Der Insta-Maxl am Wiltener Capitan
Ein Foto ohne Autor und Datum aus der Sammlung von Markus Wilhelm zeigt einen waghalsigen jungen Mann bei der ersten Durchsteigung eines Wiltenberger Schröfleins ohne Sauerstoff in der Zwischenkriegszeit. Weil der Himalaya und der Yosemite schwer zu erreichen waren in jenen Jahren, musste das Sportfoto wirkungsvoll an einem stadtnahen Zacken entstehen.
Natürlich gibt es dort oben in der Nähe des Ballerparks für Paintpazifisten ein paar drei bis vier Meter hohe Vertikalen. Sie sind namenlos, weil sie keiner kannte und sie heute, so sie den Bau der Südtangente überstanden haben, in dieselbe einbetoniert sind.
Die Kunst des Zwischenkriegszeit-Influencers bestand darin, die Perspektive so zu wählen, dass im Auge von Ortunkundingen oder eiligen Betrachter:innen der Eindruck entsteht, dass hier, nach jahrelanger Vorbereitung und geduldigem Warten auf bessere Wetter eine Kletterhöchstleistung stattfindet. Man muss, wie der Autor dieser Zeilen in jungen Jahren, gar kein nicht furchtloser Bezwinger der schwierigsten Vierer- und Fünfer-Routen des Höttinger Steinbruches sein, um zu bemerken, dass sich der Protagonist definitiv abseilt. Also kein Grund, den Atem anzuhalten, obwohl man sich auch bei solchen Kunststücken ordentlich weh tun kann.
Der Rest des Bildes besteht aus Hintergrund, in dem Wiltenforschende unschwer die Treichl-Villa zu erkennen, da man schnurgerade in die Fritz-Pregl-Straße (damals Friedhofsstraße) schaut könnte man den Aufnahmeort vielleicht sogar triangulieren.
Was war nun zuerst da: Der Fels oder der Mensch? Die Eitelkeit oder der Spaß am Lazi machen? Mir erscheint es naheliegend, dass diese Aufnahme den hier, hier und hier gezeigten Vorbildern nachgestellt ist. Schade für den Klettermax, dass Insta erst später erfunden wurde.
Noch eine andere Version: https://postimg.cc/G4Qh2nhs
welche 1911 verschickt wurde! https://postimg.cc/9wZcHvnz
(zu kaufen bei Akpool)
Schneidiger Bursch. Klettert der da in Socken oder sein des Wiltener Bergschuach ?
An den Felsen kann ich mich erinnern, bin da als Kind mehrmals mit meiner Tante daran vorbeigegangen auf einem Weg, der von der ersten Kurve der Brennerstraße Richtung Husslhof führte. Der Weg war am Anfang mit einem Eisengeländer gegen Absturz gesichert, Reste davon sind noch vorhanden. Jetzt ist der Weg total verwachsen, ich wollte nämlich einmal schauen, ob der Felsen noch existiert. Möglicherweise ist er dem Autobahnbau zum Opfer gefallen. Der Felsen war mit Kletterhaken versehen und wurde offenbar häufig erstiegen, gesagt hat man damals, dass man am „Bismarck“, so hat man den „Capitan“ damals genannt, klettern war.
Ja, gell, der Steig direkt von der Peterlongokurve westwärts… „Da kammat ma zum Felsnkeller – aber den gibts scho lang nimmer…!“
Und abgesperrt
1) wegen „Absturzgefahr“ und
2) wegen „mißbräuchlicher Verwendung“ – womit wir wieder beim Mangel an Sanitäreinrichtungen anstreifen.
Das sind verm. die Schrofen rund ums Retterschlössel