Vom Ausschuss und Vorschuss
Vor einem Bauernhaus posieren zehn adrett gekleidete Herren samt Schirm und Hut. Bei der Gruppe handelt es sich um den Ausschuss des Innsbrucker Vorschussvereins. Doch worum handelt es sich eigentlich bei einem Vorschussverein, oft auch Spar- und Vorschussverein genannt? Vereinfacht gesagt handelte es sich dabei um einen Vorläufer der heutigen Volksbanken. Die Gründung solcher Vereine erfolgte überwiegend im 19. Jahrhundert. Die Mitglieder leisteten Einlagen, die wiederum dazu dienten, den Vereinsangehörigen günstige Kredite zu ermöglichen.
Der Innsbrucker Vorschussverein wurde, soweit dies über Zeitungsberichte nachvollziehbar ist, am 15. Juni 1870 gegründet. Sein offizieller Sitz befand sich in der Erlerstraße 8. Bereits wenige Monate später erfahren wir aus dem Tiroler Tagblatt einige Details über den jungen Verein:
Innsbrucker Tagblatt, 8. November 1870, S. 2.Der Innsbrucker Vorschußverein hat bereis 5000 fl. an Darlehen hinausgegeben und zählt dermalen nahezu 90 Mitglieder. Neue Anmeldungen sowie auch Ansprüche auf Darlehen nimmt der Herr Verinskassier Karl Kuplwieser in seiner Wohnung (Margarethenplatz, Bruggerhaus Nr. 649, 3. Stock rechts) an jedem Montag und Donnerstag zwischen 8 und 10 Uhr Vormittags entgegen. Im Gewährungsfalle kann das Darlehen noch am nämlichen Tage in Emmpfang genommen werden.
Der Innsbrucker Vorschussverein bestand bis ins Jahr 1943. In diesem Jahr wurde er mit dem St. Josefs Spar- und Vorschussverein, gegründet 1876, zusammengeschlossen. Durch die Übernahme der Allgemeinen Bauspargenossenschaft „Alba“ entstand schließlich 1950 die Handels- und Gewerbebank.
Kommen wir abschließend noch einmal auf unser Titelbild zurück. Die Zugehörigkeit der Herren konnten wir klären. Datiert wurde die Aufnahme in unserem System auf das Jahr 1920. Schweigen hüllt sich jedoch um den Aufnahmeort. Können unsere findigen Leser:innen diesen eruieren?
(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, KR-PL-1353)