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Gymnasialgebäude

Gymnasialgebäude

Vor einigen Wochen habe ich in einem Beitrag zu einer geplanten Stadtführung ein Bild vom Portal der damaligen k.k. Universitäts-Bibliothek eingestellt – heute ein Eingang zur Theologischen Fakultät. Das heutige Bild ist, zwar mit anderem Bildausschnitt, ein schönes Vergleichsbild dazu.

Vor dem Einzug der Bibliothek war in diesem Gebäude seit 1606 das Gymnasium der Jesuiten situtiert. In den 1720er Jahren wurde das Gymnasium zur heutigen Form ausgebaut. Als 1773 der Jesuitenorden vom Papst aufgelöst wurde und die Anziehungskraft des Gymnasiums somit auch nachließ, wurde bald auch die Bibliothek (zuvor in der Herrengasse) im Gymnasialgebäude untergebracht. Nun begann eine fast ein Jahrhundert dauernde Kohabitation der beiden Institutionen, die nicht immer friktionsfrei war.

Im Jahr 1868 war es damit schließlich vorbei, das Gymnasium übersiedelte in das ehemalige Franziskanerkloster – heute Volkskunstmuseum – und die Bibliothek hatte das Gebäude ganz für sich. Schon seit den 1850er Jahren waren die Platzverhältnisse im Gymnasialgebäude für beide Institutionen zunehmend unterträglich geworden: Durch eine tiefgreifende Bildungsreform in der Habsburgermonarchie war das Gymnasium um zwei Jahre verlängert worden, sodass sich auch die Zahl der Schüler erhöhte. Andererseits war durch die Aufhebung der Zensur im Zuge der Revolution von 1848, die steigende Buchproduktion und den wissenschaftlichen Aufschwung der Universität die Zahl der Bücher in der Bibliothek jährlich stark angewachsen.

Wenn man davon ausgeht, dass die Schilder über dem Eingang zeitnah zum Auszug getauscht wurden, dann bedeutet das auch, dass das heutige Titelbild wohl vor 1868 entstanden ist, was ich sehr beeindruckend finde. Das Bild unterstreicht außerdem die zahlreichen Schilderungen des etwas desolaten Zustands des Bibliotheksgebäudes und die Klagen darüber. Auch der Zustand der Straße fällt zum damaligen Zeitpunkt wohl eher unter die Rubrik Schlammschlacht.

(Stadtarchiv/Stadtmusem Ph-7941)

Dieser Beitrag hat 8 Kommentare
  1. Ein wunderbares Detail ist auch der kleine Glockenturm, welcher heute nicht mehr vorhanden ist.

    Der Straßenletten erklärt auch die an manchen alten Häusern noch vorhandenen eisernen Fußabstreifer – Fachterminus: Schuhkratzer, an welchen man sich die lettigen Schuhe säubern konnte.

  2. Was wohl eine „Habsburgermorchie“ ist, wie es im Text zu lesen ist? Da hat der Computer offenbar die fehlenden Buchstaben N und A verschluckt und ein cooles neues Wort erfunden….

  3. Der markanter Straßenbereich rechts unten erinnert an abgefrästen Asphalt.
    Ob man damals bereits alten ‚Letten‘ abschschöpfte um ihn neu aufzufüllen? In diesem Fall wäre die ‚Zuständigkeitsgrenze‘ klar definiert und nicht zu übersehen.

      1. Vielen Dank, Herr Roilo, ich wollte dieses Foto auch gerade heraussuchen!
        Dem aktuellen Zustand nach zu urteilen, war dies die erste und letzte Asphaltierung dieses Strassenstückes …

  4. Zum Glockentürmchen ist in den Archiven vermerkt, dass diese Holz-Konstruktion bereits anno 1872 entfernt wurde.

    Es handelt sich dabei um die historische Schulglocke des Gymnasiums. Die Innsbrucker Nachrichten vom 27. August 1872 berichten:

    „(Vom alten Gymnasial-Gebäude) ist gestern das Thürm-
    chen sammt Glocke entfernt worden. Das Glöcklein hat
    viele Tausend Studentlein zum Unterrichte gerufen.“

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