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Innsbruck Gibt Erdgas! Teil I

Innsbruck gibt Erdgas! Teil I

Durch das Foto im letzten Beitrag bin ich sprichwörtlich in die Thematik „Gasversorgung von Innsbruck“ eingetaucht, und obschon es zu diesem Thema bereits drei Beiträge hier bei „Innsbruck erinnert sich“ gegeben hat, möchte ich nun unsere LeserInnen nochmal mitnehmen auf eine Reise runter in den „Kaninchenbau“.

Begonnen hat die Innsbrucker Gasgeschichte im Jahr 1859 mit der Errichtung des ersten Gaswerkes beim heutigen Rapoldipark. Das dabei verwendete Gas war aber noch kein Erdgas, sondern das sogenannte Stadtgas bzw. Leuchtgas, das mittels Vergasung von Holz bzw. Kohle hergestellt wurde. Betrieben wurden damit zuerst Gaslampen und später immer öfter Gasherde oder Thermen.

Umladen der Kohlen auf Fuhrwerke für das Gaswerk 1936.
Arbeiten im Gaswerk 1936.

Das Gaswerk im Rapoldipark wurde 1974 geschlossen, nicht zuletzt wegen der nicht mehr zeitgemäßen Verbrennung von Kohle mitten in der Stadt. Das Titelfoto zeigt das Areal kurz vor dem Abriss der Anlage.

Sprengung des Schlotes, 1976.

Stattdessen wurde am Sillzwickel ein neues Gaswerk gebaut, welches am 18. November 1974 feierlich eröffnet wurde.

Modell des neuen Gaswerkes.
Bauarbeiten zum neuen Gaswerk, Juli 1974.

In diesem Werk kam aber kein Gas aus der thermischen Verwertung von Kohle zur Anwendung, sondern es handelte sich um eine Flüssiggasluftmischanlage auf Propan/Butan Basis. Das Gas wurde bei der Treibstofferzeugung gewonnen, ein langjähriger Vertrag mit der österreichischen Erdölverwaltung garantierte die Sicherheit des Betriebes. Gasspeicher wie im Rapoldipark waren deshalb nicht mehr von Nöten, es mussten aber über 11.000 Gasgeräte in den Haushalten an das neue Gas angepasst werden. Eine Frage hat sich ihrer Beantwortung aber zunächst entzogen: Wie wurde das Gas nach Innsbruck gebracht? War das damals auch schon eine Pipeline? Vielleicht kann mich da ja eine „wissende“ Person erleuchten. Die weitere Geschichte zum Erdgas erzählt Teil II.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-23245, Ph-A-5-012, Ph-A-5-017, Ph-16105-3, Ph-12523_2, Ph-12463_3)

Dieser Beitrag hat 26 Kommentare
      1. Aha – jetzt hat es bei mir gezündet und ich habe jetzt auch den Text von Herrn Herbst durchgelesen: Sie meinten das „Schlachthofgleis“! „Neues Gaswerk“ ist nun bei mir auch klar!

      2. Ich war gestern abends so erfreut über diesen Beitrag, schließlich bin ich ja unmittelbar neben dem Gaswerk aufgewachsen! Zuerst betrachtete ich nur die ersten beiden Bilder und dachte mir dabei: Eigentlich schon komisch, dass es nie einen Gleisanschluss zum Gaswerk gegeben hat. Dann schaute ich, ob schon irgendwelche Kommentare vorhanden sind und sah den von Herrn Schönherr! Deshalb meine Frage! Dass es dazwischen noch weitere Bilder und einen Text von Herrn Herbst gab, bemerkte ich erst nachher!

  1. Herrn Schönher das Bahngleis war für die Abladung der Tiere beim Schlachthof und ging nicht auf das Gelände des Gaswerkes, sondern endete davor. Als Kinder waren wir natürlich immer dabei, wenn div. Tiere (Kühe, Stiere, Schweine) zum Schlachten gebracht wurden.

    1. Herr Hauser wie sie richtig schrieben, endete das Bahngleis, nachdem es die Erzherzog-Eugen-Straße querte, beim Schlachthof
      und nicht beim neuen Gaswerk.

      1. Theoretisch hätte man, wenn man die Bahn mitspielen lassen will, einen Tankwagen mit dem Straßenroller anliefern können. Vielleicht hat man auch am Bahnhof in einen Flüssiggastransporter umgefüllt. Wobei Flüssiggas und Erdgas zwei verschiedene Dinge sind.

        Gibts irgendwo in Österreich den Straßenroller noch? Die kurzen zweiachsigen Güter und Tankwagen, die draufgepaßt haben, sieht man immer seltener.

  2. Am Modell ist der Bahnanschluss erkennbar, am letzten Bild sieht man rechts unten einen Prellbock. Es scheint eher unwahrscheinlich, dass das nur ein Baustellengleis war.

    1. … und das am Tor rechts neben dem Verkehrsschild „Halten und Parken verboten“ montierte Eisenbahnsignal „Weiterfahrt verboten“ bedeutet, dass die Gleisanlagen bis hinter das Tor und damit auf das Gelände des Gaswerkes reichten.

    2. Ich hatte bereits versucht, das zu posten, aber das ist leider ins digitale Nirwana verschwunden. Deshalb noch ein Versuch, diesmal poste ich die Bilder-Links extra.

      Am 2. März 2013 sah das dort so aus:

      1. Okay, ich geb’s nach mehreren Versuchen auf, die Bilderlinks zu posten, so viel Zeit habe ich einfach nicht. Die Postings verschwinden einfach ohne irgendeine Fehlermeldung.

  3. Weil Herr Hirsch weiter oben vom Straßenroller sprach, also von Tiefladern, mit denen ganze Eisenbahnwaggons auf der Straße transportiert werden können: Ich weiß nun nicht, ob es die noch gibt bzw. ob damit jemals Flüssiggas zum neuen Gaswerk geliefert wurde. Sicher ist aber, dass zum Pradler (alten) Gaswerk zumindest in den letzten Jahren vor der Schließung die Kohle in dieser Art angeliefert wurde – auf dem kurzen Weg vom Frachtenbahnhof über die Amraserstraße und Gaswerk- (Friedens) brücke durch das Haupttor zum Gaswerk zwischen Hallenbad und Rapoldipark. Sie wurde im Bereich der Kranbahn (die gebogene Stahlbetonkonstruktion im Titelbild) abgeladen und mit Kran und Greifer in die Aufzugkübel zu den Öfen geschüttet. Das mühsame Umladen von den Waggons auf Fuhrwerke – wie im zweitem Bild ersichtlich – entfiel somit.
    Während der Bauarbeiten an der Gaswerkbrücke (um 1962 glaube ich) wurde der Transport über König-Laurin-Alle – Dreiheiligenstraße -Pradlerstraße durchgeführt.

  4. Vielleicht noch etwas zum neuem Gaswerk: Ich bin nun nicht die von Herrn Herbst gesuchte ‚wissende‘ Person – die hat sich leider noch nicht gemeldet. Aber ich will nun einige Sachen behaupten, damit diese Person dann Gelegenheit hat, mich auszubessern!
    Flüssiggas wird in Behältern angeliefert. Möglich ist, dass wegen des vorhandenen „Schlachthofgleises“ an Kesselwaggons, also per Bahn, gedacht oder der Antransport auch so durchgeführt wurde – vielleicht wurde die Anlage sogar gerade deshalb dorthin gebaut! Aber die Erhaltung des Gleisanschlusses (wer benützte ihn sonst noch?), die schwierige Abwicklung des Bahnverkehrs (Straßenkreuzungen) und die Verbilligung des Straßentransports wird ein Umdenken notwendig gemacht haben.
    Das seit 1991 verwendete Erdgas kommt über Rohrleitungen zur Anlage. Ich glaube, es ist gar nicht mehr richtig, wenn man von einem ‚Gaswerk‘ spricht. Es handelt sich wohl nur mehr um eine Verteiler- und Regleranlage, die Kugel ist lediglich ein zusätzlicher Speicher.
    Ich glaube auch zu wissen, dass die Anpassung von über 11.000 Gasgeräten 1991 notwendig war, also bei der Umstellung von Flüssiggas auf Erdgas.

  5. Nun möchte ich nochmals zum alten Gaswerk zurückkommen oder besser zum Titelbild dieses Beitrages – für mich ein Wahnsinn. Ich habe ja schon oben angemerkt, dass ich in unmittelbarer Nachbarschaft aufgewachsen bin.
    Immer wieder schaue ich mir das Foto an!
    Auf diesem Bild habe ich inzwischen vier Sperrzonen mitten in Innsbruck ausgemacht, die durch Zäune, Mauern und Gewässer umgrenzt waren und für uns tabu waren: Das gesamte Gaswerk, das Areal der Rhombergfabrik, die FKK Anlage am Dach des Hallenbades und die Ferrarischule!!
    Interessant auch, wie man beim Gaswerk die ganze Entwicklung der Gaserzeugung mitverfolgen kann, die verschiedenen Objekte aus verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichem Stand der Technik. Schade, dass sich bis jetzt niemand mit dieser für Innsbruck so wichtigen Anlage näher befasst hat!

  6. Mit zweitägiger Unterbrechung – leider ohne irgendwelche Reaktionen anderer Pradler – setze ich meine Selbstgespräche fort und konzentriere mich auf das kleine Eckstückl eines Weges ganz rechts im Titelbild. Wie viele Innsbrucker kennen etwa den Namen dieses Weges? Vielleicht heutzutage doch mehr, weil in den letzten Jahren eine ziemliche Verbauung stattfand und hier entlang auch der Radweg von Pradl in die Stadt durch den Stadtpark führt.

    Obwohl ich am Beginn dieses Weges in der Pradlerstraße aufwuchs, wussten wir lange überhaupt nicht, dass er Furterzaunweg hieß! Es gab keine Straßentafel, aber auch keine Hausnummer mit diesem Straßennamen. Die Villa des Busunternehmers Leo Bayr inmitten des großen Grundstückes mit den Garagen der Stubaital-Buslinie und die dahinterliegende Zimmerei Auer waren noch Pradlerstraße 18, die Pradler Volksschule (heutige Leitgebschule) und die Gaswerkhäuser (alles am rechten Bildrand sichtbar) am Ende des Weges hatten alle schon Pradlerplatz-Nummern.
    Bis 1941 war der Eingang in diesen Weg noch durch die Mariahilfkapelle versperrt (siehe Beitrag https://innsbruck-erinnert.at/eine-besondere-kleine-kapelle/ ). Schnell dahinter lag das Pradler Feuerwehrhaus.
    Den Nordrand des Weges bildete bis zum Beginn der Verbauung der Bayrgründe eine Mauer, noch früher war es ein Zaun, der die Felder der Pradler Bauern von den Weideflächen abgrenzte – deshalb das ‚Zaun‘ im Wegnamen. Und warum das ‚Furt‘? Der Weg führte zur Furt im alten Sillbett, das ja hier einen Bogen machte (Verlauf der heutigen Amraserstraße – König Laurin Allee)

  7. Der Verlauf des Zaunes bzw. dieser ausgeprägten Grundgrenze ist in verschiedenen historischen Karten gut ersichtlich – z.B. im franziszeischen Kataster.
    In diesem Plan aus der Zeit nach der Begradigung des Silllaufes ist auch eine Brücke eingetragen, welche eine betriebsinterne Verbindung der Rhomberg’schen Spinnfabrik mit den am Pradler Ufer gebauten und heute noch bestehenden Arbeiterwohnhäusern in der Schmiedgasse darstellt.

    1. Zu dieser Brücke ist noch zu sagen, dass diese in den Luftbildern aus 1951 noch zu sehen ist, in denen aus 1955 nicht mehr! Möglicherweise wurde sie durch Hochwasser beschädigt und nicht mehr wiedererrichtet (??)

    2. Auch der Baulinienplan aus dem Jahre 1903 im Beitrag https://innsbruck-erinnert.at/prato-fuer-daheimgebliebene/ zeigt diese markante Grenzlinie nördlich der alten Pradlerkirche.
      Auf diesem Plan sieht man auch, wie klein die Spinnfabrik Herburger & Rhomberg damals noch war und wie groß die Fläche war, die von der Stadt Innsbruck dieser Firma (auf Kosten von Pradl) zugesprochen wurde. Der kürzeste Weg der Pradler zur Stadt und zum Bahnhof wurde dadurch für viele Jahre unterbunden und es ist interessant auf diesem Plan zu sehen, dass damals schon eine Änderung geplant war.
      Schon zu diesem Zeitpunkt hatte Herburger&Rhomberg die Fühler nach Pradl ausgestreckt: Die Personalhäuser in der Schmiedgasse standen schon, drei Blöcke in der Gaswerkstraße ebenfalls. Diese Häuser waren somit der Beginn der Ausweitung des Dorfes Pradl zum heutigen größten Stadtteil von Innsbruck.

    3. Diese zwei Rhomberghäuser haben heute die Hausnummer Schmiedgasse 12 und 12 a, früher hatten sie laut „innsbruckerinnen.at“ Pradl 3 und 4 und werden 1902 das erste Mal genannt.
      Die Schmiedgasse beginnt beim Pradlerbrunnen bzw. beim ehemaligen Villerbauer (Pradlerstraße 14), führt vorerst in Richtung Sill, dann der Sill entlang (heutiger Radweg) zurück zur Pradlerstraße bzw. zum Brückenplatzl.
      Für uns Buben war die ganze Gegend tabu, gab es doch schnell hinterm Villerbauer ein Gatter und eine Tafel mit der Aufschrift Privatweg! Von daheim aus wurde uns auch allerlei Böses erzählt, über die „Fabrikeler“ im Allgemeinen und über die „Roten“ im Speziellen (dies nicht nur, weil die Häuser rot gestrichen waren) – im Wald entlang der Sill sei auch schon allerlei passiert! Jedenfalls machte ich als Bub nie die ganze „Schmiedgassenrunde“, obwohl wir sonst beim Räuber und Schandispielen durch halb Pradl kamen. So wusste ich auch gar nicht, dass am anderen Ende der Schmiedgasse schnell nach der alten Pradler Brücke hinterm Brückenwirt auch eine derartige Absperrung war, die man im Beitrag https://innsbruck-erinnert.at/ein-mal-gehts-noch-mit-den-augen-des-unbekannten-fotografen-xxxi/comment-page-1/#comment-6844 gut sehen kann.
      Nur einmal machte ich Bekanntschaft mit dem Haus 12 a – beim Nachtangriff auf Innsbruck! Dieses Haus war ja eines der wenigen soliden Gebäude in Altpradl in dieser Zeit und hatte deshalb einen öffentlichen Luftschutzkeller – dem nächstgelegenen von unserem Haus aus. Normalerweise war ja im Frühjahr 1945, in dem fast jeden Tag gegen Mittag Fliegeralarm war und wir keine Schule mehr hatten, mein Aufenthaltsort bei den Heimgartlstollen übern Inn drüben. Aber bei diesem Gottseidank einzigen Nachtangriff auf Innsbruck gab es zu spät Alarm, als wir aus dem Haus rannten, empfingen uns schon die „Christbäume“, alles war hell erleuchtet! Kaum waren wir mit vielen anderen im Keller des Hauses 12a hörte man das Sausen, dann das Krachen der Bomben – dann Stille, außer Gejammere und Weinen. Zufällig war auch der alte Villerbauer bei uns, der wagte sich als erster hinaus, lange vor der Entwarnung, er wollte nach seinen Vieh schauen. Bald kam er wieder zurück: Beim Gaswerk brennt es und beim Roilo drüben schaut es schlimm aus!
      Dann endlich Entwarnung – was werden wir nun zu sehen bekommen? Aber wir hatten Glück – eine 250 kg Bombe war in unserem Hof gefallen, genau zwischen unsere Häuser. Ein riesiges Loch, Material bis zum ersten Stock, der halbe Garten lag im Haus, alle Fensterscheiben kaputt, Risse im ganzen Haus. Beim Pichlerhaus auf Egerdachstraße 2 fehlte die Außenwand des ersten Stockes! Auch der Brand war glücklicherweise nicht im Gaswerk, sondern in der Zimmerei des Georg Auer am Furterzaunweg.

  8. Den Saligen-Fräulein-Brunnen im Rapoldipark kann man auf der Aufnahme gut erkennen. 1958 wurde dieser aufgestellt. Das wäre schon mal einen Anhaltspunkt zur Datierung.
    Zumindest ein Dach im Fabriksgelände ist stark verfallen sodass wir hier eher auf das bereits stillgelegte Gaswerk nach 1974 blicken. Somit wird die Aufnahme wohl zwischen 1974 und dem Abbruch (wann?) entstanden sein.

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