Josef Schwammberger (III.)
Nachdem Schwammberger das Kommando in Rozwadów übernommen hatte, begann er, einen Teil der ohnehin dürftigen Lebensmittelrationen auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen. Die Folgen des Hungers und der entsetzlichen hygienischen Bedingungen im Lager waren vorhersehbar. Zu den Toten durch Hunger und Krankheit kamen auch die Opfer direkten Mordes. Schwammberger, der stets mit Peitsche in der Hand durch das Lager stolzierte, erschoss regelmäßig unter den neuen Ankömmlingen willkürlich eine Person, um seine Machtposition zu demonstrieren. Ebenso erging es Häftlingen, die durch Peitschenhiebe oder Schläge arbeitsunfähig geworden waren. Einen der Morde, für den er 50 Jahre später verurteilt werden sollte, beging er am 21. September 1942, dem jüdischen Feiertag Yom Kippur. Er hatte erfahren, dass es sich bei einem der Insassen um einen Rabbiner handelte. Er ließ die Häftlinge nach der Arbeit erneut zum Appell antreten und erklärte dass der Rabbiner der Sabotage schuldig sei, weil er an diesem Tag nicht gearbeitet hätte (obwohl dies offensichtlich nicht der Fall gewesen war) und erschoss ihn vor den versammelten Häftlingen.
1943 wurde er nach Przemyśl versetzt. Dort kommandierte er das „Ghetto A“ für arbeitsfähige Gefangene. Schwammberger praktizierte auch hier sein Geschäftsmodell, einen Teil der Rationen zu unterschlagen und zu verkaufen, auch im Ghetto selbst. Wobei er die Perversion hinzufügte, Insassen zu erschießen, wenn sie ertappt wurden das Brot auf dem Schwarzmarkt zu kaufen, welches er dort veräußert hatte. Für drei dieser Morde wurde ebenfalls in seinem Prozess 1992 verurteilt (sowie für mehrere weitere willkürlich verübte Morde, welche Überlebende bezeugen konnten). Für das regelmäßige Erschiessen von Flüchtlingen wurde er wegen Beihilfe zum Mord verurteilt, da dies auf Befehl Scherners erfolgt sei. Zusätzlich erpresste er Geld und Wertgegenstände von den Gefangenen, beides ließ er zusammen mit zahlreichen Möbelstücken aus den Wohnungen deportierter Juden nach Innsbruck schaffen.
Im Februar 1944 wurde er schließlich als Leiter eines Außenlagers des KZ Plaszów ernannt, wo er seinen Terror fortsetzte. Kurz bevor die Rote Armee das Gebiet eroberte, kehrte er nach Krakau zurück und zog sich mit Truppen der Waffen-SS nach Deutschland zurück. In Hamburg erhielt er von einem Vorgesetzten falsche Papiere und machte sich auf den Weg nach Innsbruck. Dort kam er bei einer befreundeten Familie unter, bis er bei einer Kontrolle der Polizei am 20. Juli 1945 entlarvt wurde. Dabei wurde auch eine frische Wunde an seinem Arm festgestellt – an der Stelle, an der Angehörige des SS ihre Blutgruppe tätowiert hatten. Bei ihm und seiner Familie wurde Raubgut im heutigen Wert von etwa 300.000 Euro sichergestellt.
Schwammberger bestritt jedoch weiterhin vehement alle Anschuldigungen – sein erfundener Lebenslauf, der im ersten Artikel zitiert wurde, ist auf den 17. September 1946 datiert. Alle Opfer, die er tatsächlich ermordet habe, hätte er nur auf ausdrückliche Befehle von Vorgesetzten erschossen. Mehrere Überlebende aus den von Schwammberger kommandierten Lagern reisten nach Innsbruck, um gegen ihn aussagen zu können. 1947 wurde er schließlich an die französische Besatzungsbehörde übergeben.
(StAI NS-Registrierungsakten 239-883; Horst Schreiber: „Liebesverbrechen“, Zwangsarbeit und Massenmord. NS-Täter und Opfer in Tirol, Polen und der Sowjetunion, Innsbruck-Wien 2023, S. 97–129; Justiz und NS-Verbrechen, Bd. XLVIII, C. F. Rüter, D. W. de Mildt (Hrsg.), S. 258-351.)