Erinnerung an die Brennerbahn – Nächster Halt Brennersee
Der Bahnhof Brennersee ist ein heute fast vergessenes Kapitel in der Geschichte der Brennerbahn – und zugleich ein spannendes Beispiel dafür, wie technische und politische Rahmenbedingungen den Eisenbahnbetrieb prägen können.
Seine Entstehung geht auf die Elektrifizierung der Brennerbahn zurück, die am 6. Oktober 1928 auf österreichischer Seite bis Innsbruck abgeschlossen wurde. Während dort das heute noch übliche Wechselstromsystem zum Einsatz kam, verfolgte Italien damals ein eigenes Konzept: ein Drehstromsystem mit 3600 Volt und zwei parallel geführten Fahrdrähten. Da die italienischen Staatsbahnen zunächst nicht bereit waren, den Bahnhof Brenner als gemeinsamen Grenzbahnhof mit zwei unterschiedlichen Stromsystemen auszustatten, musste eine pragmatische Lösung gefunden werden.

So entstand zwischen Herbst 1927 und Frühjahr 1928, nur wenige hundert Meter nördlich der Staatsgrenze, der Bahnhof Brennersee. Er übernahm ab Oktober 1928 eine zentrale Funktion: Hier endete der elektrisch betriebene Abschnitt aus Österreich, und für die kurze Weiterfahrt zum Bahnhof Brenner standen stets mehrere Dampflokomotiven bereit, die als Vorspann die Züge übernahmen. Gleichzeitig diente Brennersee als Grenzbahnhof, in dem Pass- und Zollkontrollen durchgeführt wurden.
Diese Situation blieb jedoch nicht von Dauer. Mit dem Umbau und der Erweiterung des Bahnhofs Brenner Anfang der 1930er-Jahre änderten sich die Voraussetzungen grundlegend. 1933 wurde dort ein Inselbahnsteig in Betrieb genommen, dessen Gleise bereits mit dem österreichischen Stromsystem elektrifiziert waren. Ein Jahr später, am 1. April 1934, war schließlich auch die durchgehende Elektrifizierung bis zum Brenner abgeschlossen.
Damit verlor der Bahnhof Brennersee seine ursprüngliche Funktion. Zwar war geplant, ihn vollständig aufzulassen und das Aufnahmegebäude in ein Wohnhaus umzuwandeln, doch blieb er als Haltestelle für Personenzüge bestehen. In den folgenden Jahrzehnten führte er ein eher unscheinbares Dasein und wurde zuletzt als unbesetzte Haltestelle der ÖBB geführt.
Eine neue, wenn auch ganz andere Bedeutung erhielt der Standort Ende der 1980er-Jahre: Südwestlich der Haltestelle entstand 1988/89 das Terminal Brennersee, das seit Dezember 1989 als Verladepunkt für die „Rollende Landstraße“ dient und damit Teil des alpenquerenden Güterverkehrs wurde.
Die Haltestelle selbst verlor hingegen zunehmend an Bedeutung. In ihren letzten Betriebsjahren wurde sie nur noch von wenigen Regionalzügen bedient. Mit dem Fahrplanwechsel am 9. Dezember 2007 endete schließlich der Personenverkehr endgültig.
Der unter Denkmalschutz stehende Bahnhof Brennersee bleibt damit ein stiller Zeuge einer Übergangszeit, in der technische Systeme, nationale Interessen und betriebliche Notwendigkeiten aufeinandertrafen und eine ebenso ungewöhnliche wie kurzlebige Lösung hervorbrachten.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum KR-PL-584, Ph-23988)
Danke für diese beeindruckenden Fotos und die mir bisher nicht bekannten Hintergrundinformationen.
Das italienische 15-Hz-Drehstromsystem mit rund 3600 Volt und zwei parallel geführten Fahrdrähten war für seine Zeit äußerst innovativ. Es ermöglichte bereits die Rekuperation, also die Rückspeisung von Energie beim Bremsen und bei Talfahrten. Eine vergleichbare Nutzung dieser Technik wurde im Bahnbetrieb erst mit moderner Leistungselektronik wieder möglich und wird seit gut 20 Jahren wieder breit eingesetzt.
Eingeführt wurde das System 1902 im Veltlin und blieb in Italien über viele Jahrzehnte in Betrieb; einzelne Strecken hielten sich sogar bis in die 1970er Jahre.
Die Südrampe der Brennerbahn wurde jedoch bereits 1936 auf das bis heute verwendete 3-kV-Gleichstromsystem umgestellt. Die aufwendige Oberleitung mit zwei Fahrdrähten sowie die nur eingeschränkt mögliche Geschwindigkeitsregelung – es gab nur 3 fixe Geschwindigkeiten – erwiesen sich langfristig als zu unpraktisch.
Ja, sehr interessante Infos sind das zur Haltestelle Brennersee. Das Aufnahmegebäude ist besonders gut gelungen und weist sehr schöne architektonische Details auf. Es wäre ein perfektes Vorbild für die Modelleisenbahn.
Das Bild 1 zeigt vermutlich eine E 89 spätere Reihe 1089 – der optische Unterschied befindet sich beim Mittelteil und am Wagenkasten – der offene Wagen (ein Om) hinter dem Begleitwagen trägt mE die Aufschrift „Deutsche Reichsbahn“.
Das Bild 2 zeigt eine Dampflok der Reihe 580 der BBÖ.
Auf Bild 1 das berühmte Grüne Krokodil? Blieb diese Bezeichnung lange erhalten? Oder wurden die 1089 irgendwann umgefärbt? Waren nicht die 1020 zu Beginn auch grün? Datierung ist natürlich schwierig, denn ich denke, auch ein paar Jährchen nach 45 könnte auf so manchem Wagen noch die Aufschrift Deutsche Reichsbahn gestanden haben. Leider ist auch die Uniform des Herrn unter den Bögen kaum zu erkennen.