihandelszonen und im April hielt die hiesige Hochschulsektion ihre Vollversammlung unter dem Vorsitz von Eduard Reut-Nicolussi ab. Interessanterweise findet meine schnelle Anno-Suche nur Treffer für die Jahre 1947/48, danach nichts mehr.
(Stadtarchiv Innsbruck, Pt-3001)