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Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Erinnerung An Die Brennerbahn – „Botzen“

Erinnerung an die Brennerbahn – „Botzen“

Nach zahlreichen Tunneln, Brücken, Bahnhöfen und vor allem erstaunlich viel Berglandschaft haben wir es geschafft: Botzen (sic!) ist erreicht. Die Nummer 25 ist die letzte Abbildung in unserem Erinnerungsalbum zum Bau der Brennerbahn und zeigt den damaligen Zielort der 1867 eröffneten Strecke.

Ganz so einfach macht es uns der Künstler auch beim großen Finale nicht. Denn wer nach all den bisherigen Ansichten nun auf eine stolze Darstellung der neuen Eisenbahn gehofft hat, wird ein letztes Mal enttäuscht, von der Bahn ist nichts zu sehen. Stattdessen breitet sich das von einer geradezu bilderbuchhaften Bergkulisse umgebene Bozen aus.

Einige Elemente der Stadt lassen sich gut erkennen. Besonders auffällig ist rechts der mächtige Turm der Bozner Pfarrkirche, des heutigen Doms. Dahinter und daneben drängen sich die Häuser der damals noch vergleichsweise kleinen Stadt. Ganz am Horizont sind außerdem zwei Schlösser oder Burgen zu erkennen. Welche Anlagen wollte der Künstler hier darstellen? Vielleicht wissen unsere Leser*innen mehr und können uns bei der Identifizierung weiterhelfen? An Burgen und Ansitzen in der Umgebung mangelte es Bozen jedenfalls nicht. Im Vordergrund nimmt die Talfer mit ihrem Flussbett viel Raum ein. Jenseits davon liegt die dicht bebaute Altstadt, während sich dahinter die Hänge und Berge erheben. Bozen war damals noch weit von seiner heutigen Ausdehnung entfernt, große Teile des heutigen Stadtgebietes waren in jenen Tagen unverbaut. Die städtebauliche Entwicklung südlich und westlich des alten Zentrums setzte erst in den folgenden Jahrzehnten verstärkt ein.

Ich bin in Sachen Bozner Bergpanorama nicht wirklich bewandert, aber auch hier ging es dem Künstler scheinbar weniger um eine topografisch exakte Wiedergabe als um eine möglichst eindrucksvolle Kulisse für die Reisenden. Die Berge rücken etwas näher zusammen, die Landschaft wird dramatischer – Hauptsache ist das gefällige Panorama. Vielleicht liegt genau darin auch der Schlüssel zu unserem gesamten Erinnerungsalbum. Wer darin eine technische Dokumentation des Baus der Brennerbahn sucht, wird jedenfalls enttäuscht. Die Eisenbahn ist vielmehr der rote Faden einer Reise durch Tirol und Südtirol. Im Mittelpunkt stehen die entlang der Strecke zu bestaundenden Landschaften, Burgen, Dörfer und Bergmassive. Dass dabei gelegentlich ein Berg ein wenig näher rückt oder die eigentliche Hauptdarstellerin, die Brennerbahn, fast vollständig aus dem Bild verschwindet, scheint den Künstler nicht weiter gestört zu haben.

Mit dem Bildnis von Bozen schließt nun das Album, wenngleich unsere Serie noch ein weiteres Mal fortgesetzt wird. Denn einen wichtigen Ort haben wir uns für den Schluss aufgehoben: den Bahnhof von Bozen. Schließlich sollte nach einer so langen Reise die Eisenbahn selbst das letzte Wort haben.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Ph-A-24611-27)

Dieser Beitrag hat 3 Kommentare
  1. Ja, bedauerlich, daß unser Zeichenkünstler nicht die einzelnen Sehenswürdigkeiten am Bild nummeriert – und in einer Fußnote der Reihe nach namentlich aufgeführt – hat.
    Dann wüßten wir gleich, ob der „Fabriksschlot“ links vielleicht „der g’scheibte Turm“ sein könnte, und wie die kleine Burg weiter sarntaleinwärt heißt. Burgen gibts on dieser Gegend einfach zu viele, oder?
    Aber das mächtige Schloß Runkelstein nördlich der Stadt ist einigermaßen erratbar. Obs zur Zeit unseres Künstlers wirklich so prächtig ausgesehen hat? Oder wollte er es halt einfach deutlich hervorheben? Und ob er sich die herrlichen Wandgemälde, den umfangreichsten profanen Bilderzyklus des Mittelalters, auch selbst angesehen hat?
    Oder hat er sein Skizzenbuch zugeklappt, ist vom Kalvarienberg herunter – und in den nächsten Zug Richtung Norden gestiegen – um von Innsbruck aus dann endlich nach Osten heimwärts zu fahren?

    1. Die kleine Burg im Talausschnitt des Sarntales ist Schloß Rafenstein. Am alten Weg ins Sarntal. (Foto auf Seite 200 in Rampold „Bozen – Salten, Sarntal, Ritten, Eggental Athesia Bozen 1975) Der kleine Weiler davor könnte St Jakob im Sand sein.
      Ja, es ist ein Genuß, manches kennen- und benennen zu lernen. (Hoffentlich stimmts wenigstens, was ich da zusammengesuchht habe)

  2. Der Fluß von re nach li fliessend am Bild ist glauben wir noch der Eisack, die Talfer aus dem Sarntal kommend müsste li hinter dem Gebüsch in den Eisack einmünden. Am Südrand von Bozen fliessen die Gewässer dann in die Etsch (vom Vintschgau u. Burggrafenamt kommend) ein.

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