Ein Flugzeug namens Tirol
Die Rundflugmaschine „Tirol“ war in diesem Blog schon mehrfach zu sehen (hier, hier oder auch hier). Wie einer knappen Notiz in den Innsbrucker Nachrichten zu entnehmen ist, sollte die „Taufe des Flugzeuges“ auf den Namen Tirol am Sonntag, den 7. März 1926, am „Flugplatze in der Reichenau“ über die Bühne gehen. Allderings spielte die Witterung nicht mit, weshalb die Feier schließlich um eine Woche verschoben werden musste.
Am 14. März 1926, einem angenehmen, wenn auch nicht strahlend schönem Sonntag, fanden sich zahlreiche Ehrengäste und Schaulustige beim Flughafen ein, um der Taufe beizuwohnen. Gekommen waren u.a. der Flugpionier Raoul Stoisavljevic (genannt der „kühnen Stoi“) und der Innsbrucker Bürgermeister Anton Eder. Die Ehre des ersten Fluges wurde dem Flughafendirektor Alfred von Eccher zu teil:
Um 10 Uhr vormittags stieg als Zeichen der tatsächlich stattfindenden Taufe, das neue Flugzeug unter Führung des Oberstleutnants Eccher auf und kreuzte in kühnen Wendungen und Schleifen über der Stadt. […] Kurz vor 11 Uhr wurde das neue Flugzeng ans dem Hangar zur Taufe vorgeführt. Es ist bekanntlich ein Doppeldecker der Udetwerke in München, in Gestalt und Bau dem berühmten Udet-Flugzeng ähnlich. Der hellrot gestrichene Rumpf trügt außer der Fabriksmarke den Namen „Tirol“ und die Flugzeugnummer D135; auf der einen Hälfte des Schwanzsteuers prangt der Tiroler Adler. Das Flugzeug, das 100 Pferdekräfte leistet, kostete 22.000 Mark und ist seiner Type nach mehr ein Sport- als ein Verkehrsflugzeug. Außer dem Steuerplatz, dessen Sitz in der Mitte des Rumpfes angebracht ist, enthält das Flugzeug nur einen Passagiersitz knapp vor dem Pilotensitz, beide Sitze sind frei, nicht wie bei den Verkehrsflugzeugen in geschlossenen Kabinen untergebracht. Das Flugzeug „Tirol“ soll in erster Linie zu Rundflügen über Innsbruck und seine nähere Umgebung dienen, außerdem aber auch als Sportflugzeug an der Erschließung der Tiroler Alpen für den modernen Luftverkehr wesentlichen und bahnbrechenden Anteil nehmen.
Punkt 11 Uhr vormittags nahm der Pfarrer von Pradl [J. Vinatzer] die kirchliche Einweihung des Flugzeuges vor, worauf Bürgermeister Dr. Eder namens der Tiroler Flugverkehrs-Gesellschaft das Wort ergriff. Er begrüßte die Gäste, namentlich die Patin Frau Landeshauptmann Dr. Stumpf, und erinnerte an die vor Jahresfrist durch die Initiative der Tiroler Flugverkehrsgesellschaft ermöglichte Eröffnung des Innsbrucker Flughafens, wodurch unser Land in den internationalen Flugverkehr einbezogen wurde. In voller Erkenntnis der internationalen Bedeutung des Flugverkehres lehnen wir den Kirchturmstandpunkt in der Flugfrage ab, ebenso versprechen wir uns nichts von dem rein innerösterresichischen Flugverkehr, sondern wissen, daß wir nur als Glied des groben, länderumspannenden, europäischen Flugnetzes unsere Bedeutung gewinnen und steigern können. Trotzdem ist uns die Gewißheit, dem deu tschen Flugverkehr als Stützpunkt zu dienen, ein besonders erhebendes Bewußtsein, und in diesem Sinne hat auch die Tiroler Flugverkehrsgesellschaft als erste Gesellschaft in Oesterreich sich ein eigenes Flugzeug bestellt, das den Namen Tirol auch im Luftverkehr mit Ehren tragen soll. Nach den besten Glückwünschen für die Zukunft des neuen Flugzeuges und dessen Piloten Obstlt. Eccher, bat Bürgermeister Dr. Eder die Frau Landeshauptmann, die Taufe vorzuuehmen. Frau Landeshauptmann Dr. Stumpf trat nun an das neue Flugzeug heran, vollzog mit den Worten: „Ich gebe dir den Namen „Tirol“, den du stets in Glück und Ehren tragen mögest.“
Nun erhob sich das neugetaufte Flugzeug, geführt von Obstlt. Eccher, und der Taufpatin als Passagier, zu einem kurzen Rundflug über Innsbruck, der, da sich die Bewölkung lichtete, einen herrlichen Rundblick über das nachwinterliche Innsbrucker Landschaftsbild bot. […]
Innsbrucker Nachrichten v. 15. März 1926, S. 7.

(Titelbild: StAI, RM-PL-397)