Zum 1. Mai – zu neuem Leben…
Jährlich wiederkehrenden Feiertage regen dazu an, sich wiederkehrend mit ihnen zu beschäftigen. Solange Material vorhanden ist, was naturgemäß mit den Jahren schwieriger werden wird. Zumal solche Recherchen auch aufzeigen, wie lückenhaft die Überlieferung dazu bei uns im Archiv ist. Insbesondere auch was Fotos betrifft. Die Hälfte unsere Bildbestände stammt aus der NS-Zeit, mit der ich mich dieses Jahr eigentlich nicht beschäftigen will. Das Beispiel zeigt wieder einmal auf, dass vielfach gerade dann Material ins Archiv gelangt, wenn es schon sehr alt ist und/oder die es umgebenden Zeiten als historisch bedeutsam wahrgenommen werden (siehe auch der Erste Mai 1919), während in den unzähligen Jahren irgendwann dazwischen, 1967, 1973, 1985 etc., die Feiertage halt als jährlich wiederkehrendes Business as Usual erstens schon weniger dokumentiert und zweitens dann auch eher entsorgt werden.
Das heutige Titelbild wartet mit einem Transparent auf, wie man es für einen 1.-Mai-Umzug erwarten kann. „Zu neuem Leben durch den Sozialismus“ heißt es da. Auf zwei Aufnahmen aus der Serie (die bei uns 7 Fotos umfasst) wird hingegen harsche Kritik an der Besatzung geübt. „Heraus mit dem Staatsvertrag! Schluß mit der Kolonial-Sklaverei in Österreich!“ Solche Töne hätte ich jetzt eher im Umfeld des VdU erwartet. Andererseits passt natürlich die Agitation gegen eine „Unterdrückung“ durch die kapitalistischen Westmächte doch auch wieder ins sozialistische Wahlkampfbild. Ebenso die Forderung, dass sogenanntes „Deutsches Eigentum“ nicht Kriegsbeute sein solle sondern verstaatlichtes „Volkseigentum“ werden solle. Das deckt sich auch mit einem Zeitungsbericht zum 1. Mai 1949, als „Nationalrat Zechtl […] eine betont antikommunistische Rede hielt, in der er vor allem auch gegen die weitere Besetzung Österreichs und deren verheerende wirtschaftliche Folgen Stellung nahm.“


Womöglich handelt es sich sogar um die gleiche Veranstaltung? In der Datenbank sind die Bilder mit 1945 bis 1950 datiert, ich würde sie aber eher auf 1950 (oder 1949) bis 1954 ansetzen. Einerseits ist von Bombenzerstörungen nichts mehr zu sehen und andererseits drücken die zitierten Transparente eine derart starke Sehnsucht nach dem Staatsvertrag aus, der eher zu den letzten Jahren der Besatzungszeit passt.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-34248, Ph-34249, Ph-34250)
Ich glaub auch, dass alle Fotos im selben Jahr aufgenommen worden sind.
Es schaut auch auf allen drei Bildern die selbe Frau (damals das selbe Fräulein) aus dem Fenster, gleiche Frisur, gleiche Bluse. Und die Szenerie der aus den unteren Fenstern hervorquellenden weißgekleideten Teile des Personals ist zwar nicht ganz identisch, man es hatten wohl nicht alle Platz, aber im Gesamteindruck ist es doch dreimal dasselbe. https://postimg.cc/RN0MJTjR
Zum Datum ermitteln könnte vielleicht die moderne Parkplatztafel dienen. Die hat man wohl irgendwann mit der steigenden Mobilisierung aufgestellt.