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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Quod Licet Bovi? (II.)

Quod licet bovi? (II.)

Am 13. Juli 1910 hielten die Deutschliberalen, angeführt vom damaligen Bürgermeister Wilhelm Greil, eine Versammlung im Adambräu ab. Thema war nicht nur die im letzten Artikel beschriebene Fleischteuerung, sondern der „Lebensmittelwucher“ im Allgemeinen. Wie auch alle zeitgenössischen Zeitungsartikel begann die Veranstaltung mit Fingerzeigen, wer an dem Problem schuld sei oder sich nicht darum kümmere. Die Veranstaltung war wie erwähnt von den Deutschliberalen organisiert, überwiegend besucht wurde sie jedoch von Sozialdemokraten, die auch noch früher ankamen, weshalb viele Deutschliberale vor den überfüllten Räumen des Adambräus wieder umdrehen mussten. Die Versammlung wählte den Redakteur der Volks-Zeitung Martin Rappoldi zum Vorsitzenden, der zufrieden feststellte, dass die Sozialdemokraten in ihrem Kampf um leistbare Lebensmittel nun wohl nicht allein seien. Dies wurde seitens der Deutschliberalen mit verärgerten Zwischenrufen kommentiert, die insistierten, dass diese Angelegenheit niemals ein Monopol der Sozialdemokratie gewesen sei. 

Aber nach den politischen Plänkeleien widmete man sich dem Thema. Grund für die unerhörte Teuerung sei, so der erste Redner, Ing. Heinrich Suske, die Zollpolitik, die Exporte begünstigte, aber immer höhere Zölle auf Importe festlegte. Die Zahl der Rinder war somit von 44 pro 1.000 Einwohner im Jahr 1857 bis zur Jahrhundertwende auf 36 gesunken (am Rande – schätzen Sie, wie hoch diese Zahl heute ist, bevor sie nachsehen). Die klare Forderung müsse also sein, die Grenzen für den Import zu öffnen, und für den Export zu schließen.

Ebenso betonte Suske, dass Hetze gegen die Bauern unangebracht sei, da nur ein sehr kleiner Teil, Großgrundbesitzer mit beachtlichem Viehbestand, wirklich von der Lage profitiere, während die Mehrheit, die kaum über den Eigenbedarf hinaus wirtschafte, nichts davon hätte. Er beendete seine Rede mit einem Appell an die Sozialdemokraten, mit den Deutschliberalen zusammenzuarbeiten, da man in „freiheitlichen und wirtschaftlichen Fragen“ oft dieselben Ziele habe und nur so etwas zu erreichen sei, was von dem – ja schließlich überwiegend sozialdemokratischen – Publikum mit brausendem Applaus beantwortet wurde.

(Signatur Ph-22795)

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