Map Stories: #tirol atlas – ein Metterschling
Menschen verschiedener Generationen kann man anhand bestimmter kultureller Prägungen kategorisieren, die recht unterschiedlich sind – vom bevorzugten Formel-1-Team über die Fernsehsportart bis zu den Musikgeschmäckern, da ist viel Raum für die Alltagskulturforschung. Eine klare Bruchlinie geht durch die Bevölkerungsteile, in deren Kinderzimmern der 1970-er Jahre das „Sprachbastelbuch“ herumgelegen ist und solchen, die ohne diesen Quell der Wortbildungslust auskommen hatten müssen. Das Buch wurde von einem Team unter Mitwirkung der Legenden Christine Nöstlinger und Mira Lobe zusammengestellt Zwei einfache Tests schlagen bei allen infizierten 55+ Menschen an: Da war einerseits das ABC der Schimpfwörter, das auf jedem Schulhof hinauf und hinunter lief:
Du Abgetakelter Aprilscherz …
Du Chronisches Chamäleon …
Du Minimale Mammutmaus …
bis
… Du Zittriger Zebrastreifen
waren alle Schimpfwortspiele doch irgendwie schön harmlos und führten zu keinen großen Kränkungen oder Hausarresten, wenn sie einem beim Familientisch auskamen.
Der zweite Teil war eine Anspielung auf die französiche Sprachbastlerei Verlan, bei der Silben und Anfangsbuchstaben so lange verdreht werden, bis man sich nicht mehr sicher ist ob ein Tisch wirklich ein Tisch ist. Wenn nun in Gegenwart eines solcherart geprägten Menschen das Wort Schmetterling vorkommt und G“t bewahre auch noch mit blauen Flügeln, dann rattert das Kleinhirn verlässlich diese Zeilen auf:
Ein Metterschling
mit flauen Blügeln
log durch die Fluft.
Er war einem Computer entnommen,
dem war was durcheinandergekommen,
irgendein Drähtchen
irgendein Rädchen.
Und als man es merkte da war’s schon zu spätchen,
da war der Metterschling schon feit wort,
wanz geit.
mir lut er teid.
Bildbeilage: Der Tirol Atlas auf der Suche nach der richtigen Bezeichnung der Schmetterlings im Alpenraum (hier auch interaktiv)