Der Bau der Nordtiroler Eisenbahn – Kein Halt mehr in Langkampfen
Bislang berichteten wir meist über neue Haltestellen, die im Laufe der Jahre hinzugekommen sind. Auf der Strecke Innsbruck–Kufstein gibt es nun jedoch eine gegenteilige Entwicklung: Die ehemalige Haltestelle Langkampfen wird nämlich seit Dezember 2023 nicht mehr bedient.
Dabei war Langkampfen zwar nicht von Anfang an Teil der Strecke, bestand jedoch bereits seit 1883 und war bis 1966 sogar mit Personal besetzt. Auf dem Titelbild aus der Sammlung Newessely ist der Bahnhof zwar nicht direkt zu erkennen, dennoch zeigt die Aufnahme schemenhaft das Langkampfen der 1950er-Jahre.
Bildmaterial aus der Umgebung ist in unserem Archiv leider rar. Umso erfreulicher ist es, dass wir dank eines Kommentars von Frau Pöll im letzten Beitrag zumindest ein Foto des Bahnhofs zeigen können. Wann das auf dem Bild zu sehende Bahnhofsgebäude abgetragen wurde, ließ sich bislang nicht klären. Heute erinnern an der ehemaligen Haltestelle nur noch die kleinen Wartehäuschen an ihre lange Geschichte.

(Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck, GoNe-018817)
Das Titelbild wurde vom Gemeindegebiet Angath aus aufgenommen. Blick Richtung osten. Es ist die Innschleife und der Wald eines Teils des Kirchbichler Ortsteiles Bichlwang ersichtlich.
Rechts im Bild, neben dem Baum, der Turm der Kirche in Oberlangkampfen.
Bezüglich des Abbruchdatums des Haltestellen- bzw. Bahnhofsgebäudes versuche ich noch zu eruieren. Vermutlich handelte es sich im Bild #2 genaugenommen nicht um ein Bf.-Gebäude, sondern um eine mit Wärter besetzte Blockstelle, also einem Blockposten.
1985 hat es jedenfalls noch existiert.
Eine ähnliches (oder gar identisches) Gebäude stand auch in Schaftenau.
bzgl. Schaftenau: meinen sie das Gebäude auf Bauparzelle 55 südöstlich Loier? https://maps.arcanum.com/de/map/cadastral/?layers=3%2C4&bbox=1350248.9098018308%2C6034888.6236588955%2C1351381.7304475883%2C6035313.207464449
Laut der Fortführungsmappe des BEV war die österreichische Bundesbahn Eigentümer (1983). Anfang 1980er Jahre verschwindet es auf den Luftbildern.
Beim Gebäude handelte es sich um ein Wächterhaus. Die Haltestelle Langkampfen wurde in den Jahren 1989/90 um etwa 200m nach Richtung osten, in den geraden Bereich der Trasse, versetzt.
Der Abbruch des Gebäudes dürfte daher auch in diesen Zeitraum fallen.
Der Bahnhof Schaftenau besaß ursprünglich ebenso ein (vermutlich identisches, ich tippe auf einen Typenbau) Wächterhaus. Auch hier gab es Personal (genauer gesagt: eine Person). Ob diese den etwa einen halben Kilometer in Fahrtrichtung Innsbruck liegenden Schranken bediente, entzieht sich aber meiner Kenntnis. Ebenso, ob sie für die Weichenstellung zum Betriebsgleis der Schaftenauer Dependence der Biochemie Kundl (also Sandoz, heute Novartis) zuständig war, das knapp nach dem beschrankten Bahnübergang abzweigte. Dieses Gleis gibt es heute nicht mehr, auf den Luftbildern von Google Maps ist sein damaliger Verlauf im Bereich der Ausleitung aber noch am Bewuchs erkennbar.
Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den genauen Zeitpunkt des Umbaus der Haltestelle nicht mehr weiß – trotz wöchentlich mehrfachen Besuchs, da Schaftenau-Kufstein-retour meine tägliche gymnasiale Pendelstrecke darstellte. Ich bin aber ziemlich sicher, dass die Arbeiten im Wintersemester 1986/87 abgeschlossen waren.
Begründung: Damals fuhr ich häufig gemeinsam mit einem Nachbarn, der zwei Klassen über mir war, in die Schule – zum Zug mussten wir zwar deutlich weiter latschen als zum Bahnbus, waren dafür aber weit früher am Ziel, was das Abschreiben eines zumindest nennenswerten Teils der Hausaufgaben ermöglichte. Der Nachbar maturierte 1987 und ich bilde mir ein, dass wir unsere Frühstückszigarette bereits im Windschatten der neuen Wartehäuschen zu uns genommen haben.
Die Umbauarbeiten an der Haltestelle Schaftenau dürften aber auch deutlich umfangreicher gewesen sein als derer in Langkampfen: Sie wurde nicht nur oberirdisch umgestaltet, sondern bekam auch eine (wiederum auf Google Maps gut sichtbare) Unterführung gebuddelt. Meiner Erinnerung nach ging damit auch eine Verlegung der Zufahrsstraße um einige zig Meter einher.
Der Schranke blieb danach dauerhaft unten – das „Pling – pling – pling“ seiner Glocke beim Schließen habe ich heute noch im Ohr.
Die Awanst (Ausweichanschlußstelle) war mit einem Fahrdienstleiter besetzt und somit betrieblich einem Bahnhof gleichgesetzt.
Alle EK wurden eliminiert, und durch Unterführungen ersetzt.