Hinaus ins Land (149)
Als Stadtarchiv konzentrieren sich unsere Bestände natürlich vor allem – aber nicht nur – auf das Stadtgebiet von Innsbruck. Fotosammlungen mit Innsbruck-Bezug enthalten oft auch Ansichten aus Tirol (und darüber hinaus), vielfach leider ohne Beschriftung. Können Sie uns vielleicht bei der Zuordnung behilflich sein?
Die heutige Aufnahme stammt von Hans Biendl und ist auf zirka 1925 bis 1938 datiert. Besonders amüsiert hat mich hierbei die Beschreibung des unbekannten Dorfes im Winter:
„Alte Ställe und Heustadel in einem unbekannten Ort, vermutlich in einem Torurismusort, wie man an dem Haus im Hintergrund und ganz links, wo man noch eine Ecke sieht, erahnen kann.“
Zwei Gedanken kommen mir da sofort. Erstens die ketzerische Bemerkung, wenn das Tirol ist (was anhand der Häuser naheliegt), dann muss es heute ein Tourismusort sein, denn welcher Ort in Tirol ist kein Tourismusort? Und zweitens die verwunderte Frage, welche Ahnung von Tourismus die Hausecke ganz links versprüht. Klar, das Haus im Hintergrund ist erkennbar neueren Datums und eher kein Bauernhaus, aber warum touristisch, warum nicht eine bürgerlicher Villa, Kaufmann, Jurist oder was auch immer? Das erschließt sich mir nicht ganz…
(Stadtarchiv Innsbruck, KR-PL-K-1361)
Nein, ich weiß es nicht. Alpbach, Wildschönau, irgend ein jämmerliches Sankt Hinterwald.
Zur rätselhaften Einstufung des randständigen Hauses ganz links als Tourismus geweihtem Objekt fällt mur nur auf, dass es zusammen mit dem zweiten Gästezimmerhaus als einziges nicht mehr schindelgedeckt ist. Vielleicht auch noch das zaghafte Dekor an den Balkonstützen.
Dass der Tourismus schon zu toben begonnen hat, sieht man am dirndlgeschmückten Tafele mit einem vermutlich auf reim-Di-oder-i-friss-Di Basis verfassten launigen „Unser Dorf für Fremde“ Geschreibsel. Oder Annamirl lädt zum Heimatabend. Was weiß ich. Dass es überhaupt Tafelen gibt, vorne sieht man auch noch eines, zeigt, dass es da jede Menge Ahnungslose gibt, denen man sagen muss, wo sie sind und was sie tun sollen. Touristwillitsch in Frühform.
Der Mann mit der Buckelkraxe im Hintergrund wird sich auch schon überlegt haben, ob ein Zimmer Frei Tafele nicht weniger mühsam wäre.
Verspätet, danke für den Blick für die Details, die mir entgangen sind. 🙂
Erinnert an James Bond…
Scheint eine ehemalige „Voralm“ (in Vbg „Maiensäß“ genannt) gewesen zu sein –
– wo gab es in Nordtirol Ähnliches? und
– wie siehts wohl heute dort aus?
Mein erster Gedanke war Vals in Graubünden. Dort ist der Dorfkern auch so eng und zum Teil verschachtelt gebaut. Das relativ steile Gelände würde ebenso passen wie der Hinweis Tourismusort.
Leider geht sich das aber mit der Dachgestaltung nicht aus. In Vals wurden die Dächer – zumindest im Ortszentrum – immer mit dem in der Umgebung vorkommenden Granit gedeckt. Sieht von oben betrachtet übrigens schön aus, besonders wenn die Sonne scheint. Mir wurde vor vielen Jahren erklärt, die Bauordnung würde das so vorschreiben.
Die von Herrn Hirsch erwähnten Tafelen für Ahnungslose sind den Einwohnern wohl mit zunehmendem Touristenaufkommen ausgegangen. Zumindest scheint man von jenem am Zaun im VG auch die Rückseite verwendet zu haben. Es sei denn, die Eigentümer des Grundstücks hätten sich selbst einen Hinweis geben wollen …