skip to Main Content
Der Bilderblog aus dem Stadtarchiv/Stadtmuseum Innsbruck
Crisis? What Crisis?

Crisis? What Crisis?

lautet der Titel einer Langspielplatte aus Vinyl, die in den 1980-er Jahren in vielen Backfisch- und Halbstarken-Zimmern (bzw den mit den Geschwistern geteilten Zimmern) im Regal stand. Oft waren die Namen der Besitzer drauf vermerkt, weniger wegen der Geschwister, mit denen hatte man einen all-in Leihvertrag ohne Nachfrage. Erstens weil Schallplatten so teuer waren, dass man nur zum Geburtstag und zu Weihnachten eine bekam und auch weil wenn man selbst einmal etwas Geld hatte, dem Bruder das Album kaufte, das man selber gerade gern hätte. So lange diese deals auf Gegenseitigkeit beruhten, ein pragmatischer Brauch in Zeiten des gefühlt Ewigen Wirtschaftswunders aber doch auch permanenter Bargeldknappheit am Wochenende.

Das Titelbild zeigt die Neuhauserstraße an einem Wintertag 1944 oder 1945. Das Ehepaar Gustl und Paula Mayr machte einen seiner Spaziergänge im Grätzel, wie so oft mit geschulterter Kamera und dem Blick für den Moment. Hinten leuchtet die Gruabn verlockend im Mittagslicht; der Schatten geht ziemlich schnurgerade nach Norden. Die Richtung stimmt. Die Dame links im Bild ist, wie sich das Innsbruck gehört, in neuester Mode und mit schicker Umhängetasche unterwegs, hat Ski und Stecken geschultert; der Sonntag ist einfach zu schön, um zu Hause zu bleiben. Ist sonst irgendwas ungewöhnlich?

Da ist noch das Schild „VORSICHT Einsturzgefahr“ am Haus Nummer 2, wo heute Dr. Niescher und viele andere Ärztinnen und Ärzte um das Wohlbefinden ihrer Patientinnen besorgt sind. Der Zauberstaub der Gesundheitsvorsorge, ohne Rezept erhältlich aber doch relativ selten ausreichend vorhanden, ist ja angeblich die sagenumwobene Resilienz. Diese variierende Mischung aus Wurschtigkeit, Trotz und Widerstandskraft heilt nicht, aber sie hilft… an einem schönen Wintertag in Innsbruck-Wilten, mitten im Krieg.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Ja, das Haus Neuhauserstraße 2 wurde so um 1953 oder 54 wieder geflickt, wo es beschädigt worden war. Im Parterre rechts befand sich die Röntgenpraxis Dr Ruckensteiner.
    (Ich darf daran erinnern, daß in diesem Haus auch einmal vor langer Zeit der Schriftsteller Rudolf Greinz gewohnt hat.)
    Das Haus nördlich davon, Fischergasse 9, ebenfalls nach Kriegsschaden wiederhergestellt, wat Wohnsitz des – was war er gleich? Landeskonservator? – jedenfalls jenes Mannes, dem wir die Aufstellung des Leopoldsbrunnens verdanken. Er war es, welcher die auf dem Vorplatz des Stadt- bezw. Landestheaters herummlümmelden Bronzefiguren ihre Plätze auf dem neugeschaffenen Brunnenschaft und am Rand der Schale dieses Leopoldsbrunnens zuwies…
    Die Templstraße war hier, in ihrem oberen Teil, nicht mehr als ein eher schmaler Durchgang und die Vorgaärten mehr als doppelt so groß. Aaaaber die Autos – gell!!! So hat man gehandelt – ich habs daheim entsetzt meiner Mama berichtet – und sie hat gemeint: Ja, ja – zuerst jammert man – und dann wirds doch wieder nett hergerichtet – und bald hat man vergessen, wie es davor war…“
    Da muß ich widersprechen. Zumindest ich weiß es noch.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Back To Top
×Close search
Suche