Sprengung des Andreas Hofer Denkmals Teil 2
Heute folgt der zweite Teil über die Sprengung des Andreas Hofer Denkmals am 1. Oktober 1961. Wie auch im Ersten befasse ich mich ausschließlich mit der damaligen Berichterstattung in der Tiroler Tageszeitung.
Am zweiten Tag nach der Sprengung, es war der 3. Oktober 1961, verändert sich die Berichterstattung inhaltlich deutlich. Es geht mehr um die Fahndung nach den unbekannten Täter*innen. Zwar sind die Ermittlungen erst am Anfang, jedoch wurden die ersten Schuldzuweisungen schon geäußert:
„‚Wir stehen vor einem Abgrund der Bosheit‘, schreibt das Blatt [Anm.: Das Tagblatt der Südtiroler ‚Dolomiten‘] weiter. ‚In der Nacht, die dem Tag folgt, an dem der Wille zu diesem Aufbau verkündet wird, sprengen Unbekannte das Heiligtum der Tiroler in die Luft und lassen ein Indiz zurück, das die aufbauwilligen Männer – eben jener, die der Bombenterror zu einer Politik gegen den Bombenterror wachgerüttelt hat – als terroristische Schänder der Symbole Tirols anzeigen soll.‘ Diese Bemerkung bezieht sich auf den Fund einer Rasierklinge der Marke ‚Aufbau‘, der zu Berichten Anlaß gegeben hatte, wonach geprüft werde, ob der Anschlag mit der Bewegung ‚Aufbau‘ innerhalb der Südtiroler Volkspartei zusammenhänge.“
Interessant finde ich, dass im selben Artikel an einem besonderen Hinweis festgehalten wird. Es wurde eine Lederaktentasche gefunden, die laut der Zeitung wahrscheinlich gar nichts mit dem Attentat zu tun hat. Trotzdem wird die Tasche als Mittel verwendet, die Bevölkerung an der Suche nach den Täter*innen zu beteiligen. Egal ob sie ergebnisreich sein würde oder nicht: „Wer kennt diese braune Lederaktentasche?“, „Diese Aktentasche wurde vermutlich von einem Passanten vergessen und steht mit dem Anschlag auf das Andreas-Hofer-Denkmal wahrscheinlich in keinem Zusammenhang. Da aber die Polizei bei ihrer Arbeit den kleinsten Hinweis verfolgen muß, wird der Besitzer der Tasche gebeten, sich bei der Polizeidirektion Innsbruck zu melden.“
Am dritten Tag, stand der Transport der Statue zur Reparaturwerkstätte im Vordergrund. Hier fällt vor allem die plakative und politisierende Sprache auf: „Gestern Nachmittag wurde ‚Andreas Hofer‘ zum zweitenmal in Ketten abgeführt.“ „Solchermaßen gefesselt, hielt das Ebenbild des großen Nationalhelden traurigen Einzug in der Landeshauptstadt.“ „In der Werkstätte, in der sonst Glocken gegossen werden, wird das Standbild in ein Holzgerüst gehängt, wo der akademische Bildhauer Franz Roilo nach Abtrennung der Gliedmaßen neue Extremitäten in Gips anfertigen wird, nach deren Muster später die „Ersatzteile“ gegossen werden.“ Die Reparaturarbeiten sind auch auf unserem heutigen Titelbild zu sehen.
Nach dem Transport ging es schließlich am fünften Tag, mit den Trauerbekundungen weiter. Diese wurden von hochrangigen Politikern ausgesprochen. Besonderes Gewicht liegt hierbei auf der politischen und symbolischen Geste vom Niederlegen eines (Trauer-)Kranzes: „Landeshauptmann Dr. Tschiggfrey legte gestern nachmittag in Begleitung von Landesamtsdirektorstellvertreter Hofrat Dr. Bachmann am Bergisel bei dem durch den Sprengstoffanschlag schwer beschädigten Denkmal Andreas Hofers einen Kranz des Landes Tirol nieder.“
Der Wunsch, die Täter*innen möglichst schnell zu finden und zur Verantwortung zu ziehen war scheinbar sehr groß. Das geht aus einer Überschrift vom 7. Oktober hervor. Sie lautet: „Aufsehenerregende Verhaftung in Innsbruck“ Die Unterüberschrift jedoch stellte sofort klar, dass es sich hierbei nicht um die Täter*innen der Sprengung handelte: „Verhaftung steht nicht im Zusammenhang mit dem Sprengstoffanschlag auf dem Bergisel“ Offenbar war die öffentliche Aufmerksamkeit noch so sehr auf den Anschlag gerichtet, dass verhindert werden sollte, dass die Verhaftung mit der Statue des Andreas Hofer in Verbindung gebracht wurde.
(Stadtarchiv/ Stadtmuseum Innsbruck, Frischauf-Foto, FR-NE-0064-6)
Im Februar 1959 war in Trient dieses CESARE BATTISTI DENKMAL morgens in die Luft gesprengt worden. An genau jenem Morgen, an weelchem ich in Innsbruck den Zug bestiegen hatte, um bei der Herkunftsfamilie meiner Nonna einen Besuch abzustatten.
Leider verpaßte ich den Anschlußbus vom Bahnhof nach Vezzano und kam erst später an.
Sie werden es mir nicht glauben – aber ich wurde tatsächlich mehr als nur mißtrauisch angesehen… Ich mußte zu den Carabinieri ins Büro…
Zum Glück konnte ich noch schildern,
daß auf der Fahrt zwischen Franzensfeste und Bozen einige Burschen aus dem Pfunderertal im Abteil gesessen seien, die sich mit dem bereits dort befindlichen geistlichen Herrn unterhalten hätten. Sie kannten ihn – er war vor einigen Jahren ihr Pfarrer gewesen, und
daß ab Bozen ein italienischer Herr ins Abteil zugestiegen sei, der erzählte, er sei ebenfalls Postbeamter und habe zwei Töchter.
„Wissen Sie vielleicht, wie dieser Herr geheißen hat?“ wurde ich gefragt.
„Nein!“ gab ich zur Antwort, „aber der geistliche Herr hieß Rieger!“
„Und woher wissen Sie das?“
„Weil ich eine Mitschülerin desselben Namens hatte. Deshalb habe ich mir den Namen gemerkt“
Und so bekam ich meinen Paß zurück.
Nein, ist nicht angenehm, mit 20 Jahren der Bombenlegung und des Terrors verdächtigt zu werden.
Warum ich das erzähle? Noch dazu an dieser Stelle?
Ja, weil doch die Sprengung Andreas Hofers als „Revanche“ für das nach wie vor ungeklärte Attentat auf das Cesare Battisti Denkmal angesehen wurde…!