Großraumtriebwagen, aber welcher?
Den im Titelbild zu sehenden Großtraumtriebwagen der IVB haben wir auf unserer Blog meiner Recherche nach noch nicht präsentiert. In unserer Datenbank sind die Informationen dazu auch äußerst mangelhaft. Nur das Offensichtliche wurde angeführt: „Straßenbahn, Großraumtriebwagen Linie 1“.
Für mich stellt sich in weiterer Folge die Frage nach der entsprechenden Serie. Beim ersten Blick wär mir vorgekommen, dass die Nummer 45 am Triebwagen zu lesen ist. Beim Blick auf die Website unserer Freunde der Tiroler MuseumsBahnen wurde aber klar, dass es diese Nummer nicht sein kann. Dann bildete ich mir ein, die Zahl 55 zu lesen. Auch hier eher Fehlanzeige. Schließlich kann es sich meines Fürhaltens nur um die Zahl 65 handeln. Abgeglichen mit der Beschreibung von vierachsigen Triebwerken der Lohnerwerke würde das passen.
Bleibt nur zu hoffen, dass Herr Schneiderbauer noch nicht im Urlaub ist, diesen Artikel sieht und uns über die Fakten aufklärt.
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, Ph-9577)
Ich verreise erst wieder im September, deshalb kann ich ganz schnell antworten, dass Nr. 65 korrekt ist. Gut recherchiert! Ein von Lohner in Wien auf Basis einer von der Düsseldorfer DÜWAG erteilten Lizenz gebauter Vierachser aus der Serie 61-66, Baujahr 1960. Diese sechs damals ziemlich modernen Wägelchen leiteten 1960 die seit den 1930ern aufgeschobene Modernisierung der Straßenbahn mit Großraumwagen ein und waren eigentlich für den Betrieb mit etwa gleich großen Beiwagen vorgesehen, die aber nie beschafft wurden. Tw 61 aus dieser Serie ist bei den TMB noch vorhanden und war grade erst letzten Samstag wieder als Museumslinie unterwegs, und Tw 64 lebt auch noch, im Verkehrsmuseum Historama in Ferlach, leider nicht mehr rollfähig, aber wenigstens nur staubig und nicht verrostet.
Womit ich mich aber etwas schwertue, ist die Location. Nach dem Ausschlussverfahren: es muss der Südast der Linie 1 sein, und dort gibt und gab es außerhalb der Innenstadt nur drei solche 90°-Kurven. Die niemals wechselnden Zieltafeln dieser Epoche sind auch nicht hilfreich, man erkennt nicht, wohin der Wagen führt. Also entweder vor der Konzertbrücke mit Ziel Hungerburgbahn, oder hinter der Konzertbrücke mit Ziel Bergisel. Die Gebäude im Hintergrund kommen mir alle nicht bekannt vor, aber die Beschaffenheit der Gleistrasse im Vordergrund lässt mich eher an den Südring denken als an die Pastorstraße.
Der Triebwagen ist eindeutig gerade von der Fritz-Konzert-Straße in die Anton-Melzer-Straße eingefahren. Links im Bild sieht man auch die Fläche der stadteinwärtigen Haltestelle.
Klingt plausibel.
Südring auf Höhe Cineplexx mit Blick nach Osten. Die Häuser im Hintergrund links sind Leopoldstraße 52-54.
https://innsbruck-erinnert.at/ein-mal-rundherum/